Staufen
«Beim Songschreiben realisiere ich Dinge, die ich sonst nie bemerkt hätte»

Die 22-jährige Staufnerin Masha Ammann hat unter ihrem Künstlernamen «Masha Julia» ihren neuen Song «Grenzen» herausgebracht und arbeitet nun an einer EP. Die Singer-Songwriterin über die Liebe, die therapeutische Wirkung des Songschreibens und ihren tamilischen Hintergrund.

Valérie Jost
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Masha Ammann beim Burghaldenhaus in Lenzburg.

Masha Ammann beim Burghaldenhaus in Lenzburg.

Bild: Sandra Ardizzone

«Dass ich Musik machen will, weiss ich, seit ich zwölf Jahre alt bin», erzählt Masha Ammann. Die heute 22-jährige Staufnerin nutzt als Künstlernamen ihre beiden Vornamen «Masha Julia» und hat soeben einen neuen Song herausgebracht: «Grenzen» ist auf Spotify und anderen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar. Sie hat ihn geschrieben, singt und spielt ihn auf dem Flügel selbst.

Es ist ihr erster Song auf Deutsch, bisher sang sie mehrheitlich Englisch: «Zuerst war das eine grosse Umstellung. Ich wusste nicht, ob ich das will und auch kann», sagt sie. «Doch jetzt habe ich dieses Vertrauen.» Die Inspiration hinter dem Song sei eine Liebesbeziehung gewesen, die nicht so gelaufen sei, wie sie sich das gewünscht hätte: «Es ist ein sehr persönlicher Song für mich. Ich habe ihn auch zuerst für mich selbst geschrieben, um diese Zeit zu verarbeiten.» Die Publikation habe deshalb eine gewisse Überwindung gebraucht, doch: «Was Musik mir gibt, das kann meine eigene Musik auch anderen geben. Deshalb habe ich den Song publiziert, denn dafür mache ich ja auch überhaupt Musik.»

Masha Ammann im Studio bei der Produktion von «Grenzen».

Masha Ammann im Studio bei der Produktion von «Grenzen».

Bild: zvg

Für andere, die den Song hören, könne er aber ganz Unterschiedliches bedeuten: «Ich habe es schon erlebt, dass jemand aus einem völlig anderen Grund zu weinen begann, als was ich selbst darin ausdrücken wollte. Das ist aber in Ordnung – was auch immer er auslöst, es ist das Richtige.» Diese Aussage deckt sich mit ihrem Kunstverständnis: «Kunst ist für mich wie Magie, weil sie ein Eigenleben annimmt und nicht mehr steuerbar ist.» Deshalb wolle sie auch ihrem Publikum die eigene Interpretation nicht wegnehmen.

Für sie sei das Songschreiben therapeutisch, so Masha Julia: «Ich kann mich so einfach am besten ausdrücken. Und oft realisiere ich beim Schreiben erst Dinge, die ich sonst nie bemerkt hätte.» Auch wenn sie vor Entscheidungen stehe oder in Situationen sei, in denen sie nicht wisse, was sie tun solle, helfe ihr das. «Wenn ich versuche, einen Song darüber zu schreiben, sieht die Welt danach plötzlich schon anders aus.»

Das offizielle Bild des Songs «Grenzen».

Das offizielle Bild des Songs «Grenzen».

Bild: Laura Pascolo/zvg

Ihren ersten Song schrieb Masha Julia im Alter von 15 Jahren. «Richtig in den Prozess hineingekommen» sei sie aber die letzten zwei Jahre, während der Pandemie: «In all dieser freien Zeit sind viele neue Songs dazugekommen. Ein Teil ist bereits fertig, aber noch nicht im Studio aufgenommen.» Sie produziert momentan eine EP, die sie im Sommer zu publizieren plant: «Das Hauptthema ist weiterhin die Liebe, und die Songs sind von meinem Leben inspiriert. Im Gegensatz zu ‹Grenzen›, das ich während einer schwierigen Zeit schrieb, sind die Aussagen aber positiver.»

Die 22-Jährige ist unabhängig von einem Label, zahlt also die Aufnahmen in einem Winterthurer Studio selbst: «Auf der einen Seite ist das cool, weil ich alles selbst entscheiden kann, auf der anderen Seite ist es leider nicht ganz günstig.» Bis sie ihr Ziel erreicht, von der Musik leben zu können, arbeitet sie deshalb auch als Model und Teilzeit bei Apple als Technical Specialist im Reparaturzentrum, in der Problemanalyse von Geräten.

«Es war nicht immer einfach, die Kunst mit der beruflichen Laufbahn zu verbinden», erzählt sie. So begann sie schon während der Fachmaturität in Sozialer Arbeit mit einem berufsbegleitenden Studium in Schauspiel und Gesang an einer privaten Schule, die sie inzwischen abgeschlossen hat. «Von den Stunden her ging es auf, aber es war schon intensiv», so Masha Julia.

Masha Julia modelt neben der Musik auch als Nebenjob.

Masha Julia modelt neben der Musik auch als Nebenjob.

Bild: Sandra Ardizzone

Ihr Umfeld habe sie jedoch immer unterstützt: «Ich hatte das riesige Glück, grossartige Lehrerinnen und Lehrer zu haben, die an mich geglaubt und mich gefördert haben.» Nach ihrem ersten Auftritt an der Musikschule Staufen – sie war etwa sechs, sieben Jahre alt – folgten weitere, später spielte sie in Bands, trat am Lenzburger Jugendfest und beim «Metschgplatsch» auf, an Zensurfeiern, im Tommasini und an Weihnachtsevents: «Das waren super Übungsplattformen für mich und hat mich bestärkt, dass ich das wirklich machen will.»

Masha Julia begeistert sich auch für Schauspiel, Film, Fotografie, Modeln und Tanz. «Meine grosse Liebe bleibt die Musik. Aber ich mag es, dass diese Laufbahn so vieles in sich vereint», sagt sie. «Ich kann mein eigenes Konzept umsetzen und mich einbringen, etwa auch meinen kulturellen Hintergrund als Tamilin.» Diesen habe sie, die als Kind adoptiert wurde, in den letzten Jahren stärker entdeckt: «Als nicht-weisse Person und als Frau muss ich mich zwangsläufig politisch mit diesen Themen auseinandersetzen, weil die Welt leider noch nicht frei von Rassismus und Sexismus ist.» Da wolle sie als Künstlerin aber auch ein Sprachrohr sein: «Ich spüre schon eine gewisse Verantwortung, und die will ich auch wahrnehmen. Wir müssen diese Diskussionen führen, und ich trage gern meinen Teil dazu bei.»

Das Musikvideo zu Masha Julias früherem Song «Watch Out», das sie selbst als «eher ein Spass-Projekt» bezeichnet.

Video: YouTube

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