Egliswil

Nur Ueli Voegeli will Ammann werden: «I bi immer chli Buur blibe»

Als Gemeindeammann wird Ueli Voegeli die Klinke zur Tür ins Gemeindehaus Egliswil öfters drücken.

Am nächsten Wochenende wählt Egliswil einen neuen Gemeindeammann. Einziger Kandidat ist der 54-jährige «Strickhof»-Direktor Ueli Voegeli. Der Bauernsohn tritt ein für regionale Kooperation und ein selbstbewusstes Egliswil.

Wenn er von der Anhöhe «Birch» aus auf Egliswil blicke, sehe er ein schönes lebenswertes Dorf, sagt Ueli Voegeli. Vor neunzehn Jahren ist er mit seiner Familie in die Gemeinde gezogen. Eher per Zufall, sagt er und schmunzelt.

Seither vermochte nichts mehr Voegelis Familie aus Egliswil wegzulocken, auch die berufliche Veränderung des Vaters nicht. Als der diplomierte Landwirt und Ingenieur-Agronom ETH mit einem Executive MBA im Rucksack 2007 zum Direktor des landwirtschaftlichen Bildungszentrums Strickhof des Kantons Zürich gewählt wurde, nahm er den langen Arbeitsweg in Kauf. Dabei ist es bis heute geblieben. Der Bauernbub aus Baden-Dättwil schätzt das ländlich geprägte Egliswil. In Baden-Dättwil hatten seine Eltern einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb geführt und dabei einen Grossteil der Landflächen bewirtschaftet, die später dem Bau des Kantonsspitals Baden weichen mussten.

Am 20. Oktober wird Ueli Voegeli aller Voraussicht nach zum neuen Gemeindeammann von Egliswil gewählt. Der 54-jährige Voegeli ist einziger Kandidat für die Nachfolge von Rolf Jäggi, der per Ende Jahr das Ammannamt nach 14 Jahren abgibt.

Kooperation bedeutet nicht Identitätsverlust

Im Gemeindehaus am langen Sitzungstisch, an welchem der Gemeinderat normalerweise tagt, macht sich der sehr wahrscheinlich neue Ammann Gedanken zur Zukunft der kleinen Gemeinde vier Kilometer südlich des Bezirkshauptorts Lenzburg: Als künftiger Gemeindeammann steht Voegeli ab Januar 2020 vor keiner einfachen Aufgabe. Mit aktuell 1453 Einwohnern hat Egliswil eine kritische Grösse, um die komplexen Aufgaben im Alleingang professionell bewältigen zu können. Der Steuerfuss beträgt derzeit 105 Prozent.

Aus Voegelis Äusserungen ist seine bäuerliche Prägung deutlich zu spüren, ebenso die langjährige Führungserfahrung und ein ausgeprägtes visionäres Denken. Sätze wie «Mehrwert schaffen durch Zusammenarbeit» fallen im Gespräch gleich mehrmals. Gemeinwohl muss seines Erachtens nicht an der Gemeindegrenze enden. «Es führt zu keinem Identitätsverlust, wenn man regional weiter kooperiert», ist er überzeugt.

Ueli Voegeli: «Egliswil ist keine beliebige Manövriermasse.»

  

In den vergangenen zwölf Jahren hat Ueli Voegeli als Direktor die Landwirtschaftsschule Strickhof umgebaut zum heute grössten und breit aufgestellten Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in der Land-, Lebensmittel- und Hauswirtschaft in der ganzen Schweiz. «Der ‹Strickhof› ist in dieser Zeit von 700 auf 4000 Schülerinnen und Schüler pro Jahr gewachsen», umschreibt er die heutigen Grössenverhältnisse. Zuvor war er sieben Jahre im Landwirtschaftlichen Zentrum auf der Liebegg in Gränichen als Berater und Lehrer, am Schluss auch als Rektor ad interim tätig gewesen. «I bi immer chli Buur blibe», sagt er schmunzelnd. Einer ohne eigenen Hof halt.

Neue Führungsrolle für den Marathonläufer

Ueli Voegeli ist ein spätberufener Politiker. Er ist seit zehn Jahren Mitglied der SVP Ortspartei. Seines Erachtens ist Parteipolitik in der dörflichen Exekutive jedoch kaum relevant. Vor zwei Jahren wurde er in den Gemeinderat gewählt. Doch bereits in früheren Jahren sei hin und wieder an seine Tür geklopft worden für ein Engagement im Gemeinderat, doch der Beruf und die Familie mit vier kleinen Kindern hätten ein derartiges Amt zuvor verunmöglicht, sagt er. Das ist nun anders. Die Kinder sind jetzt 15 bis 22 Jahre alt, weitgehend selbstständig, auch lässt sich das politische Mandat mit der beruflichen Situation nun besser vereinbaren. Der passionierte Marathonläufer bezeichnet sich als Stratege und Macher, den die politische Führungsrolle nicht zuletzt deshalb reizt, weil er als Ammann «einen ganz neuen Zugang zu den Menschen finden muss».

Auch als kleine Kommune aktiv mitentscheiden

Das Erfolgsmodell «Strickhof« kann nach Meinung von Ueli Voegeli auch auf die kommunale Arbeit hinuntergebrochen werden. Klar ist: Voegeli will als Gemeindeammann ein selbstbewusstes Egliswil vertreten. «Auch wenn man vom Steuersubstrat her nicht einflussreich ist, kann man Einfluss nehmen», ist er überzeugt. Noch heute ärgert sich der künftige Ammann darüber, dass die Egliswiler Oberstufe bei der Reorganisation der Bezirksschulstandorte getrennt und die Schülerinnen und Schüler auf Seengen (Sek und Real) und Seon (Bez) aufgeteilt wurden. «Egliswil ist keine beliebige Manövriermasse», sagt Voegeli selbstbewusst. Dabei sieht er gerade im Bildungsbereich Kooperationspotenzial, «ohne dass Egliswil an Mit- und Selbstbestimmung verliert».

Welches sind die happigsten Geschäfte, die Ueli Voegeli von seinem Amtsvorgänger Rolf Jäggi übernehmen wird? Die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ist in Arbeit, Voegeli rechnet mit einem Zeithorizont bis 2021. Dass sich die Egliswiler im Sommer in einer gross angelegten Unterschriftenaktion für den Erhalt der Dorfkernzone stark machten und die Gebäudehöhen in diesem Bereich reduzieren wollen, wertet der künftige Ammann als positives Zeichen einer interessierten Bevölkerung. «Das ist gelebte Demokratie.» Und dass Egliswil nur moderat wachsen soll, ist ganz in seinem Sinne.

Die neue BNO sieht innerhalb von fünfzehn Jahren eine Steigerung der Wohnbevölkerung um 300 Personen auf 1750 Einwohner vor. «Wir wollen Egliswil den ländlichen Charakter bewahren», lautet Ueli Voegelis Kommentar dazu kurz und bündig.

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