Lenzburg
Mit 66 zu 55 Stimmen das Geschäft gekippt: Die Ortsbürger wollen keine Kanti

Je länger die Diskussion dauerte, umso deutlicher hat es sich abgezeichnet: Lenzburg will diese Kanti nicht. Als Hauptargument diente dabei der ausbleibende Steuerertrag für die Kasse der Stadt.

Ruth Steiner
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In der Turnhalle und mit Maske: Die Lenzburger Ortsbürger.

In der Turnhalle und mit Maske: Die Lenzburger Ortsbürger.

Ruth Steiner

Die Ortsbürgergemeinde hat an der gut besuchten Wintergmeind (130 von 549 Ortsbürgern waren anwesend) am Montagabend den Antrag des Stadtrats, das Zeughaus-Areal dem Kanton im Baurecht zur Verfügung zu stellen oder für 30,7 Millionen Franken (1500 Franken pro Quadratmeter) zu verkaufen, zurückgewiesen: mit 66 zu 55 Stimmen und 7 Enthaltungen.

Keine Steuern für Lenzburg

Das Geschäft zum Kippen brachten vor allem Befürchtungen in den Reihen der Ortsbürger, dass in dieser Form das Tafelsilber verscherbelt werde. Es war die Rede von einer hochkomplexen Konstellation mit dem benachbarten Artoz-Areal, das zum Verkauf steht und wo weitaus höhere Preise geboten werden (die Rede war von 2300 Franken pro Quadratmeter).

Die Frage: «Sind Sie bereit, Land zu günstig zu verkaufen?», stach beim Grossteil der Anwesenden. Es war die Rede von Augenwischerei, über Baurecht abzustimmen, wenn doch ganz unbestritten sei, dass der Kanton einen Kauf anstrebe. Es war die Rede davon, dass mit einer Kantonsschule Lenzburg keine Steuern in die Stadtkasse fliessen.

Versammlung in der Neuhof-Turnhalle – wegen Corona

Fakt ist: Die Ortsbürgergemeinde ist nicht bereit, das Land unter Wert wegzugeben. Ebenso klar kristallisierte sich heraus, dass die Ortsbürger selber bestimmen wollen, was mit der strategischen Landreserve in Zukunft geschehen soll. Sie wollen nicht einfach vom Stadtrat vor ein Fait accompli gestellt werden, wie das vorliegende Geschäft bei gewissen Votanten den Anschein zu erwecken schien.

Versuche, das Ruder herumzureissen, scheiterten. Voten wie: «Auf welche wahnsinnigen Gelegenheiten, das Tafelsilber auszugeben, warten wir denn? Ist nicht dies eine solche Gelegenheit? Eine solche kommt nie mehr», verhallten.

Lenzburg hatte mit einem grossen Aufmarsch gerechnet. Die Versammlung war kurzfristig von der Aula in die Dreifachturnhalle der Berufsschule Neuhof verlegt worden, um die Coronaschutzbestimmungen einhalten zu können.