Lenzburg
Wegen Schneemassen: 3000 Kubikmeter Holz am Boden – nun geht es ans Aufräumen

Der Schaden in den Lenzia-Wäldern ist gross. Die Aufräumarbeiten müssen vorangetrieben werden. Mit den Temperaturen steigt im Frühling auch das Risiko wegen des Borkenkäferbefalls.

Ruth Steiner
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Die Schneemassen haben Bäume entwurzelt, wie hier am Aabach im Wyl.

Die Schneemassen haben Bäume entwurzelt, wie hier am Aabach im Wyl.

Ruth Steiner / Aargauer Zeitung

Die weisse Pracht, die den Unterländern vor gut zwei Wochen nach Langem wieder ein Schlittelvergnügen vor der eigenen Haustür ermöglichte, täuscht nicht darüber hinweg, dass die ungewöhnlich umfangreichen Schneemengen in den Wäldern grössere Schäden angerichtet haben.

Im 1132 Hektare grossen Wald des Lenzia-Forstes (der Ortsbürgergemeinden Lenzburg, Ammerswil, Niederlenz, Othmarsingen und Staufen) wird derzeit von einem Schaden von rund einem Drittel der jährlichen Holznutzung ausgegangen. Matthias Ott, Leiter der Forstdienste Lenzia, sagt: «Aufgrund der Schneeschäden rechnen wir mit einer Zwangsnutzung von gut 3000 Kubikmetern Holz.»

Bis sich die Forst-Verantwortlichen einigermassen einen Überblick über das Schadensausmass verschaffen konnten, hat es einige Zeit gedauert. Riesige Schneemengen und umgestürzte Bäume, welche die Waldwege versperrten, hatten selbst den Fachleuten verunmöglicht, tiefer in den Wald vorzudringen.

Je höher die Lage desto geringer der Schaden

Welche Gebiete im Lenzia-Forst wurden am stärksten in Mitleidenschaft gezogen? «Am schlimmsten erwischt hat es die Gebiete Buech, Birch, Länzert, Lind und Wyl», erklärt Ott. Grössere Schäden am Waldrand und weniger dicht bewaldeten Stellen richtete der schwere Nassschnee am Aabach zwischen Niederlenz und Wildegg an sowie entlang der Verbindungsstrasse von Ammerswil nach Egliswil. Betroffen seien praktisch alle Baumarten, jedoch nicht alle im gleichen Ausmass.

Die grössten Schäden wurden beim Jungholz festgestellt, dessen Stämme bananenförmig gebogen wurden. Ganze Bestände seien beeinträchtigt worden, sagt Ott. Er hofft, dass sich die Bäume teilweise wieder erholen und sich mit der Zeit von selber wieder aufstellen werden. Interessanterweise fallen die Schäden geringer aus, je höher der Wald angesiedelt ist. Im Umfeld des Esterliturms hat es beispielsweise viel weniger Schneeschäden gegeben. Laut Matthias Ott ist das den klimatischen Verhältnissen zuzuschreiben. In höheren und kälteren Lagen sei der Schnee trocken und bleibe weniger hängen. In tieferen Lagen hingegen sei er nass und laste damit schwer auf Baumkronen und Ästen. Damit steige auch die Gefahr, dass sie brechen.

Gefahr herabstürzender Äste besteht weiter

In den ersten Tagen nach dem extremen Schneefall, so Ott, sei es im Wald gefährlich gewesen. Die Situation am Tag eins beschreibt er so: «Während ich mich im Wald aufhielt, hat es praktisch im Minutentakt um mich herum Knackgeräusche gegeben.» Hörbare Zeichen dafür, dass laufend Äste und Zweige unter der schweren Schneelast brachen. So etwas schmerze, sagt Matthias Ott.

«Derartige Laute, wo man genau weiss, dass jetzt wieder etwas kaputt geht und Bilder von zersplitterten und entwurzelten Bäumen am Boden beelenden einen Förster sehr.»

Selbst jetzt, zweieinhalb Wochen nach dem grossen Schneefall, warnt Ott vor der nach wie vor drohenden Gefahr von gebrochenen Ästen, die unverhofft herabstürzen können. Er mahnt Waldgänger zur Vorsicht. «In den Bäumen hängen beispielsweise gebrochene Kronenteile, die jederzeit herunterfallen können», sagt er. Die Aufräumarbeiten der Forstmitarbeiter werden sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zuerst werden die Waldwege im Naherholungsgebiet wieder gesäubert. Anschliessend muss auch das übrige beschädigte Holz raschmöglichst weggeräumt werden. Mit den wärmeren Temperaturen droht Gefahr durch den Borkenkäfer. «Geschwächte Nadelhölzer sind Brutherde für Borkenkäfer», sagt Ott.

Am Aabach zwischen Niederlenz und Wildegg sind die Bäume gleich reihenweise umgekippt.

Am Aabach zwischen Niederlenz und Wildegg sind die Bäume gleich reihenweise umgekippt.

Ruth Steiner / Aargauer Zeitung

Kaum Bauchschmerzen bereitet dem Lenzia-Chef die aktuelle Wassermenge. «Es ist gut, wenn der ausgetrocknete Waldboden ausreichend mit Wasser versorgt wird.» Ott hofft jedoch, dass in den kommenden Tagen kein allzu starker Wind aufkommt. Das würde den im aufgeweichten Boden steckenden Bäumen zusetzen und könnte zu weiteren brenzligen Situationen führen.

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