Kantonsschule Lenzburg
Neu gegründete IG Kanti ist überzeugt: Die Ortsbürger wurden überrumpelt

Neu gegründete IG Kanti ist überzeugt: Lenzburger Ortsbürger wurden von Rückweisung des Geschäfts überrumpelt.

Ruth Steiner
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Martina Kerschbaumer (l.) und Myrtha Dössegger von der IG Kanti.

Martina Kerschbaumer (l.) und Myrtha Dössegger von der IG Kanti.

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In Lenzburg hat sich eine Gruppe formiert, die sich gegen die Entwicklung an der Ortsbürgergemeindeversammlung am 7. Dezember stellt. «Wir wollen über die Kanti reden», sagen Martina Kerschbaumer-Baumann und Myrtha Dössegger, zwei Vertreterinnen der kürzlich ins Leben gerufenen Interessensgemeinschaft (IG) Kanti Lenzburg. Die Vorgänge an der Ortsbürgergemeindeversammlung bezeichnet die IG als «Überrumpelung der Anwesenden», mit dem Ergebnis, dass eine Diskussion zum Kernthema zum vornherein verunmöglicht worden sei.

Rückblick: Die Ortsbürger haben an der Gemeindeversammlung das Geschäft zu einer Kantonsschule in Lenzburg zurückgewiesen. 66 Ortsbürgerinnen und Ortsbürger verlangten, dass vorerst eine vorliegende Testplanung für einen Zeughauspark (erstellt 2001) mit der Ortsbürgergemeinde als Investorin geprüft werden soll. 55 Anwesende waren dagegen. Sie hätten sich lieber mit dem Antrag des Stadtrats auseinandergesetzt. Nämlich, ob die Ortsbürgergemeinde bereit ist, das sich in ihrem Besitz befindliche Zeughaus-Areal dem Kanton für den Bau einer Mittelschule im Baurecht zu überlassen oder ihm das Land zu verkaufen.

Interessierte sollen sich an der Debatte beteiligen

Zu den Unterlegenen der Abstimmung gehören Martina Kerschbaumer und Einwohnerrätin Myrtha Dössegger von der IG Kanti. «Man hat im Saal richtiggehend gespürt, wie die Leute perplex sind», erinnert Kerschbaumer sich an den Moment unmittelbar nach der Abstimmung.

In der Stadt habe es anschliessend den Anschein gemacht, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein für eine Mittelschule erst mit dem Ergebnis der Ortsbürgergemeindeversammlung erwacht sei. «Wir spüren in Lenzburg viel Sympathie für eine Kanti», sagen die beiden Frauen. Deshalb wolle man nicht einfach zuwarten und tatenlos zusehen, wie der Regierungsrat eventuell einen Standortentscheid gegen Lenzburg fälle, weil hier ein fristgerechter Entscheid zur Sache verunmöglicht worden sei. «Mit einer öffentlich geführten Diskussion wollen wir Fakten schaffen, dass in Lenzburg Interesse an einer Kantonsschule vorhanden ist», sagt Dössegger. Und die IG will vor allem auch erreichen, «dass die Ortsbürgergemeinde rechtzeitig die Möglichkeit erhält, über die Kanti eine sachliche Diskussion zu führen». Die Frauen betonen, dass der kleine Kreis von rund 550 Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern zu spüren bekommen soll, dass in der Lenzburger Bevölkerung Feuer für die Sache Mittelschule vorhanden sei. Die Ortsbürgergemeinde soll sich bewusst sein, welche Verantwortung sie mit ihrem Entscheid schlussendlich trage. «Letztlich sind es einige wenige Ortsbürger, die über ein Projekt entscheiden können, das für die Zukunft der Stadt Lenzburg derart richtungsweisend ist.»

Die IG möchte, dass die Bevölkerung (auch nicht Ortsbürger) aktiv an der Diskussion mitmacht. Die ersten Schritte machten Mut, sagt Kerschbaumer. «Wir sind überwältigt, wie viele Leute sich gemeldet haben.» Erste Leserbriefe seien bereits erschienen. Auf Facebook wurde die Seite «IG Kanti Lenzburg» und auf Whatsapp eine Gruppe eingerichtet. Wer will, kann beitreten. Grössere Projekte seien in Arbeit. Die IG scheut sich auch nicht, ihre Fühler direkt nach Aarau ins Departement Bildung, Kultur und Sport auszustrecken. Für die IG Kanti gebe nur eines, so die beiden Vertreterinnen: «Wir müssen die Chance jetzt packen, eine solche Möglichkeit bekommen wir lange nicht mehr.»