Kaum eine Gemeinde in der Region hatte in den vergangenen zehn Jahren derart viele Mutationen im Gemeinderat zu verzeichnen wie das rund 1170 Einwohner zählende Dorf Birrwil. Im Durchschnitt musste pro Jahr ein Mitglied des Gemeinderats ersetzt werden. Am 19. Mai gilt es nun, die Nachfolge für Cristina Kopp zu wählen. Die Ende 2016 ins Gremium berufene FDP-Frau ist aus dem Dorf weggezogen.

In Birrwil stehen grosse Probleme an, die einer Lösung harren: Vor zwei Jahren wurde die Moderne Melioration mit einem wuchtigen Nein bachab geschickt. Zudem erwuchs gegen den Bau des neuen Schulhauses Widerstand. Drei Kandidaten wollen sich diesen Aufgaben stellen. Und so kommt es um den fünften Sitz im Gemeinderat zu einer Kampfwahl. Das sind die Kandidaten:

Ehemalige Schulpflegepräsidentin

Schon seit über zwei Jahrzehnten ist die CVP-Frau Isabell Landolfo (42) mit ihrer Familie in Birrwil daheim. Sie möchte die Zukunft der Gemeinde mitgestalten, unterstreicht die Mutter von vier Kindern. Landolfo wünscht sich für das Dorf eine familienfreundliche Infrastruktur. Bis vor einem Jahr war sie Präsidentin der Schulpflege.

Im Zuge des kurz vor der Sommergmeind von der Traktandenliste gestrichenen Projektierungskredits für ein neues Schulhaus ist die Schulpflege damals geschlossen zurückgetreten. «Mir ist es wichtig, traditionelle Werte zu bewahren und innovative Zukunftsaussichten miteinander zu verbinden – für ein attraktives Berbu», sagt die Kauffrau und Marketing-Spezialistin. Isabell Landolfo präsidiert die CVP des Bezirks Kulm. Zudem kandidiert sie im Herbst für den Nationalrat.

Mann der Wirtschaft

Der 56-jährige Stephan Läuchli ist der Newcomer unter den Kandidaten. Zumindest, was die Dauer des Wohnsitzes in Birrwil anbelangt. Er hat gemeinsam mit seiner Frau im letzten Sommer «einen lang gehegten Wunsch umgesetzt und im einmalig schönen Seetal» ein Haus gekauft.

In seinem Flugblatt zeigt er sich «einigermassen überrascht über die verschiedenen Konfliktherde in der Gemeinde», die er als gesellschaftlich und politisch interessierter Mensch wahrgenommen habe. Für ihn ebenso unerwartet, sei er schon nach kurzer Zeit von verschiedenen Seiten zur Kandidatur motiviert worden. «Ich kann ja noch nicht einmal alle Birrwiler Strassennamen aufzählen». Im Umstand, das «Berbuer Greenhorn» zu sein, sieht FDP-Mann Läuchli derweil kaum einen Nachteil. «Ohne Abhängigkeiten und von einst geprägten ‹Altlasten› kann ich unvoreingenommen an die Dinge herangehen.»

Der Betriebswirtschafter und Ingenieur mit einem Master of Science in Engineering (MSE) hat Führungserfahrung in international tätigen Firmen. Er ist in Staufen aufgewachsen und stammt aus einer politisch aktiven Familie. In seiner letzten Wohngemeinde hat er sich in der Lokalpolitik engagiert, war Präsident der FDP-Ortspartei.

Der Kulturschaffende

Bevor Bruno Nünlist 1999 in Birrwil sesshaft wurde, sei er 20 Mal umgezogen. Wer ihn kenne, wisse um seinen trockenen Humor, erklärt der 53-Jährige und gibt in seinem Porträt gleich einige Kostproben davon. «Als ich jedoch in Birrwil zum Fenster hinausschaute, wusste ich, dass ich hierbleiben wollte. Der See zieht mich auch nach zwanzig Jahren noch magisch an», gibt der 53-jährige Bariton und diplomierte Kulturmanager mit einem Masterabschluss der ZHAW zum Besten.

Laut Info auf der Website bereiste er im Verlaufe seiner Konzerttätigkeit verschiedene Kontinente. Seit 2008 baut er eine Firma in «High Performance Car Care» und Klassik-Autohandel auf. Nünlist ist seit einem Jahr in der SVP. Er betont, wohl der einzige Kulturschaffende in der Schweiz zu sein, der nicht links politisiere. In der Kommunalpolitik gehe es jedoch nicht um Parteigeplänkel, sagt er. «Die Lösungen müssen partei- und ideologieübergreifende Akzeptanz finden.»

Bruno Nünlist ist in der Schweiz und im Vatikan aufgewachsen. Er ist verheiratet, «in wunderbarer Patchworkfamilie aus drei Generationen lebend».