«Unser Wein ist in aller Munde». Etwas vollmundig zog Hansjörg Salm positive Bilanz für sein erstes Amtsjahr als Präsident der Ortsbürger-Rebbauern-Vereinigung. Tatsache ist, dass der neu designte «Schlossberg» ausverkauft, die neue Ernte hervorragend und der Mannschaftsbestand gewachsen ist. Vor diesem Hintergrund wagen die Rebbauern, die Erweiterung ihres Rebberges am Schlosshang wieder aufs Tapet zu bringen.

Die Stiftung Schloss Lenzburg ist der eigentliche Anstifter, sich dem historischen Erscheinungsbild des Hügels seit dem 14. Jahrhunderts anzunähern. Ein ausgereiftes Projekt gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FIBL in Frick scheiterte, weil das FIBL ausstieg: Aus Spargründen, wie verlautet. Nach dem Motto: «Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah» suchen die «Schlossherren» nun vor der Haustür nach einer Partnerschaft.

Schloss-Stiftung zahlt Terrassierung

Stiftungsratsmitglied Max Werder ist als Vorstandsmitglied der Rebbauern der Verbindungsmann und wies darauf hin, dass die Vorarbeiten für das Erweiterungsprojekt eigentlich schon vorhanden sind. Einziger Unterschied ist die Lage des neuen Weinberges, welcher nun im Anschluss an die rund 40 Aren Ortsbürger-Reben oberhalb und seitlich angelegt werden soll und mit 40 bis 50 Aren das Areal verdoppelt.

Vorgesehen ist, dass die Schloss-Stiftung die Terrassierung finanziert und die Rebbauern die Anlage des Weinbergs übernehmen. Dank der Abstufungen wird zwar das Erscheinungsbild verändert (nicht mehr «historisch»), indes die Bewirtschaftung wesentlich erleichtert. Wenn dann die jungen Reben Ertrag abwerfen, ist deshalb der Umbau auch des Altbestandes beabsichtigt. Über die neuen Sorten ist noch keine Wahl gefallen, nebst Blauburgunder soll aber sicher ein rechter Anteil von Spezialitäten gepflanzt werden.

Potenzial vorhanden

Sind die Lenzburger Ortsbürger-Rebbauern überhaupt in der Lage, das doppelte Quantum an Arbeitsaufwand und Ertrag zu verkraften? Die emsigen «Räblüs» – eine verjüngte und vergrösserte Kerntruppe – haben unter dem Kommando von Kurt Wernli heute schon alle Hände voll zu tun. Dank ihrem grossen Einsatz konnte im Herbst 2013 eine Ernte von 2935 Kilo mit 89 bis 91 Öchslegraden eingefahren werden und die Rebmeister Claudio und Kathrin Hartmann kelterten einen nach offiziellem Lehrbuch «sehr guten Wein».

Projekt unterstützenswert

Auch die Rebbauernvereinigung darf sich über Nachwuchs freuen: An der Generalversammlung wurden 15 junge Jahrgänge aufgenommen, Austritte waren keine zu verzeichnen, die Mitgliederzahl ist auf 167 angestiegen. Und auch die Kasse stimmt: Sibylle Oswald rechnete einen Gewinn von 9260 Franken vor, das Vermögen beträgt 90 870 Franken.

Und wie steht es mit der nachhaltigen Nachfrage? Rebbaukommissär Peter Rey nannte als Gast das Projekt «unterstützenswert», weil die Rahmenbedingungen punkto Lage, Arbeitswilligen und ausgezeichneter Kelterung durch die Firma ck (das Ehepaar Hartmann ist seit 10 Jahren zuständig) stimmen.

Die 58 anwesenden Mitglieder sanktionierten an der Generalversammlung den Antrag des Vorstandes, das fertig ausgereifte Projekt mit Kostenvoranschlag in Zusammenarbeit mit Ortsbürger- und Einwohnergemeinde sowie dem FIBL als Berater einer ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst zum definitiven Beschluss vorzulegen.

Aus dem Vorstand wurde Stadtrat Martin Steinmann verabschiedet und als Nachfolger Roger Strozzega gewählt, neuer Revisor ist Walter Iten.