Seon

Tierkrematorium in Seon baut aus - denn die Einäscherungen haben sich zuletzt verdreifacht

Das Tierkrematorium in Seon baut aus. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach der Kremation von Haustieren um das Dreifache.

«Jede geweinte Träne ist eine Liebeserklärung», steht an einer Wand an der Aussenseite des Tierkrematoriums in Seon. Direkt darunter befindet sich ein Gemeinschaftsgrab für Tiere. Liebeserklärungen wurden hier schon viele gemacht. «Das Gemeinschaftsgrab ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, die wir unseren Kunden anbieten», erklärt Andrea Walti, Kundenbetreuung des Tierkrematoriums Seon.

Die Möglichkeit wird rege genutzt, es finden sich zahlreiche Gegenstände mit Abschiedsbotschaften an die geliebten Vierbeiner. «Ein älterer Herr aus Bern hat seinen Golden Retriever hier bestatten lassen. Zeitweise ist er einmal pro Woche nach Seon gefahren, um seinen Hund zu besuchen. Als ich ihn gefragt habe, wieso er das mache, erklärte er mir, dass er früher oft mit seinem Hund im Hundepark gewesen sei und er ihn auch im Tod in Gesellschaft anderer Tiere sehen wolle», erzählt Walti. Die 37-Jährige kennt viele herzerwärmende Geschichten ihrer Kundschaft.

Dreimal mehr Tiere als vor zehn Jahren

Immer mehr Menschen entscheiden sich, ihre Tiere kremieren zu lassen. So ist die Zahl der Annahmen von Tieren auch in Seon seit Jahren ansteigend. «Hatten wir vor zehn Jahren an Spitzentagen noch fünf Annahmen pro Tag, können es heute bis zu 15 sein», sagt Walti.

Aufgrund der steigenden Nachfrage vergrössert sich das Krematorium nun auch räumlich. Der Bürotrakt soll um eine Etage aufgestockt und mit einem Seminarraum ergänzt werden, dafür liegt derzeit ein Baugesuch bei der Gemeinde auf. Dass gerade dieser Teil des Krematoriums vergrössert wird, hat seinen Grund. «Unser Kerngeschäft ist die Begleitung und Betreuung der Tierhalter rund um den Verlust ihres Tieres», sagt Walti. In Seon werden auch regelmässig Seminare zu diesem Thema angeboten.

Auch Hamster und Leguane werden kremiert

Doch nicht nur Tierhalter sollen zum Thema sensibilisiert werden. Das Tierkrematorium bietet auch Kurse für Tierärzte und tiermedizinische Praxisassistenten an. «Ich habe in meiner Ausbildung nicht gelernt, wie man Tierhalter nach einem Verlust betreut», sagt Walti, die gelernte tiermedizinische Praxisassistentin ist. «Es ist wichtig, dass man den Menschen die Zeit und vor allem auch den Raum zum Trauern lässt», sagt sie. «Hier bei uns dürfen alle Emotionen Platz finden.» Besitzer können selbst entscheiden, ob sie ihre Tiere selbst nach Seon bringen oder diese vom Krematorium direkt beim Tierarzt abholen lassen. Jedes Tier, das beim Tierkrematorium eintrifft, erhält eine eigene Plakette, die bis zur Rückgabe an den Besitzer nie entfernt wird. «So können wir unseren Kunden garantieren, dass wir ihnen ihr Tier nach Hause geben», sagt Walti.

Kremiert werden nicht nur Katzen und Hunde, sondern unter anderem auch Mäuse, Hamster und Leguane. «Wir nehmen jegliche Heimtiere an», sagt sie. Ob die Asche in eine Urne oder ein einfaches Holzkästchen gefüllt wird, entscheidet der Tierbesitzer.

In Seon arbeiten derzeit 17 Personen, «und alle sind mit vollem Herzen dabei, jeder ist hier Tierbesitzer», sagt Walti. Die enge Betreuung werde von den Kunden sehr geschätzt. «Viele, die einmal hier waren, kommen auch bei einem zukünftigen Verlust wieder.» Für welche Bestattungsmethode man sich entscheidet, ist für Walti nicht vorrangig: «Uns ist es wichtig, dass wir über alle Möglichkeiten informieren können. Welche Option die passende ist, entscheidet jeder Tierbesitzer für sich.»

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