Lenzburg
Santoro-Verteidiger erhebt schwere Vorwürfe und verlangt Freispruch – das war der 2. Prozesstag

Der Anwalt des angeklagten Autohändlers sagt, die Staatsanwaltschaft habe sich bei den Ermittlungen von der Leasingfirma beeinflussen lassen.

Stefania Telesca
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Riccardo Santoro (l.) steht 2021 vor dem Obergericht.
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Riccardo Santoro (rechts) trifft mit seinem Anwalt 2019 vor dem Bezirksgericht ein.
Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Das Bild stammt von 2014.
Der Prozess beginnt am Montag, 7. Januar 2019, um 8.15 Uhr. Santoro weist alle Schuld von sich.
Aufsehenerregende Aktion am 25. Mai 2011 in Dintikon: Fidis Finance schickt 17 Sattelschlepper zu Santoros SAR Premium Cars.
Fidis Finance lässt über 60 Fahrzeuge bei der SAR Premium Cars in Dintikon abholen.
Danach kollabiert Santoros Autoimperium.
Gähnende Leere nach der Räumung im verwaisten Areal des SAR Premium Cars.
Mai 2012: Diese Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
«Sämtliche Vorwürfe gegen mich sind haltlos»: Riccardo Santoro äusserte sich im Sommer 2011 in der AZ erstmals zum Fall SAR Premium Cars.
Sommer 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars.
Santoro zu seinen besten Zeiten: In der Kundenkartei des bekannten Garagisten stehen unzählige Namen von Prominenten.
Februar 2017: Riccardo Santoros Villa in Dintikon wird versteigert. Der Zuschlag für das Anwesen geht an die Aargauer Kantonalbank für 2,35 Millionen Franken.

Riccardo Santoro (l.) steht 2021 vor dem Obergericht.

TeleM1

Die SAR sei ein Zombie gewesen, eine halbtote Firma. So beschreibt am zweiten Prozesstag der Anwalt der Leasinggesellschaft Fidis Riccardo Santoros letzte Versuche, seine Firma SAR Premium Cars zu retten. «Ich glaube nicht, dass er von Anfang an kriminelle Absichten hatte», er habe aber bewusst Straftaten begangen, um ab einem bestimmten Zeitpunkt die Liquidität seiner Firma zu gewährleisten.

Santoro muss sich unter anderem wegen Misswirtschaft, gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten. Der ehemalige Luxusautoverkäufer schloss bis im Jahr 2011 über die Fidis Leasingverträge ab. Auf eigene Faust soll er mit den Kunden Zusatzvereinbarungen getroffen und mit diesen sogenannten VIP-Klauseln seine Firma SAR in ein wirtschaftliches Desaster gezogen haben.

So gewährte er den Kunden eine höhere Kilometerleistung, als im Leasingvertrag mit der Fidis festgelegt, und er bot den Kunden an, die Autos früher zurückzugeben. Wegen dieser VIP-Leistungen hätten die Autos erheblich an Wert verloren und Santoro habe grobe Verluste verursacht, so der Firmenanwalt.

Der Prozess geht am Mittwoch um 13.30 Uhr weiter. Wir berichten im Liveticker.

Gefälschte Formulare

Santoro habe laut Anwalt der Fidis bereits Mitte 2010 gewusst, dass seine Firma zahlungsunfähig gewesen sei. «Statt den Konkurs anzumelden, hat er die Bilanzen gefälscht und wie ein Besessener weitergemacht.» Spätestens ab diesem Zeitpunkt habe er grobfahrlässig gehandelt und die Fidis betrogen.

Laut Anklage hat Riccardo Santoro 49 Fahrzeuge früher als im Leasingvertrag vereinbart zurückgenommen, die Leasingfirma nicht darüber informiert und dank Fälschung der Formulare weiterverkauft. Der «Märchenerzähler aus Dintikon», wie Schlegel Santoro nennt, habe während der Befragungen behauptet, ihm sei durch die Fidis nie mitgeteilt worden, dass er frühzeitige Rücknahmen von Leasingautos hätte melden müssen. Dies sei eine Lüge.

Die von ihm vertretene Leasinggesellschaft hätte Santoros Geschäfte unmöglich durchschauen können, sagt der Anwalt: «Santoro hat für alle auftauchenden Probleme eine Erklärung gehabt.»

Ob die Fidis von diesem Geschäftsmodell wusste oder nicht, sei strafrechtlich nicht relevant, denn Santoro sei Geschäftsführer und somit verantwortlich gewesen. Das VIP-Leasing sei kein gemeinsames Geschäftsmodell von Fidis und SAR gewesen. Der Schaden belaufe sich auf 12,6 Millionen Franken.

Freispruch verlangt

Santoro wirkt im Bezirksgericht Lenzburg müder und angeschlagener als am ersten Prozesstag. Sein Verteidiger erhebt gleich zu Beginn seines 133-seitigen Plädoyers schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft. Dass die Leasingfirma nichts von den Sonderkonditionen gewusst haben will, sei unmöglich, sagt er: «Die SAR und die Fidis haben das Leasingmodell gemeinsam gegründet», so Bosshard. Die Staatsanwaltschaft habe die Darstellung der Fidis unkritisch übernommen und sich vom Vertreter der Leasingfirma beeinflussen lassen.

Die Funktionäre der Fidis hätten sich im Erfolg, den Santoro brachte, gesonnt. Die Chefetage von Fidis habe sich über die jahrelang regelmässig eingehenden Leasingraten gefreut: «Es herrschte Goldgräberstimmung», sagt Santoros Verteidiger. Der Umgang zwischen Santoro und den damaligen Geschäftsführer der Fidis sei locker gewesen, viele Informationen seien mündlich ausgetauscht worden.

Ende April 2011 hätten sich die Verantwortlichen der Fidis dann von Santoro abgewendet. «Dies, weil sich abzeichnete, dass er keinen Kredit mehr erhalten würde, da brach bei der Fidis Panik aus», so sein Anwalt. Er fordert einen vollumfänglichen Freispruch.

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