Lenzburg
Regionales Schutznetz für Kinder und Erwachsene ist geknüpft

Einmal monatlich trifft sich die Regiogruppe Kinder- und Erwachsenenschutz Lenzburg um sich auszutauschen und komplexe Fälle von gefährdeten Kindern oder Erwachsenen aus dem Alltag zu beraten. Nach einem Jahr zieht die Gruppe positive Bilanz.

Irena Jurinak
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Dank dem Austausch in der Regiogruppe sind Hugo Thomi, Michael Gruber, Maja Perret, Pia Iff und Margrit Ruf (v. l.) gut vernetzt. ju

Dank dem Austausch in der Regiogruppe sind Hugo Thomi, Michael Gruber, Maja Perret, Pia Iff und Margrit Ruf (v. l.) gut vernetzt. ju

«Wir konnten die Zusammenarbeit verbessern, Wissen austauschen und haben eine gute Kultur entwickelt», sagt Michael Gruber, Leiter Soziale Dienste Lenzburg (SDL).

Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung (JEFB), die Mütter- und Väterberatung (MVB), die Amtsvormundschaft (AV) und der schulpsychologische Dienst (SPD) sind ebenfalls in der Gruppe vertreten. Neu gehört auch die Aargauische Suchthilfe (ags) zur Gruppe.

Schule holte sich Rat

Verschiedene externe Personen nutzten bereits die Möglichkeit, einen heiklen Fall in der neuen Gruppe zu diskutieren. Eine Schulleiterin und eine Lehrperson holten sich Rat, um entscheiden zu können, ob ein Kind gefährdet ist und wie sie weiter vorgehen könnten. Eine Gemeinde fragte schriftlich in einem Fall einer älteren Person nach.

«Wir geben Empfehlungen ab, man muss gut überlegt handeln», sagt Gruber. «Der Vorteil der interdisziplinären Gruppe ist, dass ein schwieriger Fall aus verschiedenen Optiken betrachtet wird.» Für akute Fälle sind die Kinderschutzgruppen in den Kantonsspitälern Aarau und Baden zuständig.

Die Beratungen in der Regiogruppe sind auch eine emotionale Entlastung. «Man kann jemanden ermächtigen, Schritte einzuleiten», sagt Pia Iff von der JEFB, «und bei der Frage helfen, ob man das Richtige tue.» In manchen Fällen frage man sich auch, ob man etwas übersehen habe. «Zudem gibt es unterschiedliche Bewertungen von Fällen, die wir dann diskutieren.» Alle Fälle werden anonym behandelt.

Dank der regelmässigen Treffen sind die Organisationen besser vernetzt. «Man greift schneller zum Telefon und fragt bei einer anderen Stelle nach, wenn man die dahintersteckenden Menschen kennt», sagt Margrit Ruf, MVB. Alle Teams sind in die Arbeit der Gruppe involviert. Auch externe Fachexperten besuchten die Gruppe, gaben Inputs und stellten ihre Angebote vor: unter anderem der externe psychiatrische Dienst, das Care-Team des Kantons Aargau oder die Anlaufstelle Häusliche Gewalt.

Keine neue Fachstelle

Die Treffen finden im Rahmen der regulären Tätigkeit der beteiligten Organisationen statt und kosten keine zusätzlichen Ressourcen. Die Regiogruppe ist keine neue Fachstelle, hauptsächlich geht es um Vernetzung und Koordination im Kinder- und Erwachsenenschutz. Anlaufstellen für Betroffene sind die Organisationen. Personen aus dem Umfeld von Schulen, Gemeinden, sozialen Behörden aber auch Sportvereinen können die Beratung in der Regiogruppe in Anspruch nehmen.

In diesem Jahr soll das Thema Alter in den Fokus rücken. Angedacht ist, Vertreter der Pro Senectute und der Psychiatrie-Spitex in die Gruppe einzubinden, um Fachwissen zu älteren Menschen und Erwachsenen mit psychischen Beeinträchtigungen zu ergänzen.