Keine Gemeinde ist im vergangenen Jahr in der Region Aargau West so stark gewachsen wie Holderbank. Die Bevölkerung hat um knapp neun Prozent zugenommen. Ende 2018 zählte das Dorf 1320 Einwohner – 106 mehr als noch ein Jahr zuvor. Das sind dreimal so viel Neuzuzüger als in den vergangenen Jahren. Und der Boom geht weiter: So sind kürzlich die Überbauung Wohnpark Süd mit 22 Mietwohnungen und die Überbauung Schlossblick mit ebenso vielen Eigentumswohnungen fertiggestellt worden. Jetzt liegen auf der Kanzlei Pläne auf für eine weitere Überbauung mit insgesamt 42 Wohnungen. Die beiden Baugesuche sind bis zum 22. Juli einsehbar.

Dass Holderbank zurzeit ein derart grosses Wachstum aufweist, stelle das Dorf vor Herausforderungen, sagt Gemeindeammann Herbert Anderegg. «Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.» So braucht die Gemeinde dringend mehr Schulraum. Zurzeit werden zahlreiche Schüler in Provisorien unterrichtet. «Da sind wir aber auf gutem Weg», sagt Anderegg.

Zur Erinnerung: An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom April sagten die Stimmbürger Ja zum Planungskredit über 1,5 Millionen Franken für das neue Schulhaus mit einer Einfachturnhalle. Dies mit einer rund vierjährigen Verspätung – eine Erbengemeinschaft hatte sich bis vor Bundesgericht erfolglos gegen die Umzonung ihres Grundstücks gewehrt.

Bauland vergleichsweise günstig

Nicht nur das Problem des knappen Schulraumes gilt es zu lösen, sondern auch generell das der beschränkten finanziellen Mittel: «Wir müssen haushälterisch mit dem umgehen, was wir haben», sagt Herbert Anderegg. Denn mehr Einwohner bedeuten nicht zwingend grössere Steuereinnahmen. So könne es sein, dass zwar die kumulierten Steuereinnahmen der Bewohner eines Mehrfamilienhauses höher seien als bei einem Einfamilienhaus, die Kosten für weiteren Schulraum aber ebenfalls. «Denn in einem Einfamilienhaus wohnen vielleicht zwei, drei Kinder, in einem Mehrfamilienhaus weitaus mehr.»

Das grosse Wachstum, das Holderbank zurzeit erlebt, überrascht Herbert Anderegg nicht. Holderbank könne durchaus mit anderen Boom-Gemeinden wie Staufen mithalten. Dass die Leerwohnungsziffer im vergangenen Jahr die höchste im Kanton war, habe eine einfache Erklärung: «Kurz vor Stichtag Ende Juni wurde eine Überbauung an der Schulstrasse fertig erstellt.» Holderbank habe verschiedene Vorzüge, so Anderegg: «Im Gegensatz beispielsweise zu Staufen verfügen wir über einen direkten Bahnanschluss.»

Und auch die A 1 sei nur etwas mehr als fünf Minuten entfernt. Zwar gebe es nicht mehr viel Bauland im Dorf, weshalb auch die Preise angestiegen seien. «Das Land ist aber immer noch günstiger als in Möriken-Wildegg», sagt der Ammann. Auch was den Steuerfuss angeht, sei das Dorf attraktiv. Ob dieser weiterhin auf 95 Prozent bleibt, kann Anderegg nicht sagen. «Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig.»

In die vier geplanten Mehrfamilienhäuser an der Hauptstrasse sollen etwa rund 70 zusätzliche Personen nach Holderbank ziehen. Für knapp neun Millionen Franken will die Bauherrin und Grundeigentümerin Feldmann-Baumanagement AG aus Muri insgesamt 42 Mietwohnungen auf der knapp 4000 Quadratmeter grossen Parzelle 678 erstellen. Bei einem Haus handelt es sich um einen dreigeschossigen Ersatzneubau der Liegenschaft an der Hauptstrasse 37, die in der Bau- und Nutzungsordnung als strassenprägend definiert worden war. Drei weitere, viergeschossige Häuser kommen auf das zurzeit ungenutzte Areal neben dem bestehenden Mehrfamilienhaus. Dafür müssen mehrere kleinere Gebäude abgebrochen werden. Die neuen Mehrfamilienhäuser erhalten jeweils ein Ziegeldach. Die Tiefgarage soll über 43 Parkplätze verfügen, oberirdisch werden sechs weitere Abstellplätze erstellt.