Lenzburg

Nun auch Take-away-Service: So meistert der «Ochsen» die Coronakrise

Chris Schatzmann hat das Fenster zur Terrasse in eine Take-away-Theke umfunktioniert.

Chris Schatzmann hat das Fenster zur Terrasse in eine Take-away-Theke umfunktioniert.

Mit einem Take-away-Service will der traditionelle Lenzburger Gastronom Chris Schatzmann das Geschäft während des Corona-Lockdowns teilweise aufrechterhalten. Dabei denkt er nicht zuletzt an seine Lernenden.

Um diese Zeit kurz vor ein Uhr mittags ist die Gaststube im Lenzburger «Ochsen» normalerweise rappelvoll mit Gästen, die hier beim Lunch zusammensitzen. Jetzt ist es mucksmäuschenstill, kaum ein Licht brennt im Erdgeschoss. Die Hotelrezeption ist verwaist, nur aus der Küche ertönt leises Scheppern von Pfannen: Alltag seit dem Lockdown.

Krisenmanagement statt Jubiläumsfeier

Gemeinsam mit seiner Frau Madeleine hat Chris Schatzmann den traditionellen Lenzburger Familienbetrieb am 1. Januar 2001 in vierter Generation übernommen. «So hätten wir uns das Jubiläumsjahr nicht einmal in unseren schlechtesten Träumen ausgemalt», sagt der 48-Jährige. Dies umso mehr, als das 20. Betriebsjahr versprach ein «goldenes» zu werden. Bankette und Caterings vom «Ochsen» waren gefragt, die Auftragsbücher über Monate hinweg voll. Im Restaurant und in der Bar Satteltasche verkehrten viele Gäste, darunter reichlich Stammgäste. Das Hotel war sehr gut belegt vornehmlich mit Geschäftsleuten aus dem Ausland. Sie machten einen Anteil von gegen 90 Prozent aus, so Schatzmann.

Dann kam der 16. März und das abrupte Ende: Eingehende Telefonanrufe verhiessen nur eines: Annullation des Auftrages. Selbst die Hotelgäste blieben aus, «obwohl wir das Hotel eigentlich geöffnet haben». Mittlerweile sind alle 36 Mitarbeitenden auf Kurzarbeit.

Verantwortung als Ausbildner wahrnehmen

Nun will Schatzmann den Fokus wieder nach vorne richten. «Jetzt muss wieder Leben in dieses Haus einkehren», sagt er bestimmt. «Ich muss meine Leute und mich beschäftigen.» Anfang dieser Woche ist Schatzmann auf den Take-away-Zug aufgesprungen und bietet mit dem «Ochsen»-Take-away-Service «einige Klassiker aus der Restaurant-Küche an». Die Take-away-Karte ist auf der «Ochsen»-Website aufgeschaltet. Bestellt werden kann jeweils von 11 bis 19.30 Uhr telefonisch oder per E-Mail. Zwischen 17 und 20 Uhr sind servierfertige Gerichte abholbereit. Das Angebot gilt vorerst von Montag bis Freitag. «Wir freuen uns, wenn es von möglichst vielen Leuten genutzt wird. Je nach Nachfrage passen wir die Zeiten an», zeigt sich Chris Schatzmann flexibel.

Dass der Lenzburger Familienbetrieb nun jenen Weg einschlägt, den andere Restaurants schon früher gewählt haben, hat noch einen weiteren Grund: Als Ausbildner fühlt sich Chris Schatzmann seinen Lernenden in der Küche und im Service verpflichtet. Sie sollen bei diesem krisenbedingten Spezialangebot denn auch zuallererst zum Zug kommen. In der Küche stehen einem ausgebildeten Koch bei der Zubereitung der Gerichte zwei Lernende zur Seite. Und beim fachgerechten Verpacken der Speisen für den Take-away hilft eine Restaurantfachperson in Ausbildung mit. Da man ja nicht wisse, wie lange die Situation noch anhalte, könnten vor allem jene, die ihre Lehre in Kürze abschliessen, sich im praktischen Teil nochmals üben, erklärt Schatzmann.

Dank gutem Geschäftsgang etwas Luft vorhanden

Enttäuscht zeigt sich der Hotelier und Gastwirt über die Landesregierung. Er sei enttäuscht darüber, dass die Gastrobranche als einer der grossen Arbeitgeber in der Schweiz derart im Regen stehen gelassen werde. Das werde Folgen haben, gibt er zu bedenken und schliesst sich der Meinung von Gastroaargau-Präsident Bruno Lustenberger an. Dieser hatte nach der bundesrätlichen Pressekonferenz vom letzten Donnerstag in den sozialen Medien von einer Katastrophe gesprochen: «Heute hat der Bundesrat für das Gastgewerbe den Kahlschlag beschlossen.»

Zur Situation des Familienbetriebes Hotel-Restaurant Ochsen sagt Schatzmann, dass dank gutem Geschäftsgang «etwas Reserven» vorhanden seien, die man nun halt anzapfe. Das vom Bund lancierte Kreditangebot hofft er, nicht nutzen zu müssen. «Das Geld muss ja wieder zurückbezahlt werden.» Das Restaurant unter strengen Auflagen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu öffnen, sei von den Raumverhältnissen her im «Ochsen» zwar jederzeit möglich, auf Dauer jedoch wenig hilfreich. Das liege an der Struktur des Betriebes. «Dieser ist auf grössere Veranstaltungen wie Bankette, Caterings und Seminare ausgerichtet. Die Personalkosten betragen rund 50 Prozent unserer Fixkosten», erklärt Schatzmann. Bis im Sommer will er abwarten, und hofft, dass sich die angespannte Situation für die Branche bis dahin entschärft. Was, wenn sich die Dinge in eine andere Richtung entwickeln? «Daran will ich jetzt gar nicht denken», sagt Chris Schatzmann. Wenige Stunden nach diesem Gespräch hat Bundesrat Alain Berset der Gastrobranche eine Lockerung auf den 8. Juni in Aussicht gestellt.

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