Anklageschrift
Monsterprozess um Luxusauto-Pleitier Santoro: Deliktsumme über 17 Millionen und 21 Privatkläger

Riccardo Santoro muss sich ab Montag, 7. Januar, vor dem Lenzburger Bezirksgericht verantworten. Der Prozess soll 13 Tage lang dauern. Santoro werden Veruntreuungen und Betrugsdelikten vorgeworfen. Er weist die Vorwürfe zurück.

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Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Er beginnt am Montag, 7. Januar 2019.
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Aufsehenerregende Aktion am 25. Mai 2011 in Dintikon: Fidis Finance schickt 17 Sattelschlepper zu Santoros SAR Premium Cars.
Fidis Finance lässt über 60 Fahrzeuge bei der SAR Premium Cars in Dintikon abholen.
Danach kollabiert Santoros Autoimperium.
Gähnende Leere nach der Räumung im verwaisten Areal des SAR Premium Cars.
Mai 2012: Diese Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
«Sämtliche Vorwürfe gegen mich sind haltlos»: Riccardo Santoro äusserte sich im Sommer 2011 in der AZ erstmals zum Fall SAR Premium Cars.
Sommer 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars.
Santoro zu seinen besten Zeiten: In der Kundenkartei des bekannten Garagisten stehen unzählige Namen von Prominenten.
Santoro Villa unter dem Hammer

Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Er beginnt am Montag, 7. Januar 2019.

Archiv/EFL

Am Bezirksgericht Lenzburg beginnt das Jahr 2019 mit einem Monsterprozess. Es geht um Luxusauto-Geschäfte der einstigen Garage SAR premium cars in Dintikon AG. Die Ermittlungen dauerten sechs Jahre, die Akten füllen 376 Bundesordner.

Der Prozess ist auf zwei Wochen angelegt. Die Verhandlung beginnt am kommenden Montag - und dauert bis zum 23 Januar. Die Aargauer Staatsanwaltschaft wirft dem damaligen Garagen-Inhaber Misswirtschaft, gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung und Veruntreuung vor.

Die Deliktsumme aus den vorgeworfenen Veruntreuungen und Betrugsdelikten beläuft sich gemäss der am Donnerstag veröffentlichten, 335 Seiten umfassenden Anklageschrift auf mehr als 17 Millionen Franken.

Ihre Anträge geben die Parteien erst im Rahmen der Plädoyers an der Hauptverhandlung bekannt. Der Beschuldigte, ein heute 47-jähriger Schweizer, weist die Vorwürfe zurück.

Die Anklageschrift weist 21 Privatkläger aus. Dazu gehört Einzelkläger, eine Immobilienfirma, eine Vermögensverwaltungsfirma, Finanzierungsgesellschaften oder Santoros Garagenbetrieb SAR premium cars AG, die in sich in Liquidation befindet und deshalb vertreten wird vom Konkursamt Aargau.

Er hatte in seinem Garagenbetrieb SAR premium cars AG seit etwa 2007 Leasings von Luxusautos angeboten, die meisten wurden über die damalige Fidis Finance (Suisse) SA abgeschlossen. Die Leasingkonditionen waren für die Kunden besonders günstig.

Dies zog zwar viele Kunden an, führte aber mit der Zeit zu hohen Verlusten für die SAR, wenn sie nach Beendigung des Leasings das Fahrzeug von Fidis zurückkaufen musste.

Strafanzeige im Frühling 2011

Ab Ende 2010 habe die SAR den Geschäftsbetrieb nur noch weiterführen können, weil die Finanzfirma die Rückzahlungspflichten aufgeschoben habe, geht aus der Anklageschrift hervor. Es habe die Hoffnung gegeben, die SAR könne saniert werden.

Einige Monate später, im Mai 2011, platzte der Finanzfirma dann aber offenbar der Kragen: Sie liess alle Fahrzeuge vom SAR-Verkaufsplatz abtransportieren und reichte Strafanzeige ein. Kurz darauf wurde über die SAR der Konkurs verhängt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe durch sein Geschäftsmodell die Überschuldung und später die Zahlungsunfähigkeit seiner Firma herbeigeführt. Zudem habe er die Buchhaltung gefälscht, um die schlechte Finanzlage zu vertuschen.

Die Vorgeschichte

Wie der Luxusautohändler sein Geschäft ruiniert und gegen das Gesetz verstossen haben soll, lesen Sie hier.

Sämtliche Artikel zum Fall Santoro finden Sie hier.

Im Weiteren soll der Mann 89 Fahrzeuge veruntreut und bei weiteren 50 gewerbsmässig betrogen haben. So habe er etwa die Rücknahme von Leasing-Wagen verheimlicht und diese verkauft.

Oder er habe Fahrzeuge mit gefälschten Papieren gleich doppelt verkauft. Und schliesslich soll der Schweizer in 191 Fällen Urkunden gefälscht haben, etwa durch die Fälschung von Kunden-Unterschriften.

Die Strafuntersuchung war aufwändig. Zum Teil gehörten schweizweit bekannte Personen zu den Kunden. Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte Hunderte von Geschäftsvorgängen. Weil die Staatsanwaltschaft überlastet war, bewilligte das Kantonsparlament im März 2012 einen Kredit von 3,4 Millionen Franken für acht zusätzliche Stellen. (sda/pz)

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