Mittelschule
Stadtammann Daniel Mosimann zur zurückgewiesenen Kanti in Lenzburg: «Mit dieser Entwicklung nicht gerechnet»

Der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann äussert sich zur zurückgewiesenen Kantonsschule durch die Ortsbürgergemeinde.

Ruth Steiner
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Stadtammann Daniel Mosimann. (Archivbild)

Stadtammann Daniel Mosimann. (Archivbild)

CH Media

An der Ortsbürgergemeindeversammlung am Montagabend wurde das Geschäft zur Kantonsschule auf dem Zeughaus-Areal zurückgewiesen. Ist der Stadtrat mit diesem Antrag auf dem linken Fuss erwischt worden?

Daniel Mosimann: Ja, der Stadtrat war überrascht über die Rückweisung. Mit dieser Entwicklung haben wir nicht gerechnet. Hingegen haben wir erwartet, dass es zu einer angeregten inhaltlichen Debatte kommen dürfte. Wir haben damit gerechnet, dass die Preise der beiden Varianten «Abgabe des Grundstücks im Baurecht» oder «Verkauf» einander gegenübergestellt und zu Diskussionen führen würden.

Das an das Zeughaus angrenzende Artoz-Areal soll verkauft werden. Es wird ein Quadratmeterpreis von 2300 Franken herumgeboten. Das ist eine Differenz von 800 Franken pro Quadratmeter zum Verkaufsangebot für das Zeughaus-Areal. Dass das zu Opposition führen würde, musste auch dem Stadtrat klar sein.

Der gebotene Bodenpreis für das Artoz-Areal ist sicher ein Nachteil für unser Vorhaben. Ich glaube aber, dass diese Preisentwicklung keine allzu gute Perspektive auf die Bebauung des Areals eröffnet. Da müssen Renditebauten erstellt werden. In der Bevölkerung sind die Quartiere «Im Lenz» und «Widmi» zum Teil harscher Kritik ausgesetzt. Der Stadtrat will mit der Mittelschule einen anderen Akzent zum spekulativen Wohnungsbau setzen.

Die Absicht des Stadtrats war, das Geschäft mit einem ordentlichen demokratischen Prozess durchzuführen. Der Aufwand für die Erfüllung der Schutzbestimmungen war immens. Die Rückweisung des Geschäfts hat nun aber genau diesen Prozess verunmöglicht.

Das ist richtig. Die inhaltliche Diskussion hat nicht stattgefunden. Mit der Rückweisung hat der Stadtrat einen Aufgabenkatalog gefasst.

Aufgrund einer vor 20 Jahren erstellten Studie sollen verschiedene Hochrechnungen gemacht werden mit einer Nutzung des Zeughauses als Wohn- und öffentliche Zone. Ist es überhaupt möglich, diese Hausaufgaben innerhalb nützlicher Frist zu erledigen? Viel Zeit bleibt nicht, der Kanton will im ersten Semester 2021 den Standortentscheid treffen.

Das Zeitfenster, das der Stadtrat benötigt, um die mit der Rückweisung gestellten Fragen zu beantworten, kann ich derzeit noch nicht genau definieren. Wir werden dem Kanton die Situation genau darlegen. Wir wissen, dass auch beim zweiten neuen Kantonsschulstandort im Fricktal nicht alles rund läuft.

Haben Sie aus «Aarau» schon erste Reaktionen auf den Entscheid der Ortsbürgergemeinde erhalten?

Am Dienstagmorgen habe ich im Rahmen der Grossratssitzung Bildungsdirektor Alex Hürzeler über die Situation aufgeklärt. Es haben auch Kontakte mit den zuständigen Projektleitern im Departement Bildung, Kultur und Sport stattgefunden.

Welche Signale haben sie aus «Aarau» erhalten? Ist eine Kanti Lenzburg Geschichte?

Nein, ich habe anderslautende Signale erhalten.

Will Lenzburg überhaupt eine Kanti? Könnte es nicht sein, dass das Thema mit der Rückweisung auf diplomatische Art und Weise vom Tisch gefegt werden sollte?

Wenn in Lenzburg tatsächlich kein Interesse an einer Kanti bestehen sollte, dann hätte die Ortsbürgergemeinde am Montagabend dreimal «Nein» sagen müssen. Ich bin zuversichtlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.