Niederlenz

Kiesabbau-Gebiet wird vergrössert – teurer Tunnel für den Verkehr

Die Herrengasse führt mitten durchs Kiesabbauareal.

Die Herrengasse führt mitten durchs Kiesabbauareal.

Niederlenz erweitert sein Kiesabbaugebiet um die Reserven «Herrengassen». Der Verkehr fliesst unter der Herrengasse hindurch

Wer ins Niederlenzer Naherholungsgebiet «Länzert» geht, kommt an der Herrengasse kaum vorbei: Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner Gassi führen, Senioren auf einem kurzen Spaziergang, Familien mit Kindern, die zur Kantonsmitte wollen, ebenso Jogger, die dem Alltagsstress entfliehen.

Die Herrengasse führt durch das Kiesabbaugebiet von Niederlenz. Werktags herrscht dort ein reger Werkverkehr mit zu- und wegfahrenden Lastwagen. Pro Jahr wird rund 80'000 Kubikmeter Kies aus der Kiesgrube weggeführt.

Gleichzeitig wird rund 100'000 Kubikmeter Aushubmaterial zur Rekultivierung zugeführt. Bisher ist die Herrengasse vom schweren Lastwagenverkehr verschont geblieben. Östlich der Herrengasse liegt die Neumatte, in der noch bis Ende 2020 Kies abgebaut wird.

Sicherheit hat oberste Priorität

Jetzt will Niederlenz die nächsten Kiesreserven «Herrengasse» anzapfen. Doch im Gegensatz zu den bisherigen Baugesuchen stellt die Abbauzone «Herrengasse» die Ortsbürgergemeinde vor eine neue Herausforderung. Das geplante künftige Abbauareal liegt nämlich auf der westlichen Seite der Herrengasse.

Mit andern Worten: Der Werkverkehr zum Kieswerkareal Niederlenz führt über die Herrengasse und beeinträchtigt die übrigen Nutzer stark. «Das könnte zu ganz gefährlichen Situationen führen», sagt Gemeindeammann Jürg Link. Gefahren, denen man sich in Niederlenz auf keinen Fall aussetzen will.

Man habe deshalb verschiedene Optionen geprüft, um die Verkehrssituation zu entschärfen. «Unser erster Gedanke war eine Umlegung der Herrengasse. Diese Lösung musste jedoch wieder verworfen werden, weil sich unter der Strasse die Wasserleitung vom Grundwasserpumpwerk Hard II nach Lenzburg und Wohlen befindet.»

Zur Diskussion standen aber auch, den Verkehr auf der Herrengasse mit einer Lichtsignalanlage zu regeln. Geprüft wurde auch eine Über- beziehungsweise eine Unterführung für die Lastwagen. Damit würden die übrigen Verkehrsteilnehmer ganz vom Werkverkehr entlastet.

Nun hat man sich gemeinsam für die Tunnellösung entschieden. «Der gesamte Fahrzeugverkehr ins künftige Kiesabbaugebiet wird unter der Herrengasse hindurchgeführt und von dort weiter ins Kieswerk», erklärt Link.

«Das ist die mit Abstand sicherste aller geprüfter Lösungsmöglichkeiten. Sie verursacht aber auch die höchsten Kosten.» Laut Link ist mit ungefähr 400'000 Franken zu rechnen. Sicherheit habe für die Ortsbürgergemeinde und die Kies Lenz AG Priorität, argumentiert er.

Kiesabbau auf gegenzehn Jahre gesichert

Im künftigen Abbaugebiet «Herrengasse» sind Kiesvorkommen in der Höhe von rund 700'000 Kubikmetern vorhanden. Dieses soll in Etappen abgebaut werden. Die jährliche Abbaumenge kann variieren, sie hängt von der Bauwirtschaft ab. Bei einem jährlichen Ausstoss von rund 70'000 bis 100'000 Kubikmetern ist den Niederlenzer Ortsbürgern ab 2021 der Kies für die kommenden sieben bis zehn Jahre gesichert.

«Herrengasse» ab Ende nächstem Jahr in Betrieb

Noch wenige Tage liegt das Baugesuch der Ortsbürgergemeinde auf der Gemeindekanzlei Niederlenz auf. Das Dossier beinhaltet einen umfangreichen Bericht, mit welchem die Fragen der Umweltverträglichkeit geklärt wurden. Gleichzeitig mit der Auflage in der Gemeinde ist das Gesuch zur Vorprüfung beim Kanton eingereicht worden.

Verläuft alles nach Plan, werden im Sommer 2020 die Vorbereitungsarbeiten in Angriff genommen. Ende 2020/Anfang 2021 könnten so die ersten Fahrzeuge ins neue Kiesabbaugebiet fahren. Gleichzeitig gehen die Planungsarbeiten bereits weiter: Ab 2033 soll das gesamte Areal rekultiviert sein und wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Meistgesehen

Artboard 1