Nach dem Prozess gegen Thomas N. steigt die Kritik am Schweizer Rechtssystem. Richter brauchen härtere Instrumente, um Täter bestrafen zu können, so die Forderung. Dieser Ansicht ist auch Markus Leimbacher, der die Eltern der getöteten Carla Schauer vor Gericht vertrat: «Im Sanktionenkatalog fehlt die Möglichkeit, jemanden so "lebenslänglich" bestrafen zu können, dass es auch lebenslänglich ist», kritisiert er gegenüber «Tele M1».

Richtern ist es zwar per Volksabstimmung von 2004 möglich, eine lebenslange Verwahrung auszusprechen. Allerdings müssen dafür zwei unabhängige psychiatrische Gutachten zum Schluss kommen, dass der Täter bis an sein Lebensende nicht therapierbar ist. Im Fall Thomas N. erklärten ihn beide Psychiater für therapiefähig.

Der Einfluss der Psychiater

Für Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin im Rupperswil-Prozess, eröffnet sich damit eine Grundsatzdiskussion: «Ich finde es überhaupt wichtig, dass man darüber diskutiert, wie stark die psychiatrischen Gutachten in eine Urteilsfindung hineinfliessen sollten oder nicht.»

Loppacher hatte in ihrem Plädoyer trotz der Gutachten eine lebenslange Verwahrung für Thomas N. gefordert. Ihre Begründung: Die Tötungen könnten nicht auf eine konkrete psychische Störung zurückgeführt werden, die behandelbar seien. Folglich gebe es kein Therapiebedürfnis für den Angeklagten.

«Es gibt kein Therapiebedürfnis»: Deshalb will die Staatsanwältin Thomas N. lebenslänglich verwahren

«Es gibt kein Therapiebedürfnis»: Deshalb will die Staatsanwältin Thomas N. lebenslänglich verwahren

Am Mittag des zweiten Prozesstages im Vierfachmord von Rupperswil tritt Staatsanwältin Barbara Loppacher vor die Medien. 

Anders klingt es bei Thomas Knecht. Der forensische Psychiater betont die Wichtigkeit psychiatrischer Gutachten gegenüber dem Sender: «Wenn ein Gutachten gut gemacht ist, dann liefert es sehr wichtige Erkenntnisse und die Basis für das Gericht, das ja verschiedene Fragen klären muss: Geistiger Zustand, Auswirkung auf die Schuldfähigkeit, Zweckmässigkeit von Massnahmen und natürlich die Rückfallwahrscheinlichkeit.»

So funktioniert die ambulante Therapie im Gefängnis – eine forensische Psychologin erklärt:

So funktioniert die ambulante Therapie im Gefängnis

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Thomas N. muss neben seiner lebenslänglichen Freiheitsstrafe gleichzeitig eine Psychotherapie machen. Diese wird alles andere als angenehm für ihn.