Stadtratswahlen
In Lenzburg wollen drei von fünf Stadträten aufhören – der Chef will bleiben

Im Herbst 2021 finden in Lenzburg Stadtratswahlen statt. Die Stadträte Martin Stücheli, Franziska Möhl und Martin Steinmann kündigen ihren Ausstieg aus der Politik an.

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Martin Stücheli, Franziska Möhl und Martin Steinmann (v.l.) treten bei den Wahlen im Herbst nicht mehr an.

Martin Stücheli, Franziska Möhl und Martin Steinmann (v.l.) treten bei den Wahlen im Herbst nicht mehr an.

Britta Gut, Fabio Baranzini, Montage:kob

Der Stadtrat Lenzburg musste letztes Jahr bittere Niederlagen einstecken. Im Einwohnerrat, an der Ortsbürger-Gemeindeversammlung, an der Urne. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass gestern drei Stadträte den Verzicht auf eine Wiederkandidatur im Herbst ankündigten. Bei Martin Stücheli (66, SVP) und Martin Steinmann (64, FDP) wurde das erwartet: Stücheli wird dem Gremium 16 Jahr lang angehört haben, Steinmann 9 Jahre. Bei Franziska Möhl-Wey (58, CVP) hätte man sich eine weitere Kandidatur vorstellen können, doch hat sie im kleinen Kreis immer wieder angetönt, dass auch 12 Jahre genügen würden.

Der Lenzburger Stadtrat in bisheriger Besetzung bei einer Sitzung im Rixheimerzimmer (von links): Stadtrat Martin Stücheli, Vizeammann Franziska Möhl, Stadtammann Daniel Mosimann sowie die Stadträte Martin Steinmann und Andreas Schmid.

Der Lenzburger Stadtrat in bisheriger Besetzung bei einer Sitzung im Rixheimerzimmer (von links): Stadtrat Martin Stücheli, Vizeammann Franziska Möhl, Stadtammann Daniel Mosimann sowie die Stadträte Martin Steinmann und Andreas Schmid.

benibasler.com

Wiederkandidatur von Schmid macht Sinn

Denkbar wäre auch ein Rückzug von Stadtammann Daniel Mosimann (62, SP) gewesen. Er wirkte zuletzt müde und desillusioniert. Jetzt tönt es anders. «Mosimann hat immer noch Freude am Amt des Stadtammanns und an den Her ausforderungen, die es mit sich bringt», heisst es in einer Me- dienmitteilung. Er sei «nach wie vor sehr motiviert, Projekte und Vorhaben zugunsten der Stadt zu lancieren und umzusetzen.» Mosimann ist seit 2013 Stadtammann und seit 2017 Grossrat.

Die Wiederkandidatur von Andreas Schmid (32, FDP) macht Sinn und es ist logisch, dass er zusätzlich Vizeammann werden will. Schliesslich sagt man ihm nach, er habe mittelfristig Stadtpräsidenten-Ambitionen. Die beiden wiederkandidierenden werden dafür sorgen, dass das zuletzt nicht sehr erfolgreiche «System Mosimann» in die neue Legislatur gerettet werden kann. Für wie lange ist offen: Denn niemand weiss, ob Mosimann die ganzen vier Jahre machen wird.

Die zentrale Figur ist Barbara Portmann (GLP)

Wer wird die drei Abtretenden beerben? Die Ausgangslage: 2017 gewann die FDP ein zweites Mandat. Auf Kosten der EVP, im Kampf gegen die SP (Beatrice Burgherr) und die GLP (Beat Hiller). Mit drei Sitzen (mit der CVP sogar vier) sind die Bürgerlichen im Stadtrat klar übervertreten. Bei den Grossratswahlen im Oktober betrugen die Wähleranteile: SP (21,8%), SVP (19,2%), FDP (17,6%), GLP (13,8%), Grüne (12,3%), CVP (9,6%). Je nachdem, wer mit wem zusammenspannt, wackelt nicht nur der zweite FDP-, sondern sogar auch der einzige CVP-Sitz.

Barbara Portmann-Müller

Barbara Portmann-Müller

Zur Verfügung gestellt

Viel wird dabei von der Qualität der Köpfe abhängen: Die zentrale Figur ist, Wissensstand heute, die GLP-Grossrätin Barbara Portmann-Müller (46). Sie ist im besten Politiker-Alter, ihre beiden Kinder sind Teenager, die Geografin arbeitet beim Kanton Zürich. Portmann positioniert die GLP als leicht links der Mitte (AZ vom 20.10.2020). Tritt sie an, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie gewählt wird. Und sie könnte dereinst erste Frau Stadtammann werden. Oder Nationalrätin (sie ist erster Ersatz) – was mit einem Stadtratsmandat in Lenzburg problemlos vereinbar wäre.

Die SP muss einerseits den Ehrgeiz haben, einen zweiten Sitz zu gewinnen, und andererseits einen Nachfolger für Stadtammann Mosimann aufbauen. Zwingende Kandidatinnen beziehungsweise Kandidaten gibt es kaum. Eine Lösung könnte der ambitionierte Stadtparteipräsident und Einwohnerrat Thomas Schaer (42) sein. Die aller Voraussicht nach nächste Präsidentin des Einwohnerrats Beatrice Taubert (50) kann als städtische Angestellte nicht antreten.

SVP hat profilierte Frauen, FDP noch unübersichtlich

Bei der SVP ist die Auswahl vergleichsweise gross. Doch auch ihre aussichtsreichste Kandidatin, die Neu-Grossrätin und Stadtparteipräsidentin Brigitte Vogel (51), ist als Gewerbeschullehrerin im Solde der Stadt und damit nicht wählbar.

Ihre Ambitionen schon länger angemeldet hat Einwohnerrätin Corin Ballhaus (55), doch schloss sie im Oktober bei den Grossratswahlen auf heimischem Terrain enttäuschend ab. Gute Chancen hätte wohl auch die ehemalige Schulpflegepräsidentin und aktive Einwohnerrätin Myrtha Dössegger (60). Sie könnte allenfalls das Schulressort von Daniel Mosimann übernehmen. Es wird wegen der Abschaffung der Schulpflegen noch zeitintensiver. Myrtha Dössegger könnte jedoch aus Altersgründen auf eine Kandidatur verzichten.

Wahlkampf verspricht spannend zu werden

Bei der FDP ist das Feld von möglichen Kandidaten noch sehr unübersichtlich: Es fallen Namen wie Einwohnerrat und Bezirksrichter Christoph Nyfeler (37) oder Einwohnerrätin Corinne Horisberger-Buri (34). Letztere wäre als Wirtschaftsprüferin von der beruflichen Ausbildung her eine ideale Finanzvorsteherin, doch ist sie durch ihre Familie mit zwei kleinen Kindern stark beansprucht.

Und bei der CVP? Da hat Sabine Sutter-Suter (56) nach ihrer Abwahl als Grossrätin Gelüste für ein Comeback auf dem politischen Parkett. Doch eventuell käme für sie ein Stadtratsmandat wegen ihres neuen Jobs etwas zu früh. Und immer ein Thema ist Christina Bachmann-Roth (37, «Bald kommen meine Tage»).

Der Wahlkampf verspricht spannend zu werden – und erst recht der Wahltag am 16. September.