Im Werkhof können verschiedene Wertstoffe entsorgt werden. Von dort werden sie in den korrekten Entsorgungs- beziehungsweise Recyclingprozess geführt. Doch vermag die Situation schon seit längerem nicht mehr zu befriedigen: Die Sammelstellen sind praktisch über das gesamte Gelände hinweg verstreut. Zudem kommen das Recyclinggeschäft und der normale Werkhofbetrieb oft nur mit Mühe aneinander vorbei.

Bei der Stadt Lenzburg ist man sich der Problematik bewusst und sucht deshalb schon seit geraumer Zeit nach einer neuen Lösung. So wurde unter anderem ein Vorprojekt für eine neue Entsorgungsstelle in einer Lagerhalle östlich des Werkhofs, unter der alten Wursti, erstellt. Im Finanzplan der Stadt Lenzburg sind schon seit bald zehn Jahren 1,4 Millionen Franken für eine neue Entsorgungsstelle eingestellt.

Nun dies: Nur wenige hundert Meter vom Werkhofareal entfernt entsteht eine private Recycling-Anlage. Die Bausort AG, welche in Hunzenschwil bereits eine Sammelstelle betreibt, investiert an der Industriestrasse in Niederlenz unweit der Gemeindegrenze zu Lenzburg in eine neue Recycling-Oase. Kostenpunkt: rund fünf Millionen Franken. Am 26. Februar war Spatenstich, die Inbetriebnahme ist auf Mitte 2019 vorgesehen. Dieser Umstand hat die politischen Parteien in Lenzburg auf den Plan gerufen. Mit einer Anfrage verlangten die Grünliberalen und die FDP an der Einwohnerratssitzung vom Donnerstag vom Stadtrat Auskunft über die konkreten Pläne der Stadt in der Entsorgungsfrage. Man sei etwas irritiert, dass «die Stadt Lenzburg (bei der Bausort AG) offenbar in irgendeiner Form mit von der Partie ist», liessen FDP-Einwohnerrat Francis Kuhlen und Mitunterzeichnende verlauten. Währenddessen stellten die Grünliberalen fest, dass offenbar bereits Entscheidungen gefallen seien: Recyclingmaterial, das nicht über die in der Stadt verbreiteten dezentralen Sammelstellen entsorgt werden kann, werde inskünftig bei der Bausort AG am Standort Niederlenz deponiert. Man habe diese Information bereits den Medien entnehmen können, hiess es.

Kein Konkurrenzbetrieb

Genau vor einem Jahr hat sich der Einwohnerrat schon einmal mit der Entsorgungsthematik beschäftigt. Damals forderte Michael Häusermann (SVP) bereits die Prüfung von Alternativen zu einer eigenen neuen Sammelstelle. «Sollen wir wirklich eine Million Franken ausgeben, wenn Private das wirtschaftlicher machen können?», hatte Häusermann damals gefragt. Fakt sei doch, dass die Stadt gesetzlich nicht dazu verpflichtet sei, Recyclingstellen auf dem Gemeindegebiet zu unterhalten. Damals waren die Pläne der Bausort AG noch nicht öffentlich bekannt, entsprechend sibyllinisch fiel die Reaktion des Stadtrats aus. Von der Möglichkeit einer privaten Sammelstelle in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden als Win-win-Lösung war die Rede.

In der Donnerstagssitzung äusserte sich der zuständige Stadtrat Martin Stücheli nun etwas konkreter zu den aktuellen Anfragen von FDP und GLP. Und er bestätigte, dass man mit der Bausort AG im Kontakt stehe. «Ja, es sind Abklärungen im Gange. Wir sind mit der Bausort im Gespräch.» Doch würden derzeit weder konkrete Lösungen auf dem Tisch liegen, noch seien irgendwelche Verträge unterschrieben worden, erklärte der Stadtrat. Im Moment werde die Sammelstelle im Werkhof weitergeführt, Investitionen würden jedoch keine getätigt. Stücheli betonte jedoch: «Auf keinen Fall will die Stadt Lenzburg in Zukunft ein Konkurrenzunternehmen betreiben.»