Im Atelier von Marky’s Cakery fühlt man sich ein bisschen wie in einem Märchen. Oder in einem Torten-Traum. In der Villa Malaga an der Lenzburger Schützenmatt-strasse stehen in zwei denkmalgeschützten Räumen glitzernde, glänzende, goldene Cake-Pops, Cupcakes, zwei-, drei- oder vierstöckige verzierte Torten. Malereien und Stuck an den Wänden vollenden das Bild.

Besitzerin des Ateliers ist Markéta Baumgartner Lusková aus Seon. Sie ist 43 Jahre alt und hat vor einem Jahr entschieden, sich mit dem Backen und als Tortendesignerin selbstständig zu machen. Zuvor arbeitete sie fast 20 Jahre in der Automobilbranche.

«Ich habe wirklich nie gerne gebacken. Kochen kann ich immer noch nicht», sagt sie. Doch vor vier Jahren sass sie eines Abends vor dem Fernseher und sah eine Serie über einen Mann, der Torten designte. «Seit ich das gesehen habe, bin ich angefressen.» Anstatt in Zürich Schuhe zu kaufen, habe sie ihr Geld fortan in Backwarenläden ausgegeben. Verbrachte Stunden in der Küche, rollte Zuckerfondant aus oder übte, Kuchenböden aufeinanderzustapeln. Langweilig wurde ihr das nie. Über die Jahre hinweg absolvierte sie etliche Kurse und besuchte Weiterbildungen. «Erst dachte ich, dass die Begeisterung irgendwann nachlässt», sagt sie. Dann schüttelt sie entschieden den Kopf. «Das war aber nicht so.» Doch die Doppelbelastung von Beruf und intensivem Backen wurde ihr langsam aber sicher zu viel. Also tauschte Baumgartner ihren Job im «topmodernen Glasbüro» vollends gegen die Backstube.

Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht. «Ich habe Verantwortung zu tragen», sagt sie. «Meine Eltern wohnen in Tschechien. Sie wollten erst, dass ich bei meinem sicheren Job bleibe.» Inzwischen seien die Eltern aber überzeugt vom Vorhaben ihrer Tochter, die Zweifel sind weg. Baumgartner fährt regelmässig zu Besuch – mit Torten und Backutensilien im Kofferraum.

Ein paar Schritte zurück

Nach der Idee zur Selbstständigkeit – das war vor einem Jahr – wollte Baumgartner voller Tatendrang sofort loslegen. Sie plante ein Café an einer Lage mit Laufkundschaft, wollte täglich frischen Kuchen servieren, Kurse durchführen, Bestellungen für Hochzeiten oder Geburtstage annehmen. «Aber an einen Finanzplan oder an Ressourcenplanung habe ich erst nicht gedacht», sagt sie. Durch die Unterstützung des Amts für Wirtschaft und Arbeit in Aarau realisierte sie, dass sie ihre Idee so nicht durchführen kann. «Ich arbeite alleine und will trotzdem hochwertige Produkte herstellen», sagt Baumgartner. Jetzt beschränkt sich auf die Annahme von Bestellungen und auf individuelle Kurse für Backanfänger und Fortgeschrittene. Die Öffnungszeiten folgen auf Anfrage.

Markéta Baumgartner führt durchs Atelier. Auf fast jeder Torte, jedem Cupcake und Cake-Pop stecken Blüten aus Zuckerpaste. Darunter Rosen, Pfingstrosen oder Ranunkeln. Von echten Blumen sind sie kaum zu unterscheiden. Beim Basteln der Blüten kann Baumgartner richtig abschalten, das ist ihr Ding, sagt sie. «Ich kriege dabei einen richtig verträumten Gesichtsausdruck.» Baumgartner geht zum Florist, kauft sich eine Blüte, die ihr gefällt, zerpflückt sie und baut sie mit Zucker wieder nach. «Stundenlange Arbeit, jahrelange Übung», sagt sie dazu. «Aber ich liebe das. Ich bin sehr perfektionistisch.» Die 43-Jährige nimmt das Wort «perfekt» häufig in den Mund.

Zum Beispiel wenn sie darüber spricht, wer zu ihren künftigen Kunden gehören soll: «Jeder! Jeder, der etwas zu Feiern hat. Ich liefere für Geburtstage, Taufen oder Babyshower-Partys, quasi für jeden Anlass.» Und natürlich auch für Hochzeiten. «Die Hochzeit ist ein grosser Tag im Leben. Sie muss perfekt sein.» Deswegen scheut sie sich auch nicht, das Tortendesign zusammen mit den Auftraggebern individuell zu erarbeiten – und keine vorgefertigten Designs aus Katalogen anzubieten. «Man bekommt auch bei Detailhändlern wirklich gute Torten», sagt sie. «Aber ich will die Emotionen der Kunden aufnehmen und umsetzen.»