Lenzburg

Stadtammann Daniel Mosimann: «Lenzburg hat keine aufgeblähte Verwaltung»

Stadtammann Daniel Mosimann in seinem Büro im Rathaus. (Archiv)

Stadtammann Daniel Mosimann in seinem Büro im Rathaus. (Archiv)

Die Stadt streicht die Topposition im Stadtbauamt. Gleichzeitig wird die Standortentwicklung aus dem Bauamt herausgelöst und als eigene Abteilung direkt dem Stadtammann unterstellt. Daniel Mosimann erklärt weshalb und beantwortet Fragen zur Verwaltungsreform.

Die Reorganisation der städtischen Verwaltung erfolgte in einem rasanten Tempo. Haben der öffentliche und der politische Druck auf die städtische Verwaltung den Prozess zeitlich beeinflusst?

Daniel Mosimann: Nein. Über die Anpassung der Organisationsstrukturen bei den Ortsbürgern wird schon seit längerem diskutiert. Auch bei der Einwohnergemeinde war der Handlungsbedarf erkannt. Die zwei Schwerpunkte lagen bei den Sozialen Diensten und beim Stadtbauamt. Mit dem Pensenausbau um 295 Stellenprozente konnte im Sozialamt eine Lösung gefunden werden. Der Einwohnerrat hat dem Antrag in der Budgetdebatte im September zugestimmt. Das Stadtbauamt wurde durch dem Abgang der Chefbeamtin aus einer neuen Warte beurteilt. Mit der nun gewählten Lösung wird die bisher zweite Hierarchiestufe gestärkt.

Die Stadt verzichtet in Zukunft auf den Chefposten des Baumeisters. Ist das ein kluger Entscheid für Lenzburg, das sich in einem rasanten Wachstum befindet?

Ja. Die Abteilung Stadtplanung und Hochbau verschwindet nicht, sie wird auch in Zukunft weiter exstieren. Die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten müssen jedoch überprüft werden, ebenso die Ressourcen.

Im Budget 2019 wurden 50 000 Franken für die «Organisationsentwicklung des Bauamts» eingestellt. Wird das Geld nun nicht mehr benötigt?

Das Bauamt muss nun für die neuen Aufgaben fit gemacht werden. Der Anpassungsprozess wird sicher mit Kosten verbunden sein. Wie hoch diese sein werden, kann ich im jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Sicher ist jedoch, dass die 50 000 Franken zumindest teilweise beansprucht werden.

Lenzburg will sein stattliches Immobilienportefeuille (Einwohnergemeinde 215 Mio. Franken, Ortsbürgergemeinde 70 Mio. Franken) künftig dynamischer bewirtschaften. Will man die Liegenschaften in Zukunft selber verwalten?

Dieser Frage wird eine hohe Priorität eingeräumt: Wollen wir die Liegenschaftsbewirtschaftung selber machen oder wie bis anhin extern vergeben? Im Moment kann ich nicht beurteilen, was mehr Sinn macht. In einem ersten Schritt werden die Immobilien der Einwohner- und Ortsbürgergemeinde nach verschiedenen Kriterien erfasst und ein Immobilienportfolio erstellt. Anschliessend wird eine Strategie für deren Bewirtschaftung erstellt und umgesetzt. Diesem Prozess entsprechend wollen wir die Abteilung Immobilien auch fachlich stärken.

Die Stadt schafft eine neue Stelle «Marketing, Tourismus und Entwicklung», die sie direkt dem Stadtammann unterstellt.

Die Standortentwicklung hat bisher eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Das wollen wir ändern. Die neue Abteilung Stadtentwicklung oder Standortentwicklung wird aus dem Bauamt herausgelöst und als neue Abteilung geführt werden.

Weshalb wird die Standortentwicklung nun viel stärker gewichtet?

