Lenzburg
Rentnerin nach Fahrt mit 1,22 Promille: «Ich schäme mich in Grund und Boden»

Weil sie beim Ausparkieren ein Auto touchiert haben soll, bekam eine betrunkene Rentnerin am selben Abend Besuch von der Polizei.

Anja Suter
Drucken
Teilen
Weil sie mit 1,22 Promille Alkohol im Blut nach Hause fuhr, musste sich eine Rentnerin vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten.

Weil sie mit 1,22 Promille Alkohol im Blut nach Hause fuhr, musste sich eine Rentnerin vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten.

Chris Iseli

Eigentlich sei sie innerhalb ihres Wohnortes nie mit dem Auto unterwegs, erzählt Gabi (alle Namen geändert) vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Doch an diesem Abend vor rund eineinhalb Jahren habe sie sich ein wenig krank gefühlt, darum sei sie mit dem Auto zu einer Geburtstagsfeier gefahren. Vor Ort gab es einen Apéro. Gabi, Vegetarierin, ass nur Gemüsesticks. Getrunken habe sie nur Rotwein, «aber bei einem Apéro hat man den Überblick nicht, wie viel einem nachgeschenkt wird». Kurz vor halb zehn Uhr abends machte sich die Rentnerin aus der Region auf den Heimweg. «Ich habe draussen noch mit den Eltern der Gastgeberin geredet und bin dann zum Auto.»

Sie soll beim Rückwärtsrausfahren ein Auto touchiert haben

Danach fuhr sie nach Hause. Und bekam dort wenig später Besuch von der Polizei. Der Atemalkoholtest zeigte zu viel an. Auch die spätere Blutprobe im Spital ergab, dass Gabi «zum Zeitpunkt der Fahrt mit dem Personenwagen nicht fahrfähig war», wie es im Strafbefehl heisst. Sie hatte 1,22 Promille Alkohol im Blut. Was Gabi zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Sie wurde beim Ausparken aus dem Parkplatz gesehen. Moritz, der vis-à-vis wohnt, will gehört haben, wie Gabi beim Rückwärtsrausfahren aus dem Parkplatz das Auto hinter ihr touchiert habe und ohne auszusteigen weitergefahren sei. «Daraufhin rief ich bei der Polizei an», sagte der junge Mann vor Gericht. Gabi gab derweil zu, dass sie alkoholisiert Auto gefahren war:

«Ich schäme mich in Grund und Boden.»

Dass sie einen anderen Wagen touchiert habe, bestritt sie jedoch. «Wenn ich das getan hätte, würde ich meine Adresse hinterlassen.» Sie habe zudem nicht rückwärtsfahren müssen, da vor ihr dank einer Querstrasse genug Platz war. Der Verteidiger von Gabi äusserte Zweifel an Moritz’ Schilderungen. So will der Zeuge das Starten des Motors gehört haben. Gabi fährt aber ein Hybridauto. «Zudem hat der Zeuge die Kollision nicht gesehen, sondern will sie nur gehört haben. «Das Geräusch könnte jedoch aber auch von einer zuschlagenden Autotüre kommen», sagte der Verteidiger. Er forderte für seine Mandantin einen teilweisen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte Gabi im angefochtenen Strafbefehl zu 70 Tagessätzen à 100 Franken bedingt und einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Das Gericht senkte dies auf 40 Tagessätze à 100 und eine Busse von 1000 Franken. Für die Vorwürfe betreffend des Unfalls wurde Gabi freigesprochen. Für das Fahren unter Alkoholeinfluss gab es einen Schuldspruch.

Aktuelle Nachrichten