Seon

Jungbauer steckt Zeit und Geld ins Flieger-Hobby – und hat nicht nur darum mit Vorurteilen zu kämpfen

Jungbauer Simon Häfeli aus Seon mit einer vierplätzigen Mooney M20J auf dem Flugplatz Birrfeld.

Jungbauer Simon Häfeli aus Seon mit einer vierplätzigen Mooney M20J auf dem Flugplatz Birrfeld.

Der junge Landwirt Simon Häfeli aus Seon fliegt aus Leidenschaft und hat deswegen mit vielen Vorurteilen zu kämpfen.

Als Simon Häfeli den Motor startet, beginnt der Propeller zu drehen und es geht ein Ruck durch das Flugzeug. Wie bei einem Pferd, das sich die Mücken vom Fell schüttelt. Dann surrt der Propeller schön gleichmässig und in der vierplätzigen Mooney M20J wird es so laut, dass man sich nur noch via Headset unterhalten kann. Ungefähr eine Viertelstunde später – Laien verlieren ob der ganzen Aufregung jegliches Zeitgefühl – überlistet Simon Häfliger die Schwerkraft, und die Räder der amerikanischen Maschine verlassen den Runway 26 des Flugplatzes Birrfeld.

Als Simon Häfeli ein Kindergärtler war, hatte ein Luftfotograf seinen Helikopter auf dem Hof der Familie Häfeli in Seon stationiert. Es nahm den Jungen manchmal mit und steckte Häfeli mit dem Flieger-Virus an. Er wollte auch in die Luft. Und wenn Simon Häfeli sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er sich nicht davon abbringen.

Undifferenzierte Kommentare ärgern den Bauern und Piloten

Der 27-Jährige ist ein jovialer Typ – freundlich, interessiert, nie um einen Spruch verlegen. Einer, der immer weiss, wo man als Nächstes anpacken muss. Und es auch tut. Seine direkte Art und unverblümte Ausdrucksweise lassen erahnen, dass er bei einem Streit keinen Millimeter von seiner Meinung abweichen würde.

Wie steht es um die Sicherheit, was haben die Eltern zur Fliegerei gemeint? «Sie waren nicht übermässig besorgt», sagt Simon Häfeli. Zudem tönt er an, dass er sich auch nichts hätte verbieten lassen. Bäuerliche Eltern haben vermutlich auch einen anderen Zugang zu Maschinen, ob sie nun tonnenschwer auf dem Feld herumfahren oder durch die Luft pflügen.

Häfeli steuert das Flugzeug entlang des Juras in die Welschschweiz und zeigt auf Berge und Seen. Von oben ist plötzlich klar, warum der Primarlehrer nie müde wurde, die Klus von Balsthal zu erwähnen. Ein brachialer Einschnitt. Ein bisschen schaut der Chasseral zum Flugzeugfenster rein, er befreit sich gerade von den letzten Wolkenschwaden der Nacht.

Ungefähr eine Stunde nach dem Start im Birrfeld breitet Häfeli am sandigen Ufer des Neuenburgersees sein Badtüechli aus.

Neben der Sicherheit wäre das Geld ein Grund, der gegen die Fliegerei sprechen würde. Ist fliegen nicht ein Zeitvertreib für Reiche und deren Söhne? Hier wehrt sich Häfeli vehement, dieser Punkt ist ihm wichtig: «Wenn ich unter Piloten gefragt werde, was ich mache und Bauer sage, heisst es immer gleich ‹Ah, du finanzierst dir das mit den Direktzahlungen›.»

Solche Kommentare ärgern Simon Häfeli gewaltig. Genau wie die anderen Vorurteile gegen Bauern. «Die Bauern würden zu viel Pestizide spritzen, das Grundwasser verunreinigen und mit Direktzahlungen verwöhnt», zählt er auf. Simon Häfeli und sein Vater führen auf ihrem Hof Versuche durch, die einen Maisanbau ohne Pestizide zum Ziel haben. Ihre Kühe hätten es schöner als jedes Grossstadtbüsi ohne Auslauf. «Die Leute haben immer das Gefühl, dass man als Bauer keine Freizeit haben kann oder gar darf», sagt er. Doch dies müsse sich unbedingt ändern, «die Landwirtschaft muss moderner werden».

Bauern wie zu Grossättis Zeiten ist nicht reizvoll

«Man soll ein Einkommen generieren und einen Ausgleich haben können.» Wenn weitergebauert werde wie der Grossätti von 50 Jahren, sei der Job für Junge nicht attraktiv. Und Häfeli lebt vor, dass man auch als Bauer Zeit und Geld für ein aufwendiges Hobby aufbringen kann. Das Geld für seine Flugstunden hat er sich neben der Lehre verdient. Heute arbeitet er 50 Prozent auf dem elterlichen Hof, dazu als stellvertretender Flugplatzchef im Birrfeld und an zwei Orten als Lastwagenchauffeur. Dazu hilft er, den Zuckerrübentransport im Mittelland zu disponieren, und ist in zwei Vorständen. Diese Jobs ermöglichen es ihm, auch mal mitten an einem Dienstag für einen Schwumm nach Neuenburg zu fliegen. Die Woche zuvor war er von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr abends am Dreschen. Sein Ziel sei es, den Hof zu 100 Prozent zu übernehmen, wenn sein Vater ihn in fünf Jahren übergeben will.

Seit April fliegt der Jungbauer auch Helikopter und hat bereits die Hälfte der benötigten 40 Stunden für die Lizenz. Er hat eine neue Herausforderung gesucht und gefunden: «Der Helikopter ist ein ‹Souchog›», sagt Häfeli. «Der will eigentlich gar nicht fliegen, den muss man ständig mit Händen und Füssen im Griff haben.» Und teurer ist es auch, ein zweiplätziger Helikopter kostet pro Stunde das Doppelte eines Flugzeuges. Häfeli steckt weiterhin das Geld seiner verschiedenen Jobs in Flugstunden und ist zufrieden. Als Bauer – «man ist selbstständig, hat seinen Frieden und eine schöne Wohnlage» – und als Pilot. Auf dem Heimweg von Neuenburg dreht er über seinem Hof eine Extraschlaufe. «Mol luege, ob der Vater arbeitet», sagt er. Er erspäht ihn nirgends. Auch ihm soll eine Pause vergönnt sein.

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