Mit Kurt Schäfer galt es Abschied zu nehmen von jener markanten Persönlichkeit, welche das öffentliche Geschehen in Lenzburg vor vier Jahrzehnten mehrfach und nachhaltig abseits der Politik beeinflusst hat.

Der legendäre OK-Präsident vom Stadtfest 1975 und von der 175-Jahr-Feier des Kantons Aargau anno 1978 ist am 2. Juli 2015 nach kurzem Spitalaufenthalt verstorben.

Im Gedenken an Kurt Schäfer werden Erinnerungen an grosse Volksfeste wach, welche dem Image seiner Vaterstadt förderlich waren: Insbesondere das Kantonsjubiläum, das von der Regierung kurzfristig und überraschend den Lenzburgern übertragen und unter Schäfers Leitung gegen den Widerstand der beleidigten Badener mit grösstem Erfolg organisiert wurde. Sein über die Weihnachtstage 1977 erarbeitetes Konzept mit dem Einbezug der elf Bezirke wird heute noch an kantonalen Jubelfeiern angewendet.

Über 150 000 Aargauerinnen und Aargauer begegneten sich unter dem Motto «Kennenlernen» in der Lenzburger Altstadt zu besinnlichen, kulturellen, gemeinnützigen und sportlichen Aktivitäten. Damit hat sich Kurt Schäfer – vom Aargauer Tagblatt als «grösster Festbruder des Kantons Aargau» bezeichnet – um die Stadt Lenzburg und den Kanton Aargau verdient gemacht. An der Einwohnerratssitzung im Dezember 1978 wurde er dafür mit der Verleihung des Goldtalers geehrt.

Sein ausgesprochenes Organisationstalent stellte der Unternehmer auch dem Lenzburger Gewerbeverein mit der regelmässigen Durchführung der Gewerbeausstellung (LEGA) und der ersten aargauischen Gewerbeausstellungen zur Verfügung.

Kurt Schäfer, geboren am 20. Dezember 1926, wuchs in Lenzburg auf und absolvierte bei den Städtischen Werken eine Lehre als Elektromonteur. Der berufliche Werdegang führte ihn zur damaligen PTT, wo er Gross-Telefonanlagen betreute und sich zum dipl. Elektroinstallateur weiterbildete. 1967 gründete er sein eigenes Unternehmen, das er auf 40 Mitarbeiter ausbaute; 1994 übergab er die Elektroinstallationsfirma an seinen Sohn.

Der 1951 geschlossenen Ehe mit Rita Kissling aus Olten entsprossen Anita und Dieter. Das familienfreundliche Ehepaar freute sich über das Wachstum des untereinander eng verbundenen «Schäfer-Clans»; gemeinsam wurde gewirkt, gewerkt und gefeiert.

Darüber hinaus fanden sich im gastlichen Haus und Garten am Grabenweg bei den geselligen Gastgebern freundschaftlich auch viele frohe Runden bis in die Morgenstunden. Dazu gehörten auch die Aarauer Stadtsänger, wo Kurt Schäfer über 40 Jahre als erster Tenor mitwirkte.

Zur grossen Passion wurde ihm alsdann das Kochen, und selbstverständlich stand er beim traditionellen vorjugendfestlichen Fischessen im Stadtzelt als Chef Gastronomie an vorderster Front.

Der Tod seiner Gattin vor elf Jahren hat Kurt Schäfer schwer getroffen. Immer mehr zog er sich zurück, es wurde still um den einst so aktiven lebensfreudigen Mann. Just kurz vor dem diesjährigen Jugendfest bedingte ein Unfall einen Spitalaufenthalt, wo er friedlich einschlafen durfte. (HH.)