Lenzburg

Süss! Die Figuren dieser Zucker-Künstlerin sind Gold wert

Im Zeitraffer: Ein Zucker-Hund entsteht.

Im Zeitraffer: Ein Zucker-Hund entsteht.

Renu Wanshika Liyanage aus Lenzburg macht Kunst zum Essen – und das äussert erfolgreich. Sie räumt mit ihren Cupcakes, Torten und Miniatur-Figuren an Wettbewerben reihenweise Goldmedaillen ab.

Mit einem skalpellartigen Werkzeug modelliert sie sorgfältig die winzigen Pfötchen. Vorsichtig drückt Renu Wanshika Liyanage eines nach dem anderen an den weissen, zuckrigen Körper. Langsam nimmt der zehn Zentimeter grosse Hund auf dem Stubentisch Gestalt an.

Der Tisch dient gleichzeitig auch als Arbeitstisch und ist vollgestellt mit winzigen Sushi-Tellern, kleinen Trickfilmfiguren wie Shaun, das Schaf, oder einer riesigen Torte, verziert mit Tieren aus der Savanne. Alles essbar. Sie sind aber nicht aus Marzipan, sondern aus Fondant.

Diese Zuckermasse eignet sich besser für Dekorationen, da sie beim Kneten fester bleibt und sich deshalb einfacher modellieren lässt. «Und Fondant schmeckt nicht so nach Mandeln wie Marzipan», sagt Liyanage und streicht ihre langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht.

Mit ihren Kreationen räumt die 31-jährige Lenzburgerin reihenweise Preise ab. An der «Art of Sugar» in Zürich im September stand sie gleich fünf Mal zuoberst auf dem Podest – und verwandelte damit ihre Zuckerkreationen zu Gold.

Einer der schönsten Siege erreichte die junge Frau aus Sri Lanka vor kurzem am «Swiss Cake Festival»: Sie widmete die Goldmedaille ihrem Vater, der kurz vor dem Wettbewerb verstarb.

«Es war sein letzter Wunsch, dass ich teilnehme und gut abschneide», sagt die Singhalesin und bricht ein kleines Stück von der hellbraunen Zuckermasse im Tupperware ab. Vorsichtig zerdrückt sie das Stück zwischen ihren Fingern, bis es ganz flach ist, und drückt es auf das Vorderbeinchen. Jetzt hat der weisse Hund etwas Farbe erhalten.

Fotos dienen als Vorlage

Neben dem Tierchen liegen Lilien und Rosen auf dem Tisch. Sie sehen aus, als hätte sie Liyanage frisch im Garten gepflückt. Auch diese Blumen bestehen aus Zucker und sind selbst gemacht. Dafür hat Liyanage vor kurzem einen Kurs besucht. Der einzige bis jetzt.

Ansonsten hat sie sich die Technik, die Finessen und Tricks alle selbst beigebracht. Auch, wie man mit der Airbrush-Spritzpistole grosse Flächen mit Lebensmittelfarbe kunstvoll bemalt. Laufend verbessert sie ihr Können. Entweder durch Ausprobieren oder mithilfe von Youtube-Videos.

Mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten, liegt Liyanage. In Sri Lanka nähte und stickte sie. Darunter auch präzise gestickte Kreuzstich-Bilder. Kunstvolle Torten zu kreieren begann sie erst vor vier Jahren in der Schweiz. Und das eher zufällig – mit einer roten Geburtstagstorte mit Rosen für ihren Mann, dem sie vor fünf Jahren in die Schweiz folgte.

Die Überraschung kam gut an. «Meine Freunde und mein Mann sagten mir, die Torte sei wunderschön. Ich solle unbedingt mehr davon machen.» Also machte sie weiter. Eine willkommene Abwechslung. Denn in der Schweiz war es schwierig für sie, eine Arbeit zu finden. In Sri Lanka lernte sie zwar Interior Design und machte eine Ausbildung zur Krankenschwester. In der Schweiz reichten ihre Deutschkenntnisse dafür aber nicht aus.

Also investierte sie ihre Zeit in ihre Tortenkunst. Da sie in Sri Lanka mit ihrer Handarbeit schon erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auch mit ihren Torten mit anderen messen würde. 2014 war es dann so weit. An der «Cake Germany Competition» in Friedrichshafen hätte sie sogar auf Anhieb Gold gewonnen.

Im letzten Moment wurde Liyanage aber disqualifiziert. Die Dekoration, ein dünnes Stofftuch, blieb an der Figur kleben – ein Verstoss gegen die Regeln. «Ich war zuerst überglücklich, dass ich gleich am ersten Turnier so gut war. Schliesslich wollte ich ja nur Erfahrungen sammeln», sagt Liyanage.

Als sie dann aber disqualifiziert wurde, sei sie schon etwas enttäuscht gewesen. «Seither lese ich das Wettbewerbsregelement immer ganz genau durch», sagt sie und platziert behutsam die schwarze Kugelnase auf der Schnauze des Hundes.

Der Traum: ein eigener Laden

Im nächsten Jahr möchte Liyanage unbedingt am internationalen Wettbewerb in London in einer höheren Kategorie starten. Ein weiteres Ziel: Ihr Geschäft ausbauen. Bis jetzt verkauft sie durchschnittlich zwei Torten pro Monat. An Freunde oder an Kunden, die über ihre Facebook-Seite auf sie stossen.

Mit mehr Werbung und einer eigenen Homepage möchte sie den Absatz steigern. «Und ein kleiner, eigener Laden wäre schön», verrät sie und nimmt ein stiftartiges Werkzeug aus dem kleinen Kästchen rechts von ihr.

Sorgfältig macht sie mit einem dünnen, spitzen Stift zwei Löcher in die schwarze Kugelnase. Anschliessend hebt sie den Hund hoch und pinselt mit verdünnter Lebensmittelfarbe die Schnauze etwas dunkler. Und fertig ist das kleine Kunstwerk.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1