Niederlenz
«Ich sehe mich hier als Hoteldirektor in einem Haus, das aus lauter Stammgästen besteht»

Der diplomierte Hotelier Thomas Loew ist neuer Leiter des Alterszentrums Am Hungeligraben in Niederlenz. Die familiäre Kultur im Betrieb liegt ihm am Herzen.

Ruth Steiner
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Hotelier Thomas Loew an seinem neuen Wirkungsort als Leiter des Alterszentrums Am «Hungeligraben» in Niederlenz.

Hotelier Thomas Loew an seinem neuen Wirkungsort als Leiter des Alterszentrums Am «Hungeligraben» in Niederlenz.

Britta Gut

Der Schritt ist riesig: von einem grossen internationalen Hotel in Nigeria ins Alterszentrum Am Hungeligraben in Niederlenz. Thomas Loew lacht und winkt ab. Zum einen, weil der internationale Einsatz schon einige Jahrzehnte zurückliegt und in der Zwischenzeit verschiedene Anstellungen im Carebusiness in der Schweiz dazugekommen sind. Und zum andern, weil er beruflich einen wichtigen Schritt machen konnte: «Hier habe ich zum ersten Mal die Gesamtverantwortung eines Betriebes inne, während ich zuvor jeweils einzelne Betriebszweige geleitet habe.»

Seit dem vergangenen Sommer leitet der 53-jährige diplomierte Hotelier das Alterszentrum Am Hungeligraben in Niederlenz, als Nachfolger von Maurice Humard, der Ende dieses Monats in Pension geht («Aargauer Zeitung» berichtete). Mit der neuen Aufgabe habe er sich nun einen Wunsch erfüllt, der schon seit einigen Jahren in seinem Kopf herumgeschwirrt sei, erzählt er. «Ich finde es eine wunderschöne Aufgabe, Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt eine Heimat zu geben.» Und gar so weit entfernt von seiner einstigen Tätigkeit im Hotelbusiness sei der Job in Niederlenz nun auch wieder nicht, meint er und schmunzelt: «Ich sehe mich hier als Hoteldirektor in einem Haus, das aus lauter Stammgästen besteht.»

Beeindruckt von familiärer Kultur im Hungeligraben

Als Quereinsteiger hat Thomas Loew in einer ausserordentlich schwierigen Zeit Neuland betreten. Wie erschwerend waren die pandemiebedingten Herausforderungen in einem Umfeld, das zu den grössten Risikogruppen gehört? Loew zuckt die Schultern, er nehme die Situation an, wie sie sich ihm gestellt habe und versuche das Beste daraus zu machen. Die «Normalität» eines Heimbetriebes sei ihm sowieso unbekannt. Doch selbstverständlich bedauert der gelernte Koch, dass das Restaurant Jura-Blick, seit er hier ist, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Natürlich würde er die Angehörigen der 42 Bewohnerinnen und Bewohner öfters persönlich treffen und sich nicht fast ausschliesslich auf den schriftlichen oder telefonischen Kontakt beschränken. Er versuche jedoch, situativ pandemiekonforme Möglichkeiten für Begegnungen im kleinen Rahmen zu schaffen. Zum Beispiel wurde das grosse Weihnachtsessen der Bewohnerinnen und Bewohner mit den Angehörigen kurzerhand etappiert und in einen Adventsevent umgemodelt. Während des ganzen Monats Dezember durften drei Bewohnerinnen und Bewohner an bestimmten Tagen je zwei Angehörige zum Festmahl einladen.

Zur schwierigen Kostensituation und der kantonalen Tarifpolitik möchte sich Thomas Loew nicht äussern. Dazu sagt er lediglich, dass die Zentrumsleitung gemeinsam mit dem Vorstand eine auf die Bedürfnisse des «Hungeligraben» zugeschnittene Strategie weiterentwickeln und umsetzen werde. Ganz sicher nicht rütteln will der neue Leiter an der bestehenden «Hungeligraben»-Kultur. Die spürbare Menschlichkeit und das Familiäre, sagt er, habe ihm schon imponiert, als er das Alterszentrum zum ersten Mal betreten habe, damals noch als Bewerber für die Leitung.

Er hat die Fusion im Spital Region Oberaargau mitverantwortet

Thomas Loew ist in der Region Basel aufgewachsen. Seine Herkunft hat er sich in der Sprache bewahrt. Vom mehrjährigen Auslandaufenthalt in die Schweiz zurückgekehrt, hat es die Familie mit zwei inzwischen erwachsenen Kindern ins oberaargauische Madiswil verschlagen. Unter anderem hat Loew dort die Zusammenführung der Gastrobereiche bei der Fusion von vier Spitälern im Oberaargau zu der Spital Region Oberaargau verantwortet. Als Area-Manager der SV Group war er einige Jahre für über zwanzig Restaurants in der Region Bern zuständig. Loew bezeichnet sich als Generalist, in der Aufgabe als «Hungeligraben»-Zentrumsleiter könne er sämtliche Kompetenzen vereinigen.

Das Gesamtpaket mit der Zentrumsleitung, das Niederlenz ihm bietet, lässt Thomas Loew den 50-minütigen Arbeitsweg gerne auf sich nehmen. Darunter leiden dürfte die Freizeitbeschäftigung. Doch sind Loews Hobbys rasch aufgezählt: «Bewusst chillen», sagt er dazu. «Nach der Anspannung des Arbeitstages gebe ich mich gerne ganz bewusst dem Nichtstun hin.» In der Winterzeit höre er gerne Musik am warmen Cheminéeofen und lese ein Buch. Im Sommer setze er sich entspannt an den Teich im Garten. Dann und wann greift Thomas Loew in Mussestunden in die Saiten seines Cellos.

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