Kostenexplosion

Schulden in Schafisheim steigen auf 3,5 Millionen an – Traum vom «Blumendorf» platzt vorerst

Ortseingang von Schafisheim.

Ortseingang von Schafisheim.

Spardruck und Kostenexplosion bei den Sozialen Diensten: Das Budget der Gemeinde Schafisheim gibt zu reden.

Mit der millionenteuren Sanierung der Kantonsstrasse wollte Schafisheim seine Ortsdurchfahrt verschönern. So war es geplant. Man träumte von einem «Blumendorf». Als Namensgeber für den Slogan standen Gärtnereien und Blumenproduzenten in der Gemeinde.

Doch jetzt wird nichts aus diesen Plänen, zumindest vorerst nicht. Schuld daran ist die finanzielle Situation der Gemeinde. Durch die jüngste Bautätigkeit (Schulhausneubau/Gemeindeanteil Sanierung Kantonsstrasse) werden die Schulden per Ende 2020 auf rund 3,5 Millionen Franken ansteigen. Am Steuerfuss wird nicht gerüttelt. Im Budget 2020 wird unverändert mit 99 Prozent gerechnet. Um das Fuder finanziell nicht zu überladen, hat man in Schafisheim bei der Budgetierung gleich zweimal den Rotstift angesetzt. Das Projekt Blumendorf gehört dazu. Gestrichen wurde ebenso die geplante neue Lautsprecheranlage in der Mehrzweckhalle. Auch das Budget für das alle drei Jahre stattfindende Jugendfest wurde um 20 000 Franken gekürzt. «Im Gesamten haben wir Einsparungen in sechsstelliger Höhe vorgenommen», sagt Gemeindeammann Roland Huggler. Das Budget, über das die Gemeindeversammlung am 21. November zu befinden hat, schliesst mit einem Plus von 26 8550 Franken.

Doch sei einfach, wie sich das Traktandum auf den ersten Blick präsentiert, ist es allem Anschein nicht. Stein des Anstosses ist zum einen der geplante Schmuck im Kreisel am Kehrbrunnenplatz. Für den Endausbau und das Kunstwerk sind 11 3000 Franken budgetiert. Ein Betrag, der zu reden geben wird an der Gemeindeversammlung. Das weiss Ammann Huggler schon jetzt. Auch die Finanzkommission hat den Finger auf diesen Posten gelegt und Vorbehalte angebracht. Der Ammann hofft jedoch, dass die Schofiser am Ende der Debatte grünes Licht geben für die Verschönerung des Kreisels. Nicht zuletzt deshalb, weil schon das Projekt Blumendorf mächtig abgespeckt wird. «Der Kreisel wird die Visitenkarte der Gemeinde Schafisheim», schlägt Huggler die Werbetrommel für das Kunstwerk von Franz Arnold. Der Schofiser Künstler hat die Installation vorgestern der interessierten Bevölkerung vorgestellt. Huggler hat eine gewisse Skepsis festgestellt, einige hätten im Verlaufe des Abends jedoch Sympathie für den Kreiselschmuck entwickelt.

Kostenexplosion bei den Sozialen Diensten

Ende 2017 ist Schafisheim aus dem Gemeindeverband Soziale Dienste Region Lenzburg ausgestiegen. Seit Anfang 2018 werden die Sozialen Dienste wieder in Eigenregie geführt. Die Kostenentwicklung und die Distanz zu den ländlichen Klienten wurden als Grund für den Austritt aus dem Gemeindeverbund angegeben. Im Dorf kenne man sich und könne so gewisse Probleme niederschwelliger lösen, als das heute der Fall sei, hatte Huggler den Schritt damals begründet.

Der Betrieb «Soziale Dienste Schafisheim» läuft heute auf Hochtouren. Die Fallzahlen beweisen es. Innerhalb von vier Jahren sind sie um 28 Prozent gestiegen. Die Nähe zu den Klienten habe tatsächlich zu einer Zunahme von Anfragen bei den Sozialen Diensten geführt, erklärt Huggler. Dabei handle es sich oft um jene Themen, die niederschwellig behandelt werden könnten: Eine Mutter beispielsweise, die Rat sucht, weil sie mit einem pubertierenden Jugendlichen überfordert ist. «Wir können rasch und angemessen handeln, bevor das Problem eskaliert und höhere Kosten verursacht», sagt der Ammann. Auf dem falschen Fuss erwischt, wurde Schafisheim hingegen, was die Kostenentwicklung anbelangt. Man hatte mit Einsparungen von rund 90000 Franken gerechnet. Das Gegenteil ist eingetreten. Anstatt sich bei 260000 Franken einzupendeln, stiegen die Kosten massiv an. Auf rund 370000 Franken. Im Sommer hatte sich die Finanzkommission besorgt gezeigt über «die Kostenexplosion und die völlige Intransparenz der Abteilung Soziale Dienste».

Am 21. November will der Gemeinderat nun die geforderte umfassende Aufklärung zu Kostenmanagement und Kostenentwicklung der Sozialen Dienste liefern. Huggler warnt jedoch vor unrealistischen Erwartungen in Zukunft. Sollte eine Verbesserung der finanziellen Situation bei den Sozialen Diensten angestrebt werden, so müsse nach einer neuen Lösung gesucht werden. «Beispielsweise mit einer Kooperation mit einer Partnergemeinde. Das würde eine Entlastung bei den Sockelkosten führen», sagt der Schofiser Ammann.

Drei Kredite für neue Werkleitungen

Bei drei Verpflichtungskrediten geht es um neue Werkleitungen, deren Kosten von den Eigenwirtschaftsbetrieben getragen werden: 1,28 Millionen Franken kostet der Streckenabschnitt vom Kreisel Kehrbrunnenplatz bis zum Dorfausgang Richtung Coop, 1,08 Millionen Franken die Teilstrecke «Lenzburgerstrasse». Die neuen Leitungen werden im Rahmen der geplanten Kantonsstrassensanierung gebaut. Saniert werden muss zudem die Gemeindestrasse Milchgasse. Dafür sind 719000 Franken zu sprechen.

Der Gemeinderat beantragt zudem Anpassungen bei den Wasser- und Abwassergebühren. Aufgrund des vorhandenen Vermögens sollen das Abwasser um 20 Rappen pro Kubikmeter gesenkt, der Verbrauch von Frischwasser um 20 Rappen für die gleiche Menge erhöht werden.

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