Lenzburg
In der geheimnisvollen Wüste vergisst man die Zeit

Der Aargauer Fotograf Christoph Weisse entführt seine Besucher in der Artoz Papier AG in eine surreale Welt. Es spielt bald keine Rolle mehr, in welchen Breitengraden, auf welchem Kontinent die Kunstwerke entstanden sind.

Margrit Rüetschi
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Aargauer Fotograf Christoph Weisse zeigt surreale Bilder
5 Bilder
«Mesah Arch», Canyonlands, Utah.
«Weisse Wüste», libysche Sahara.
Christoph Weiss vor der Kamelkarawane.
Mono Lake, Kalifornien.

Aargauer Fotograf Christoph Weisse zeigt surreale Bilder

Man möchte den Finger in die honiggelbe Masse tunken, Anfang und Ende des marmorähnlichen Hügel-Gebildes mit den eigenen Sinnen erforschen. Sinnlich-berührend ist die Foto-Ausstellung von Christoph Weisse in der Artoz Papier AG Lenzburg.

«Das Spannungsfeld der digitalen Fotografie in Verbindung mit dem Papier als Träger der Visualisierung» heisst es im Einladungstext der Ausstellung. Losgelöst von dieser Erklärung lässt man die Bilder mit Entspannung auf sich wirken.

Fotografie als Kunst?

«Entschleunigung» scheint das Zauberwort zu den wundersam berührenden Landschaften und der zarten Annäherung zwischen Menschen aus anderen Kulturen zu sein. «Vermillion Cliffs Wilderness, Utah» oder Danakil Wüste, Semien Gebirge, Äthiopien», liest man als Untertitel der Bilder.

Beim Rundgang durch die Ausstellung lässt man die Zeit draussen vor der Tür. Unweigerlich wird der Betrachter in die surrealistisch wirkende Szenerie hineingezogen, und es spielt keine Rolle mehr, in welchen Breitengraden, auf welchem Kontinent die Kunstwerke entstanden sind. Wie Stalagmiten ranken sich kristalline Gebilde in den mondverhangenen Himmel hinein, mit aufbrechenden Rissen tut sich die Erde geheimnisvoll auf, kupfern scheint das Felsmassiv zu verglühen.

In diesem Zusammenhang diskutieren die Vernissagebesucher darüber, ob Fotografieren unter den Begriff «Kunst» aufzunehmen ist.

«Geheimnisse des Westens» nennt Christoph Weisse seine Suche nach verborgenen Schätzen abseits der grossen Strassen im Südwesten der USA. Die «Suche nach aussen» bezeichnet er auch als eine «innere Suche» zu sich selbst, jede Entdeckung ist für ihn ein weiterer Meilenstein auf seinem spannenden Weg als Künstler.

Suche nach Ort dauert Jahre

Die Kunst des Fotografierens manifestiert sich unter anderem darin, dass Raum und Zeit vergehen, bis Christoph Weisse das optimale Licht, den richtigen Schattenwurf einfangen kann, um die optimale Wirkung zu entfalten. Manchmal dauert es Jahre, bis er einen ganz bestimmten Ort, eine einmalige Aussicht, gefunden hat.

Beim Erzählen beginnen die Bilder zu leben, man nähert sich behutsam dem «Christian Monk» im SemienGebirge oder dem «Arfa Girl» in der Danakil-Wüste an. Man ist mitten in der Karawane in der äthiopischen Wüste, die das kostbare Salz auf einem beschwerlichen Weg zum Zielort transportieren muss.

Christoph Weisse wurde 1962 in Kassel, Deutschland, geboren. Seit 1993 unternimmt er weltweit Reisen mit Schwerpunkt auf Wüsten und Canyons des amerikanischen Südwestens. Seit 1994 arbeitet er als Marketing- und Verkaufsdirektor in verschiedenen Firmen in der Schweiz.

Die Ausstellung dauert bis zum 19. November. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr. Samstag, 9 bis 14 Uhr. (Künstler anwesend). Sonntag geschlossen.

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