Lenzburg

Stadtplanerin: «Spielraum ist da, Erkenntnisse aus der Diskussion aufzunehmen»

Die RES betrachte das Gefüge der Stadt aus einer hohen Flughöhe, sagt Helen Bisang, Leiterin der Stadtbauamts.

Die RES betrachte das Gefüge der Stadt aus einer hohen Flughöhe, sagt Helen Bisang, Leiterin der Stadtbauamts.

Halbzeit im Mitwirkungsverfahren zur Räumlichen Entwicklungsstrategie (RES) der Stadt: Stadtplanerin Helen Bisang zieht eine Zwischenbilanz zu den bisherigen Workshops und wehrt sich gegen die Vorwürfe, Mitwirkungsforen hätten eher Alibi-Charakter.

In den ersten beiden Workshops ging es um die Grundsätze der RES und um Quartiere, wo eine weitere Verdichtung möglich und sinnvoll wäre. Stadtbaumeisterin Helen Bisang kontert Vorwürfe, dass die Mitwirkungsforen eher Alibi-Charakter haben.

Die Lenzburger lieben ihre Kleinstadt. Will man überhaupt weiter wachsen?

Helen Bisang: In den beiden ersten Workshops kam klar zum Ausdruck, dass die Anwesenden ein Wachstum auf 11 000 bis 12 000 Einwohner als realistisch einschätzen. In der Region findet das Wachstum aufgrund der guten Anbindung an Zürich so oder so statt, was im kantonalen Richtplan entsprechend berücksichtigt wird.

Auf welche Aspekte wird in diesem Wachstumsprozess besonderes Wert gelegt?

In den Gruppendiskussionen wurde als wichtig erachtet, dass dieses Wachstum gesteuert wird und dabei eine hohe bauliche und räumliche Qualität anzustreben ist. Für das Wachstum soll die bestehende Infrastruktur analysiert und nötigenfalls angepasst werden. Ein grosses Anliegen ist den Teilnehmenden, dass die Auswirkungen des Wachstums auf den Verkehr bewältigt werden. Diesbezüglich wurde eine überkommunale Betrachtungsweise gefordert, was fachlich richtig ist. Die Abstimmung in Verkehrsfragen ist mit dem Kommunalen Gesamtplan Verkehr aufgegleist. Aus stadtplanerischer Sicht wäre durchaus noch eine weitergehende Zusammenarbeit bei der Abstimmung von Siedlung, Freiraum und Verkehr und bei anderen Sachbereichen anzustreben, wie es das Raumkonzept Schweiz und das revidierte Raumplanungsgesetz vorgeben.

Aus den vorliegenden planerischen Unterlagen geht hervor, dass bereits recht konkrete Vorstellungen über die künftige Stadtentwicklung bestehen. Inwieweit besteht überhaupt noch Spielraum, Erkenntnisse aus den Workshops umzusetzen?

Die Festlegungen in der Räumlichen Entwicklungsstrategie haben lediglich Richtplanschärfe. Wir betrachten das Gefüge der Stadt aus einer hohen Flughöhe. Aufgrund der topografischen, baulichen und freiräumlichen Voraussetzungen und der Gemeindegrenzen sind nicht unbeschränkte Möglichkeiten der Entwicklung gegeben. Es besteht aber durchaus Spielraum, die Erkenntnisse aus den Diskussionsforen aufzunehmen.

Und doch gibt es Stimmen in der Bevölkerung, die sagen, die Marschrichtung sei bereits fixiert.

Es liegt im Sinne einer Strategie, die grundsätzliche Stossrichtung der räumlichen Entwicklung zu skizzieren und die wesentlichen Eckpfeiler festzuhalten. Es geht darum, die gesetzten Ziele und die Schwerpunkte der Stadtentwicklung zu verfolgen und zu erreichen.

Ist die bescheidene Beteiligung an den ersten beiden Workshops mit 60 beziehungsweise gut 40 Personen nicht ein Indiz dafür, dass allgemein angenommen wird, die weitere Entwicklung von Lenzburg sei bereits beschlossene Sache?

Für Workshops, in denen Themen der Gesamtentwicklung behandelt werden, ist eine Beteiligung in dieser Grössenordnung durchaus üblich. Sie entspricht unseren Erwartungen. Eine höhere Beteiligung ist meist dann zu erwarten, wenn handfeste und dringende Probleme in einzelnen Quartieren zu lösen sind. Es liegt im freien Ermessen der Bürgerin und des Bürgers, auf welcher Stufe der Planung und wie sie oder er sich einbringen will. Die Mitwirkung kann als Chance betrachtet werden, den Lebensraum und die Aufenthaltsqualität mit zu bestimmen – im Sinne einzelner Puzzlesteine. Aufgrund des Eigentumsrechts, finanzieller und nicht zuletzt auch konjunktureller Rahmenbedingungen gibt es für Verwaltung und Behörde auch Grenzen der Einflussnahme. Auf jeden Fall wird die Möglichkeit der Beteiligung, die wir der Bevölkerung bieten, in zahlreichen Feedbacks als positiv bewertet.

Wird die Möglichkeit, den Fragebogen zum Thema auf der Website der Stadt auszufüllen, reger genutzt als die direkte Teilnahme an den Workshops?

Diese Möglichkeit der Meinungsäusserung wird rege genutzt. Es sind bereits weit über 100 Fragebogen ausgefüllt worden. Wir freuen uns auch auf die nächsten Workshops und die anschliessende Auswertung der schriftlichen Beiträge.

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