Meisterschwanden

So generalstabsmässig entsteht die Pilzsausstellung

Routiniert: Max Döbeli (l.) ist Pilzkontrolleur und seit 30 Jahren im Pilzverein Seetal, Präsident Werner Hegi führt den Verein bereits seit zwei Jahrzehnten.

In Meisterschwanden findet jährlich eine der grössten Pilzsausstellungen der Schweiz statt. Zwei Pilzexperten über die Ausstellung, Fehler beim Sammeln und den tödlichsten Pilz.

Der wichtigste Tag im Jahr ist morgen Freitag, jedenfalls für den Pilzverein Seetal. Alle gut 40 Mitglieder werden dann in die ganze Schweiz ausströmen und am Abend bis zu 400 verschiedene Pilzsorten in die Mehrzweckhalle von Meisterschwanden bringen. Denn dort entsteht eine der grössten und wichtigsten Pilzausstellungen in der Schweiz. In der Halle werden bereits zahlreiche Pilzkontrolleure warten. Deren fünf vom Verein Seetal und noch viele weitere, die extra anreisen, um mitzuhelfen.

Bis tief in die Nacht hinein werden sie dann gemeinsam Pilze bestimmen und kategorisieren: Essbar, giftig, gar tödlich? Erst, wenn auch der letzte Pilz bestimmt und angeschrieben ist, reicht es noch für einige Stunden Schlaf, bevor am Samstag um elf Uhr die Türen für die Besucher geöffnet werden. «Die Ausstellung hat jeweils 2000 bis 3000 Besucher», erzählt Vereinspräsident Werner Hegi.

Sie ist eine kleine Institution in der Schweizer Mykologie: Seit 43 Jahren findet sie jährlich statt, ohne Unterbruch. Und sie bietet einen der besten Einblicke in die grosse Welt der Schweizer Pilze. Dabei sieht selbst Kontrolleur Max Döbeli auch nach 30 Jahren gelegentlich Pilze, die er noch nie gesehen hat. «Es gibt so viele Pilze, dafür reicht ein Leben gar nicht», lacht er.

Als Ausnahme eine tägliche Kontrolle

Im Alltag ist die Pilzkontrolle der Seetaler im Schulhaus Tennwil täglich geöffnet, eine Ausnahme im Aargau und über die Grenzen hinaus. In der Innerschweiz haben einige Kantone die Kontrollen sogar ganz abgeschafft, weshalb einige Pilzsammler von dort bis nach Tennwil fahren für den Blick eines geprüften Auges.

Umso bitterer ist es dann, wenn Max Döbeli die ganze Sammlung wegwerfen muss. Etwa, weil alles im selben Korb gesammelt wurde und sich darin ein giftiger Pilz findet: Weil mögliche Überreste im Korb schnell übersehen werden, entsorgt der Kontrolleur in einem solchen Fall die gesamte Sammlung.

Schliesslich reichen vom Grünen Knollenblätterpilz schon wenige Gramm, um einen Menschen tödlich zu vergiften – es ist der gefährlichste Pilz in der Schweiz. Besonders tückisch: Sein nicht minder gefährlicher weisser Verwandter sieht aus wie ein Champignon.
Deshalb sollten Pilzsammler immer trennen und ähnlich aussehende Pilze zusammenlegen, damit wegen eines gefährlichen Pilzes nicht gleich die ganze Ausbeute entsorgt werden muss.

Nie mit einem Plastiksack sammeln

Bitter ist es auch, wenn Anfänger den falschen Behälter verwenden. Denn die Pilze müssen auch nach dem Pflücken atmen können, sonst werden sie in kürzester Zeit schlecht und führen noch am selben Tag zu einer Lebensmittelvergiftung. Plastiksäcke kommen deshalb nicht infrage.

«Besser sind Weidenkörbe, die luftdurchlässig und gegen oben offen sind», erklärt Kontrolleur Max Döbeli. Und wer über die Kantonsgrenzen hinaus sammelt, sollte nicht vergessen, dass jeder Kanton seine eigenen Pilzler-Regeln hat.

Wer in Luzern die Schonzeit verletzt, kann sogar im Gefängnis landen. Es dürfte in den kommenden Wochen viel zu tun geben für die Seetaler Kontrolleure. Denn nach einem verhaltenen Saisonstart lässt der Regen die Pilze nun endlich spriessen.

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Autor

Michael Küng

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