Lenzburg

Kapitulation vor der Wegwerf-Mentalität: Brockenstube macht dicht

Priska Bundi will das gesamte labyrinthische Brocki-Lager räumen.

Priska Bundi will das gesamte labyrinthische Brocki-Lager räumen.

Nach vorzeitigem Saisonschluss schliesst die Brockenstube «Seifenkiste» am 1. November 2016 endgültig ihre Tore. Der «Ausverkauf» beginnt am Wochenende.

Auslöser ist nicht das benachbarte Museum Burghalde, welches sich in der ehemaligen Seifenfabrik breitmacht, sondern die dringend notwendige Dachsanierung des historischen Fabrikgebäudes, in dessen oberstem Stockwerk die Brocki seit nunmehr 30 Jahren ihre Lager- und Verkaufsräume hat. O

bwohl das ganze Gebäude ab Oktober eingerüstet ist, bleibt der Umschlagplatz für gebrauchte, aber noch brauchbare Ware weiterhin geöffnet.

Wenn dank getreuer Stammkundschaft trotz guten Frequenzen der «Seifenkiste» bald die letzte Stunde schlägt, ist dies für das fünfköpfige Frauenteam «der rechte Moment», hält Priska Bundi fest.

Enge Platzverhältnisse

Sie leitet seit 1993 die Gruppe Freiwilliger, welche im Auftrag des Krippenvereins «das Purzelhuus» mit dem namhaften Erlös finanziell unterstützt. Dies ermöglicht die unentgeltliche Fronarbeit der Frauen und das Entgegenkommen der Stadt, welche ihnen die 250 Quadratmeter im Dachstock mit Warenlift-Erschliessung gratis zur Verfügung stellt.

«Wir sind sehr dankbar für diese Gelegenheit», betont Bundi. Obwohl die Rahmenbedingungen keineswegs optimal sind: Die Platzverhältnisse sind labyrinthisch eng, die klimatischen Wechselbäder von 30 bis 0 Grad unter dem unisolierten, lecken Dach schwer erträglich.

Trotzdem fühlen sich Priska Bundi, Annelis Widmer, Edith Göhlsdorf, Christiane Meyer und Maria Schmid wohl in ihrem Reich. Unverdrossen sortieren, arrangieren, präsentieren, reparieren, reinigen und räumen sie all die Waren, welche ihnen zugetragen werden. Das ganze Spektrum, das sich im Laufe der Jahrzehnte in den Haushalten ebenso anhäuft und in der Brocki gratis entsorgt werden kann.

Es ist nicht nur das gemeinnützige Gewinnstreben, welches sie antreibt, sondern auch der Widerstand gegen die Wegwerf-Mentalität. Man mag das Nostalgie nennen, was sie mit ihrer Kundschaft teilen. «Diese setzt sich primär aus Stammkundinnen aus allen Gesellschaftsschichten und Sammlern zusammen», analysiert Priska Bundi.

Dass für dieses Engagement jetzt bedauerlicherweise der rechte Moment gekommen ist, begründet Bundi damit, dass für ein geeignetes Ersatzlokal wohl hohe Mieten bezahlt werden müssten und die Suche nach Nachfolgerinnen schwierig ist. Und somit verliert die Altstadt ein dank besonderen Umständen gutgehendes Geschäft mehr.

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