Andreas Schmid

Lenzburger Stadtrat im Coronaeinsatz: «Hygiene und Gesunderhaltung haben aktuell oberste Priorität»

Andreas Schmid auf dem Kasernenareal in Emmen. Die Schuhputzstation ist für Hände umgerüstet worden.

Andreas Schmid auf dem Kasernenareal in Emmen. Die Schuhputzstation ist für Hände umgerüstet worden.

Der Lenzburger Stadtrat Andreas Schmid (31, FDP) ist seit zwei Wochen im Dienst. Im Extremfall hilft er bis Ende Juni den Spitälern.

Am Schrank in Andreas Schmids Büro hängt ein Brief: gemalte Banknoten mit dem Text «Lösegeld für Papi». Doch das Geld hilft nichts. Papi ist jetzt im Militär. Papi ist Kommandant der Stabskompanie des Spitalbataillons 66 und musste am 18. März in den Dienst einrücken. Zwei Tage, nachdem der Bundesrat über die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg informierte, verliess Major An­dreas Schmid (31) sein Haus in Lenzburg und machte sich auf in den Kanton Luzern. Einen Tag später folgte ein Grossteil der 220 Dienstpflichtigen, die ihm unterstellt sind. Normalerweise würde zu diesem Zeitpunkt in der Kaserne Emmen eine Rekrutenschule stattfinden und Andreas Schmids Leben wäre ausgefüllt mit seinem Job als Projektleiter, dem Stadtratsamt in Lenzburg und natürlich mit seiner Familie; Ehefrau Romina und den beiden Töchtern.

Der Himmel in Emmen ist stahlblau, die Sonne scheint, als ob nichts wäre. Auf dem Kasernenareal herrscht emsige Geschäftigkeit. Wer das Gebäude mit den Unterkünften, Kantine und Büros betreten will, muss an einem Hygiene-Stand die Hände waschen. Dafür wurde die Schuhputzstation vor dem Haus zur Handwaschanlage umfunktioniert. Dank Boiler gibt es sogar warmes Wasser. Der Handcreme-Spender ist freiwillig.

Im Gebäude sind auf den Boden und Treppen mit Klebband die Gehwege aufgezeichnet, auf dem Kommandoposten sind die Schalter mit Plastikplanen abgetrennt und in der Kantine wird durch ein Loch in der Plastikplane immer nur ein Tablett herausgegeben. In den Zimmern bleibt, wenn möglich, ein Bett frei. Wenn das Zimmer voll belegt ist, wird die Ausrichtung der Schlafenden abgewechselt, Kopf oben, Füsse oben, Kopf oben. «Hygiene und Gesunderhaltung haben aktuell oberste Priorität.»

Sie halten der Spitalkompanie den Rücken frei

Im Gegensatz zu den anderen Kompanien ist die Stabskompanie von Andreas Schmid nicht in der Öffentlichkeit im Einsatz. «Unsere Aufgabe ist es, den Betrieb der Spitalkompanien sicherzustellen», sagt er. Die Züge der Stabskompanie sind darauf ausgelegt, in den Bereichen Übermittlung, Nachschub und Rückschub, Transport, Brandbekämpfung, Verpflegung, Hygiene, Wäscherei, Reinigung, Patientenaufnahme und Administration alles zu erledigen, damit sich die Spitalkompanie voll auf ihren Einsatz zum Beispiel in der Pflege konzentrieren kann. Momentan leistet die Kompanie1 einen Einsatz in mehreren Spitälern im Kanton Baselland und ist derweil auf dem Waffenplatz Liestal stationiert. Die Kompanie 2 ist in Aarau untergebracht und leistet einen Einsatz im Kantonsspital Baden. Andreas Schmids Kommandozug ist für den ganzen Betrieb zuständig, der Transportzug bewegt das Bataillon. Der Sanitätslogistikzug liefert Material aus, der Hygienezug kann zum Beispiel mit einem Desinfektionswagen ganze Matratzen desinfizieren.

Mit viel Planung und Koordination, Rapporten und Absprachen sorgt Andreas Schmid dafür, dass im Spitalbataillon Mensch und Material immer am richtigen Ort sind. «Wir sind der Dienstleister des Bataillons», sagt er.

Auch wenn alle Hygienevorschriften eingehalten werden; nah ist man sich in einer Kaserne trotzdem. Angst vor einer ­Coronaausbreitung unter seinen Leuten hat Schmid nicht. «Der Respekt ist natürlich da», sagt er. Als er die Masse der Eingerückten vor sich sah, sei ihm das schon eingefahren. «Doch es ist wichtig, dass jeder weiss, wie das Virus funktioniert und wie man sich schützen kann.» Wer mit Symptomen einrückt, kommt in Quarantäne auf der Krankenstation. Eine Isolierstation ist eingerichtet. «Bis jetzt wurde niemand coronapositiv getestet», sagt Andreas Schmid.

Der Kommandant freut sich über die Wertschätzung und den Zuspruch aus der Öffentlichkeit, dies tue der Truppe gut. Aussagen wie «Endlich braucht es das Militär mal» hört der sonst so ruhige und freundliche Mann nicht gern. «So denken Militärangehörige nicht», sagt er bestimmt. «Wenn es uns braucht, sind wir jederzeit bereit, auf einen Einsatz hat aber niemand gehofft», sagt er.

Wie lange die Töchter in Lenzburg noch auf ihren Papi warten müssen, kann niemand definitiv sagen. Der Marschbefehl lautet bis zum 30. Juni. Seit neuestem ist bekannt, dass das Urlaubsverbot gelockert werden soll. Andreas Schmid kann auf ein Wiedersehen hoffen. Bis dann erhält er jeden Tag Post von daheim.

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