An der Staufbergstrasse in Niederlenz nerven sich die Anwohner über die Verkehrsbelastung. Vor allem die vielen Lastwagen und der damit verbundene Lärm sind ihnen ein Dorn im Auge. Vor einem Jahr unterschrieben deshalb 177 Personen eine Petition, die Massnahmen fordert. Die Belastung ist gross, wie eine Verkehrszählung jetzt zeigt: Knapp 4000 Fahrzeuge rollen täglich über die Quartierstrasse, darunter fast 250 Lastwagen und Busse. Der Gemeinderat hat deshalb vor kurzem beschlossen, die «Einführung respektive die Verlängerung der bereits bestehenden Tempo-30-Zone der Staufbergstrasse» zu prüfen, wie einem Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates zu entnehmen ist.

Für Peter Grimm ist das zu wenig. Seit 40 Jahren wohnt er mit seiner Frau an der Staufbergstrasse. «Der Lärm, den die Lastwagen verursachen, ist unerträglich», sagt er. Vor wenigen Jahren sie dies noch kein Problem gewesen. «Doch wenn wir heute mit unseren Enkelkindern draussen im Sandkasten spielen, können wir uns kaum unterhalten», beklagt er sich. Denn ein Lastwagen nach dem anderen fahre am Haus vorbei und übertöne alles. «Es ist grauenhaft!»

Fahrverbot für Ammann Option

Dass der Gemeinderat jetzt bei der Einführung von Tempo 30 einen Schritt vorwärtsmacht, freut Peter Grimm. Er hat vor einem Jahr auch eine entsprechende Petition seines Nachbarn Luca Cirigliano unterzeichnet. «Das erhöht die Sicherheit für die Kindergärtler, die den Kindergarten hier besuchen und bei der Bushaltestelle Breite die Strasse überqueren müssen», sagt er. Dass der Lastwagen-lärm aber mit der Temporeduktion abnehmen wird, glaubt er nicht. «Die Frequenz bleibt ja gleich.» Auch der Dreck, den die oft ungenügend abgedeckten Lastwagen auf der Strasse hinterliessen, würde sich kaum verringern. Er ist überzeugt: «Nur ein Fahrverbot für Lastwagen bringt wirklich etwas.» Zubringer und die Busse sollen davon ausgeschlossen sein.

Eine Option, die Gemeindeammann Jürg Link nicht ausschliesst. Aber: «Zuerst muss die schon lang geplante Verlängerung der Ringstrasse Nord umgesetzt werden», sagt er. So sei es im erst vor kurzem bewilligten und mit Lenzburg und Staufen erarbeiteten kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) festgehalten. Ansonsten würde das Problem lediglich auf andere Quartiere verlagert. «Wenn danach die Staufbergstrasse saniert und rückgebaut wird, können wir die Option prüfen», so Link.

«Tempo 30 halbiert Lärm»

Dass diese Quartierstrasse stark befahren sei, stehe ausser Frage. «Es handelt sich dabei um eine verkehrsorientierte Sammelstrasse.» Im KGV sei festgehalten, dass sie mittelfristig ab 2022 zurückgebaut werde, so Link. Will heissen: Die Verkehrsbelastung soll mit verschiedenen Massnahmen wie Flüsterbelag, Temporeduktion oder möglicherweise mit einem LKW-Fahrverbot verringert werden.

«Doch Schritt für Schritt», sagt Link. Zuerst prüft die Gemeinde jetzt die Einführung von Tempo 30. «Die Resultate der aktuellen Verkehrsmessung zeigen, dass wir damit den Lärm um 3 Dezibel verringern können», sagt Link. Das entspreche einer Halbierung des Lärms. «Zudem erhöhen wir damit die Sicherheit für die Fussgänger und Velofahrer.» Bald sollen auch noch die Resultate der Lärmmessung bekannt werden und ebenfalls in die Prüfung miteinfliessen. Spricht das Ergebnis für Tempo 30, könnte dies schon in absehbarer umgesetzt werden.

Kein Abwarten mehr auf Bund

Tritt dies ein, wären im Dorf nur noch die Kantonsstrasse und die Strasse nach Möriken ohne Tempo 30. Ursprünglich wollte die Gemeinde mit der Umsetzung auf der Staufbergstrasse zuwarten, bis der Bund das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost absegnet und somit mitfinanziert. «Wir können dies nicht länger hinausschieben, müssen aber auch den behördenverbindlichen KGV einhalten», sagt Link. Die Temporeduktion, aber auch die angedachte Aufwertung der Staufbergstrasse insgesamt müsse so oder so diskutiert werden. «Mit oder ohne finanzieller Unterstützung des Bundes.»