Möriken-Wildegg
45-Millionen-Franken-Projekt: Ab März 2022 wird der Bahnhof Wildegg komplett umgebaut

Bei der Umgestaltung zur ÖV-Drehscheibe entsteht unter anderem ein zweiter Bushof auf der Westseite. Frau Ammann Jeanine Glarner kündigt zudem an, sich nächstes Jahr im Grossen Rat «proaktiv» für den Erhalt des Regioexpress-Haltes einzusetzen, der 2035 gestrichen werden soll.

Valérie Jost
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Hier entsteht 2024 der neue Baumplatz: die Ostseite des Bahnhofs Wildegg.

Hier entsteht 2024 der neue Baumplatz: die Ostseite des Bahnhofs Wildegg.

Chris Iseli

Der Bahnhof Wildegg wird für insgesamt fast 45 Millionen Franken geliftet. Die Planung begann schon 2013. Und nun ist klar, dass es mit dem angepeilten Baubeginn im Frühling 2022 klappt: Vor kurzem wurde die Baubewilligung erteilt, und wie Frau Gemeindeammann Jeanine Glarner auf Anfrage bestätigt, gab es keine Einsprachen. Damit ist die Bewilligung rechtskräftig, dem Bau steht nichts mehr im Weg.

Wie die SBB auf Anfrage mitteilen, wird mit den Bauarbeiten bereits im März 2022 begonnen. Zwei Jahre später, im März 2024, sollen sie abgeschlossen sein. In Betrieb genommen soll der Bahnhof etappenweise schon vor Ende der Arbeiten.

Ein komplett neuer Bahnhof für total rund 45 Millionen Franken

Beim Bahnhof (täglich 1700 Zugreisende) bleibt praktisch kein Stein auf dem anderen. Nur das historische Bahnhofgebäude, einst Endstation des Seetalers, bleibt bestehen. Der Rest wird um- oder neu gebaut: Der neue Bahnhof hat als ÖV-Drehscheibe einen attraktiven Vorplatz (Baumplatz, der auch für ein Gartenrestaurant genutzt werden könnte), zwei Bushöfe (jener auf der Seite Wildegg/Ost wird angepasst, auf der Seite West entsteht ein ganz neuer), zwei Park-&-Ride-Anlagen (neu auch auf der Seite Aare/West) und eine neue Personenunterführung mit Rampe (durch die Velos aber weiterhin geschoben werden müssen); die Poststrasse wird für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zudem wird der Bahnhof dem Behindertengleichstellungsgesetz angepasst.

Den Hauptteil der Kosten trägt die SBB mit 38,84 Millionen Franken. Dazu kommen rund 5,8 Millionen Franken von fünf Gemeinden (Auenstein, Veltheim, Schinznach und Thalheim beteiligen sich am neuen Bushof West) und Kanton. Möriken-Wildegg selbst zahlt davon 2,4 Millionen Franken.

Jeanine Glarner erklärt, dass beim Bau der ÖV-Drehscheibe zuerst der neue Bahnhofplatz West (Seite Aare) erstellt werde: «So müssen die Busse nach Auenstein und Veltheim nicht mehr auf die Wildegger Seite fahren, was mehr Platz für die Arbeiten auf der Ostseite schafft.» Im Januar 2024 werde dann mit dem letzten Teil, dem neuen Baumplatz, begonnen. Im Juni 2024 soll dieser fertig sein.

Halt des Regionalexpresses soll gestrichen werden

Neben dem Umbau steht für den Bahnhof Wildegg eine weitere Änderung an – wenn auch erst 2035: Im 2019 gutgeheissenen «Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2020» sieht der Kanton beim Bahnausbau 2035 vor, den stündlichen Halt des Regionalexpresses in Wildegg zu streichen. Damit würde Wildegg einzig die S-Bahn erhalten bleiben, die im Halbstundentakt entweder Richtung Brugg/Turgi oder Aarau verkehrt.

Mit diesen Plänen nicht einverstanden ist Frau Gemeindeammann Jeanine Glarner, die auch im Grossen Rat sitzt: «Der Regioexpress bringt Reisende nach Olten. Das ist eine perfekte Verbindung, mit der Bern, Basel und Luzern innert einer Stunde erreicht werden können», sagte sie der AZ damals. Zudem sei in 15 Jahren das ÖV-Angebot nicht mehr auf die Vorgaben von Richtplan und Mobilitätsstrategie des Kantons abgestimmt. In diesen Planungs- und Strategiepapieren ist Wildegg als urbaner Entwicklungsraum mit einer überdurchschnittlichen Bevölkerungszunahme geführt. Ein Kernmerkmal dieser Orte: der Anschluss an das übergeordnete Verkehrsnetz.

Seither habe sich in der Sache nichts geändert, sagt Glarner. Den geplanten Abbau wolle sie weiterhin verhindern: «Ich werde deshalb nächstes Jahr im Grossen Rat vorstössig werden», so Glarner. Ziel sei es, sich nicht kurz vor der Umsetzung gegen die Vorlage zu wehren, sondern schon vorher proaktiv tätig zu werden.

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