Lenzburg

Regionalbus baut gegen den Willen kleiner Gemeinden Kurse ab

Das RBL-Team Ruedi Willi, Andi Rudolf, René Bossard und Urs Lüscher (v.l.) vor dem neuen Gelenkbus.

Das RBL-Team Ruedi Willi, Andi Rudolf, René Bossard und Urs Lüscher (v.l.) vor dem neuen Gelenkbus.

Mit dem Fahrplanwechsel gibt es bei den Regionalen Busbetrieben (RBL) einige Änderungen und drei neue Busse.

Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember kommt es bei einigen Kursen auf dem Streckennetz der Regionalen Busbetriebe (RBL) Lenzburg zu Änderungen. RBL-Geschäftsführer René Bossard spricht von marginalen Anpassungen. «Es gibt keinen grossen Wurf», sagt er bei der Präsentation des neuen RBL-Busfahrplans. (Details separater Text).

Am besten Weg kommt die Linie 393 (Lenzburg – Mägenwil). Mit der Erweiterung des Halbstundentakts, so Bossard, wolle man dem Bevölkerungswachstum im Osten der Stadt Lenzburg Rechnung tragen.

Auf der andern Seite werden jedoch diverse Verbindungen aufgrund mangelnder Frequenz gestrichen. Opfer des Rotstifts wurden vor allem Buskurse zu Randzeiten in der Peripherie. Teilweise werden die Busse früher gewendet beziehungsweise Verbindungen von einem Ort zum andern (Bettwil nach Fahrwangen) aufgehoben.

Die Massnahme begründet Bossard mit einer geringen Nachfrage bei beschiedenen Verbindungen. «Bei einzelnen Kursen lag die Passagierzahl im Jahresdurchschnitt knapp über einer Person.» Bei einer solch schwachen Belegung lasse sich deshalb «der Einsatz von Linienbussen aus ökologischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht rechtfertigen», folgert der RBL-Geschäftsführer.

Kanton macht Mobilitätsstrategie geltend

Diese Meldung birgt einige Brisanz. Erst vor wenigen Tagen haben sich verschiedene kleinere Gemeinden in der Region einmal mehr beklagt: Sie fühlen sich bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr (ÖV) benachteiligt. Im Rahmen des Räumlichen Entwicklungskonzepts (REK) des Lebensraums Lenzburg Seetal (LLS), das derzeit von der Kerngruppe Regionalplanung erarbeitet wird, haben deshalb die Gemeindevertreter kürzlich an der LLS-Vorstandssitzung ihre Forderung nach einer Verbesserung des ÖV-Angebots in ihren wachsenden Gemeinden bekräftigt. Und gleichzeitig vom Gemeindeverband dezidiert «mehr Einsatz» verlangt. Zum Beispiel für zusätzliche Busverbindungen auf der ländlichen Entwicklungsachse.

Bossard hat Verständnis für diese Haltung. Der RBL-Geschäftsführer sagt: «Wir hätten es gerne gemacht. Aber der Kanton hat uns gebremst.»

Tatsächlich steht die Forderung verschiedener LLS-Gemeinden im Widerspruch zu 2016 verabschiedeten Mobilitätsstrategie des Kantons, wie Gabi Lauper, Vorsitzende der Kerngruppe Regionalplanung beim LLS bestätigt. «Wir haben den Anspruch der Gemeinden aus der Region in Workshops, welche der Kanton mit den Regionalverbänden durchgeführt hat, eingebracht.» Leider erfolglos.

Neues Projekt Taxito soll Schaden begrenzen

Heute befasst sich der Grosse Rat mit dem «Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2020». Diese, so Lauper, sehe vor, den Ausbau des ÖV im ländlichen Gebiet nur zurückhaltend weiterzutreiben. Der Kanton mache dafür finanzielle Gründe geltend.

Den Schaden in den Landgemeinden einigermassen in Grenzen halten, soll das neue überkantonale Angebot Taxito. Der Mitfahrdienst deckt elf Gemeinden im Aargauer und Luzerner Seetal ab. Ab März 2020 startet eine dreijährige Testphase. Der Kanton sowie die SBB unterstützen das Projekt mit einem finanziellen Beitrag.

Drei neue Fahrzeuge für über eine Million Franken

Gleichzeitig mit dem Fahrplanwechsel präsentierten die RBL drei Neuanschaffungen: Zwei 12-Meter-Fahrzeuge und einen Gelenkbus. Die Anschaffungskosten betragen rund 1,15 Millionen Franken. Mit der Inbetriebnahme der drei neuen Busse werden drei Fahrzeuge der RBL-Flotte ausrangiert.

Obwohl die RBL als erstes Busunternehmen in der Schweiz ein Hybridfahrzeug in Betrieb genommen hatte, wurde bei den Neuanschaffungen darauf verzichtet und der Variante mit einem Dieselmotor der Vorzug gegeben. «Wir haben diverse Antriebstechniken geprüft. Aufgrund der Anforderungen des RBL-Streckennetzes an die Fahrzeuge erachten wir Diesel derzeit als beste Alternative.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1