Geht man nach dem Lauf des Aabachs, so ist Suters Wechsel von der Gemeinde Hallwil nach Niederlenz ein klarer Abstieg. In Tat und Wahrheit ist das natürlich anders: Mit dem Wechsel vom rund 875-Seelen-Dorf im Seetal in ein aktuell flott wachsendes Niederlenz mit gegen 4800 Einwohnern macht der Gemeindeschreiber einen bemerkenswerten Karriereschritt.

Mit dem 37-jährigen Suter kommt eine neue Generation an die Spitze der Niederlenzer Gemeindeverwaltung, die zuvor 31 Jahre lang in den Händen von Thomas Steudler lag. Steudler ist vor wenigen Wochen in Pension gegangen.

Suters Büro wird dominiert von noch leeren weissen Wänden, (Niederlenz-) gelben Aktenschränken – sie sind ebenfalls leer, wie sich herausstellt. Auf dem Pult findet sich kaum ein A4-Blatt, der Platz auf der Tischplatte wird von drei Computermonitoren beansprucht. Er habe nicht etwa extra aufgeräumt oder Aktenberge verschwinden lassen wegen des Interviewtermins, beeilt Suter sich zu sagen. Hier werde das papierlose Büro gelebt, möglich mache dies ein spezielles elektronisches Verwaltungsprogramm für Gemeinden, erklärt er und witzelt: «Hier gibt es zwar wenig Papier, und doch mangelt es nicht an Arbeit.»

Militärrad und Wanderschuhe

Der grössere Verantwortungsbereich ist nur ein Grund, weshalb Suter nach Niederlenz geschielt hat. Es ist auch eine Rückkehr in seine Heimat. Suter ist im Nachbardorf Möriken-Wildegg aufgewachsen, hat dort auf der Gemeindeverwaltung die Ausbildung gemacht und wohnt im Dorf. «Ich schätze es, dass ich jetzt in der Mittagspause heimgehen und einen Moment abschalten kann», sagt er. Der Arbeitsweg ist kurz, nur wenige Kilometer lang. Der Kanzler schwingt sich dafür viermal aufs Stahlross. Er habe das alte Militärvelo wieder instand gestellt, erzählt er stolz. Auch in der Freizeit ist er vorzugsweise auf zwei Rädern unterwegs, gerne auch in einem etwas flotteren Tempo mit dem Rennvelo oder auf dem Bike. «Als naturverbundener Mensch schnüre ich zum Ausgleich meiner Arbeit im Büro zudem manchmal die Wanderschuhe und gehe in die Berge. Im Winter ist Langlaufen angesagt.»

Starke Ortsbürgergemeinde

Was ist in Niederlenz anders im Vergleich mit den Verwaltungen in Klingnau, Gränichen und Hallwil, in denen Roland Suter nach einem kurzen Abstecher in die Privatwirtschaft gearbeitet hat? Suter muss nicht lange überlegen. «Die Ortsbürgergemeinde ist in Niederlenz sehr präsent und engagiert sich in einem Ausmass, wie ich es bisher noch nirgends erlebt habe.» Die Zusammenarbeit sei gut angelaufen, zum Beispiel beim für den neuen Kanzler bisher unbekannten «Kiesgeschäft». Ein anderes arbeitsintensives Projekt der Einwohnergemeinde ist ebenfalls schon früher aufgegleist worden: Die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sollte bis Ende 2019 bereit sein für die Mitwirkung. Mit der Einführung des internen Kontrollsystems (IKS) für die internen Abläufe liegt die erste grosse Bewährungsprobe für den neuen Niederlenzer Kanzler unsichtbar auf dem Tisch – in Suters papierlosem Büro ist das neue Projekt auf der elektronischen Pendenzenliste registriert.