Lenzburg
Darüber zerbrechen sich Wissenschaftler die Köpfe: Wozu fertigten unsere Vorfahren diese Tonobjekte?

Das Museum Burghalde steht mit der Ausstellung über die «Mondhörner» national im Rampenlicht: Es ist eine von fünf Institutionen – die einzige zwischen Bern und Zürich –, die die rund 40 geheimnisvollen Objekte aus der späten Bronzezeit zeigt.

Daniel Vizentini
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Weil sie Stierhörnern oder Mondsicheln ähneln, werden die Objekte «Mondhörner» genannt.

Weil sie Stierhörnern oder Mondsicheln ähneln, werden die Objekte «Mondhörner» genannt.

Bild: Zur Verfügung gestellt

Einige Rätsel der Urgeschichte der Menschheit sind weiterhin ungelöst, unter diese Kategorie fallen auch die sogenannten Mondhörner. Seit Archäologen vor über 160 Jahren diese aus Ton geformten Objekte aus der späten Bronzezeit (1300 bis 800 vor Christus) in Ausgrabungen entdeckt haben, zerbrechen sich die Wissenschaftler den Kopf darüber, warum diese Gegenstände erschaffen und wofür sie gebraucht wurden.

Zum ersten Mal werden nun solche Originalfunde aus der ganzen Schweiz gezeigt – in einer Wanderausstellung, die in Zusammenarbeit des Lenzburger Museums Burghalde mit Museen aus Liestal, Frauenfeld, Zug und Biel entstanden ist. Damit kommt Lenzburg national ein hoher Stellenwert zu: Auf der Strecke zwischen Bern und Zürich ist es der einzige Ort, der diese für die Geschichte des Schweizer Mittellands so relevanten wie geheimnisvollen Objekte zeigen wird.

«Für uns hat dies definitiv eine grosse Bedeutung», bestätigt Jonas Nyffeler, Kurator Archäologie in der «Burghalde».

«Dank der Ausstellung werden wir überregionale Ausstrahlung haben.»

Gezeigt werden rund 40 Objekte, die in der ganzen Schweiz gefunden wurden. «Sie bestechen einerseits schon nur durch die Ästhetik – es sind sehr schöne Objekte», sagt er.

«Persönlich finde ich es zudem sehr spannend, dass noch immer nicht klar ist, warum diese gemacht wurden.»
Jonas Nyffeler, Kurator Archäologie im Museum Burghalde in Lenzburg.

Jonas Nyffeler, Kurator Archäologie im Museum Burghalde in Lenzburg.

Bild: Mario Heller

Ganz mit Sicherheit werde man es wohl nie sagen können. Zuvor hatten Forscher die «Mondhörner» als Feuerböcke, Nackenstützen oder gar astrophysikalische Messgeräte gedeutet. In einem Punkt sei man sich heute aber einig: Es müssen Gegenstände gewesen sein, die damals für Kulte oder Rituale verwendet wurden, möglicherweise religiöse.

Um den Sinn zu deuten, versuchen die Wissenschaftler, sich in das Leben der Menschen von dazumal hineinzuversetzen: Was hat man damals geglaubt? Was war wichtig? «Die Tierkraft zum Beispiel», antwortet Jonas Nyffeler. «Die Arbeitskraft von Rinder und Ochsen war fundamental für die Wirtschaft und Ernährung der damaligen Gesellschaft.» Die so grosse Bedeutung dieser Tiere sei von den Menschen damals sicher wertgeschätzt worden.

Hörner, ein liegender Halbmond – was jetzt?

Doch ob die gefundenen Gegenstände überhaupt mit Hörnern zu tun haben, ist bereits reine Spekulation: In ihrer Form erinnern sie zwar an Stierhörner, aber auch an einen liegenden Halbmond. Deshalb werden sie heute «Mondhörner» genannt.

Vieles weist heute darauf hin, dass «Mondhörner» in Ritualen Verwendung fanden. Die konkrete Funktion und Bedeutung bleibt aber weiterhin ein Rätsel.

Vieles weist heute darauf hin, dass «Mondhörner» in Ritualen Verwendung fanden. Die konkrete Funktion und Bedeutung bleibt aber weiterhin ein Rätsel.

Bild: Zur Verfügung gestellt

Gestalterisch sind sie ganz unterschiedlich: Die Vorderseiten sind verziert mit Symbolen, aufgetragen über Fingereindrücke, aufgesetzte Leisten, Rillen oder Einstichen. Viele der ausgestellten Exemplare haben Brandspuren, müssen also mit Feuer in Kontakt gewesen sein. Die Mondhörner sind eher grob, ohne besondere Sorgfalt geformt. Auch der Ton sei laut Ausstellungsbeschrieb schlecht gebrannt, die Objekte daher sehr zerbrechlich.

Die Wanderausstellung präsentiert erstmals Originalfunde aus der ganzen Schweiz und zeigt die gestalterische Vielfalt der «Mondhörner».

Die Wanderausstellung präsentiert erstmals Originalfunde aus der ganzen Schweiz und zeigt die gestalterische Vielfalt der «Mondhörner».

Bild: Zur Verfügung gestellt

Das Museum Burghalde zeigt die Mondhörner ab Donnerstag, 25. März, bis zum 4. Juli. Besucher erfahren von den frühen Forschungen, Deutungsversuchen und erhalten einen Einblick in die Glaubenswelt der Bewohner der heutigen Schweiz.

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