Lenzburg wächst und steht in Konkurrenz zu andern Städten im Kanton Aargau. Wir müssen uns in Zukunft klar positionieren und profitieren. Dabei steht die Gesamtentwicklung der Stadt im Fokus: Wie kann sich Lenzburg gesellschaftlich, wirtschaftlich, ökologisch und kulturell weiterentwickeln? Und nicht zu vergessen die Kommunikation: Wir müssen uns überlegen, wie wir mit elektronischen Hilfsmitteln und den sozialen Medien umgehen wollen. Auf jeden Fall wird es eine vielfältige, spannende Aufgabe werden.

Zwar wird ein zentraler Posten in der städtischen Verwaltung gestrichen. Unter dem Strich werden jedoch neue Jobs geschaffen. Wird der Verwaltungsapparat aufgebläht?

Mich stört der Ausdruck «aufgeblähte Verwaltung». Lenzburg hat keine aufgeblähte Verwaltung. Lenzburg verfügt über eine gute und effiziente Administration, die auf rund 8000 Einwohner ausgerichtet ist. Wir haben das schon verschiedentlich aufgezeigt. Ich gehe jedoch davon aus, dass es gewisse Stellenverschiebungen geben wird.

Gleichzeitig mit der Verwaltung der Einwohnergemeinde wird auch die Ortsbürgergemeinde neu strukturiert. Die Ortsbürger werden etwas salopp ausgedrückt administrativ von der Einwohnergemeinde vereinnahmt. Ein Ortsunkundiger könnte da auf die Idee kommen, dass man längerfristig auf einen Zusammenschluss der beiden Gemeinden aus ist.

Nein. Mitnichten. Dieser Gedanke ist absurd. Wir haben eine starke Ortsbürgergemeinde, die mit Kies, Forst und Immobilien auf drei guten Standbeinen steht. Zudem haben die Ortsbürger mit dem Museum Burghalde und der ortsbürgerlichen Kulturkommission ein starkes kulturelles Standbein. Hinzu kommt eine interessierte Ortsbürgergemeinde. Das sieht man schon daran, dass rund ein Viertel der Lenzburger Ortsbürger regelmässig die Gemeindeversammlungen besuchen. Die bei der Neuorganisation gewählte Lösung für die Ortsbürgergemeinde ist eine reine Kosten- und Ressourcenfrage.

Wäre es nicht möglich gewesen, auf der operativen Ebene zumindest ein Zeichen für die gesunde, selbstbewusste, innovative Ortsbürgergemeinde zu setzen? Beispielsweise, indem man die Immobilienbewirtschaftung beider Gemeinden in die Hände der Ortsbürger legt?

Diese Lösung scheint mir schon von der Gesamtbetrachtung des Immobilienbestandes her nicht gegeben. Der Immobilienwert der Einwohnergemeinde beträgt 215 Millionen Franken, jener der Ortsbürger 70 Millionen Franken.

Wo wird die Ortsbürgergemeinde in diesem Reorganisationsprozess gestärkt?

Die Belange der Ortsbürger werden besser verankert, und zwar dadurch, dass die Verantwortlichkeiten auf den gesamten Stadtrat abgestützt und die Ortsbürger nicht mehr nur von einem Stadtrat vertreten werden. Jeder Stadtrat ist nun in seinem Ressort sowohl für die Belange der Einwohnergemeinde als auch der Ortsbürgergemeinde verantwortlich. Diese Strukturen sind jedoch nicht in Stein gemeisselt. Drängen sich Veränderungen auf, wird der Stadtrat reagieren.

Die neue Organisationsstruktur tritt ab 1. Januar 2019 in Kraft. Wie wird das im Alltag in Lenzburg zu sehen und zu spüren sein?

Ich hoffe, dass das Ressort Bau und Umwelt wieder als einheitliches und kompetentes Dienstleistungsunternehmen wahrgenommen wird. Auch von der Abteilung Immobilien erwarte ich einen gewissen Effekt. Dies wird jedoch nicht schon am 1. Januar der Fall sein.

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