Der Prozess gegen Riccardo Santoro und dessen Luxusauto-Firma beginnt am Montag, 7. Januar 2019. Die Verhandlung findet in den Räumlichkeiten des Bezirksgerichts Lenzburg statt. Soweit absehbar, dauere die Verhandlung bis am Mittwoch, 23. Januar. Maximal sind also 13 Verhandlungstage möglich. 

Für den ersten Verhandlungstag ist die Befragung von Santoro vorgesehen. Staatsanwaltschaft wie Verteidigung werden ihre Anträge an der Verhandlung bekanntgeben. Die Verhandlung startet täglich jeweils um 8.15 Uhr. Das Ende der einzelnen Verhandlungstage richte sich nach dem Zeitbedarf ("open end"). 

Nach sechsjähriger Untersuchung klagte die Kantonale Staatsanwaltschaft den 46-jährigen Santoro im vergangenen Dezember an. Der Autohändler hatte Luxus-Karossen zu aussergewöhnlichen Konditionen verleast.

Santoro muss sich wegen Misswirtschaft, gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Veruntreuung verantworten. Er war Betreiber der SAR premium cars AG in Dintikon. Er ist nicht geständig. Der Schweizer bot in seiner Garage seit 2007 äusserst günstige und flexible Autoleasings an. Die meisten Leasings wurden über die damalige Fidis Finance (Suisse) SA abgeschlossen. Seine Leasingpleite entwickelte sich bald zu einem veritablen Wirtschaftskrimi.

Anklage gegen Autokönig Riccardo Santoro

Anklage gegen Autokönig Riccardo Santoro

Der Autohändler muss sich wegen Millionenbetrug vor Gericht verantworten. Er soll jahrelang illegale Leasingverträge abgeschlossen haben.

Santoros Firma gewann zwar sehr viele Kunden, erlitt aber laut Staatsanwaltschaft langfristig hohe Verluste, wenn sie nach Beendigung des Leasings jeweils das Fahrzeug von Fidis zurückkaufen musste. Die Verluste führten dazu, dass die Firma ab Ende 2010 den Geschäftsbetrieb nur noch weiterführen konnte, weil Fidis ihre Rückzahlungsverpflichtungen aufschob. Es gab die Hoffnung, die SAR könne so saniert werden.

Fahrzeuge abtransportiert

Doch Ende Mai 2011 liess Fidis sämtliche Fahrzeuge vom Verkaufsplatz der SAR abtransportieren und reichte Strafanzeige gegen Santoro ein. Wenig später wurde der Konkurs über die Firma verhängt. 

Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer

Mai 2012: Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer

Im Zusammenhang mit Leasing-Fahrzeugen soll der Beschuldigte gemäss Anklage insgesamt 89 Fahrzeuge veruntreut und bei 50 Fahrzeugverkäufen gewerbsmässigen Betrug begangen haben. Unter anderem habe er die Rücknahme von Leasing-Autos verheimlicht und diese verkauft. Dies erfülle den Tatbestand der Misswirtschaft. Er soll auch die Buchhaltung der SAR gefälscht haben, um die schlechte finanzielle Lage der Firma zu verbergen.

Beim gewerbsmässigen Betrug wirft die Staatsanwaltschaft Santoro vor, Leasing-Autos gleichzeitig an zwei Leasinggesellschaften oder unter falschen Angaben von Fahrzeugdaten doppelt an die gleiche Leasinggesellschaft verkauft zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, dass er durch sein Geschäftsmodell die Überschuldung der SAR bis spätestens per Ende 2009 und die Zahlungsunfähigkeit bis spätestens Ende 2010 herbeigeführt hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, dass er durch sein Geschäftsmodell die Überschuldung der SAR bis spätestens per Ende 2009 und die Zahlungsunfähigkeit bis spätestens Ende 2010 herbeigeführt hatte.

Santoro-Villa unter dem Hammer

Januar 2017: Santoro-Villa unter dem Hammer

Das Anwesen des mutmasslichen Millionenbetrügers in Dottikon wird versteigert. Interessenten und Gwundrige konnten die Immobilie begutachten.

Der Deliktsbetrag aus den vorgeworfenen Veruntreuungen und Betrugsdelikten beläuft sich gemäss Staatsanwaltschaft auf über 17 Millionen Franken. Weiter wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, in 191 Fällen Urkundenfälschung begangen zu haben.

Akten füllen 376 Bundesordner

Die Untersuchung der Pleite der Luxusauto-Firma überlastete zeitweise die Staatsanwaltschaft. Der Grosse Rat hatte im März 2012 einen Kredit von 3,4 Millionen Franken bewilligt, um acht zusätzliche Stellen für die Dauer von drei Jahren zu schaffen.

Die Strafuntersuchung war enorm aufwändig, auch weil teils schweizweit bekannte Personen zu den Kunden gehörten. In akribischer Kleinarbeit mussten hunderte Autoverkäufe rekonstruiert werden.

Die Verkäufe seien in den Geschäftsunterlagen der SAR schwer nachvollziehbar, unvollständig, falsch oder gar nicht dokumentiert gewesen, hält die Staatsanwaltschaft fest. Die Verfahrensakten füllen insgesamt 376 Bundesordner, und die Anklageschrift zählt 355 Seiten. (pz/sda)