Lenzburg
Neuer Anlauf für weniger Plastik in der Stadt: Test am Jugendfest mit Mehrwegbechern

Soll der Einsatz von Einwegplastik an Veranstaltungen der Stadt und solchen, die der Stadtrat genehmigen muss, verboten werden? Noch nicht; erst will Lenzburg testen, wie es anders funktioniert.

Eva Wanner
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Am Zapfenstreich 2020 hätte mit allen Barbetreibenden ein Test mit Mehrwegbechern durchgeführt werden sollen. Coronabedingt fand der Zapfenstreich nicht statt, der Testbetrieb wurde verschoben.

Am Zapfenstreich 2020 hätte mit allen Barbetreibenden ein Test mit Mehrwegbechern durchgeführt werden sollen. Coronabedingt fand der Zapfenstreich nicht statt, der Testbetrieb wurde verschoben.

Archivbild: Fabio Baranzini

Das Postulat haben die SP, die Grünen, die GLP, die EVP und die damals noch existierende CVP bereits Ende 2020 beim Lenzburger Stadtrat eingereicht. Es geht um Plastik; genauer gesagt um die Verwendung von Einwegprodukten aus diesem Material in der Verwaltung und bei Veranstaltungen, welche die Stadt bewilligt.

Nun liegen Antworten vom Stadtrat vor. «Um eine Übersicht über den Verbrauch von Produkten aus Einwegplastik in der Verwaltung und den Betrieben der Stadt zu erhalten, wurden die Verwaltungsabteilungen an den einzelnen Standorten über den Verbrauch von Einmalplastik befragt.» Ergebnis: Für den grössten Teil gebe es keine Alternative, etwa für Abfallsäcke, Handschuhe oder Klebeband.

Alternativen gibt es aber in anderen Bereichen. Aus Sicht der Stadt bestehe Handlungsbedarf beim Wegwerfgeschirr, das bei Anlässen verwendet wird. Etwa beim Waldumgang, Elternabend, Apéros ausserhalb der Verwaltungsliegenschaften.

Jugendfest 2022 mit Mehrwegbechern

Allerdings: Einwegplastik wird an Anlässen, die das Gremium bewilligen muss, vorerst nicht verboten – noch nicht auf jeden Fall. Erst soll getestet werden, ob das System funktioniert. Der Testbetrieb findet am Jugendfest statt, sollte er gut funktionieren, werde der Stadtrat Vorschriften für städtische und von der Stadt zu bewilligende Veranstaltungen erarbeiten.

Schon am Zapfenstreich 2020 hätte ein solcher Versuch, nach einem ähnlichen Postulat der GLP, stattfinden sollen. Der Anlass und damit der Testbetrieb fielen aber der Pandemie zum Opfer. Das «zentrale System mit Mehrwegbechern» soll deshalb am nächsten Jugendfest ausprobiert werden.

Zwei Varianten in der Verwaltung

Weiter sei der Stadtrat dabei zu prüfen, «wie der Ersatz von Einweggeschirr so umgesetzt werden kann, dass dieser sowohl hinsichtlich Ökobilanz als auch organisatorischen Aufwands zielführend ist». Zwei Varianten stehen zur Diskussion: Entweder werden für kleinere Anlässe der Verwaltung, der Forstdienste Lenzia und des Zivilschutzes 100 Mehrweggeschirr-Gedecke beschafft. Dieses Geschirr wird durch die Abteilung Immobilien verwaltet. Die Reinigung erfolgt in der Mehrzweckhalle durch das Hauswarts- bzw. Reinigungspersonal der Stadt Lenzburg. Die zweite Variante wäre die Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Organisation, die auf Bestellung Geschirr liefert und es nach der Veranstaltung wieder abholt und reinigt.

Im Mai 2022 würden die Resultate der Prüfung dieser beiden Möglichkeiten vorliegen. Dann könnte budgetiert und die allfällige Beschaffung von Geschirr für 2023 geplant werden.

Keine separate Plastiksammlung

Die Schule soll bereits jetzt für kleinere Veranstaltungen wie Elternabende 50 Mehrweggeschirr-Gedecke pro Schulzentrum beschaffen. Der Stadtrat wird ausserdem an einer «internen Information die Mitarbeiter bezüglich der Verwendung von Einwegplastik, insbesondere hinsichtlich Mittagsverpflegung, sensibilisieren». Auf die Thematik aufmerksam gemacht werden auch die Parteien; sie sollen bei Wahlen und Abstimmungen auf Kunststoffplakate und -banner verzichten.

Geprüft werde ein einheitliches Entsorgungskonzept – nicht eingeführt wird aber die separate Sammlung von Kunststoffabfällen. Dem gegenüber sei der Stadtrat wie etwa auch das Bundesamt für Umwelt skeptisch, da der wiederverwertbare Teil des Sammelguts klein sei.