Lenzburg

Trotz Corona und ohne Gäste: Diese Aargauerin heiratet heute

Claudia Masson am letzten Freitag im herausgeputzten Studio – bereit für Kundschaft.

Claudia Masson am letzten Freitag im herausgeputzten Studio – bereit für Kundschaft.

Dass ihr die Vermieterin, SP-Präsidentin Gabriela Suter, die Miete erlässt, freut Nagelkosmetikerin Claudia Masson aus Lenzburg und stärkt ihren Kampfgeist.

«Nehmen Sie Platz und lassen Sie sich verwöhnen.» So wirbt Nagelkosmetikerin und Beauty-Frau Claudia Masson für ihr Nagel-Stübli in der Lenzburger Innenstadt, das sie im März 2019 genau ein Jahr vor dem Lockdown eröffnet hat. «Ich habe mir mit dem Nagel-Stübli meinen grossen Traum erfüllt», erzählt die temperamentvolle Jungunternehmerin.

Seit Anfang Woche darf Masson die Frauen wieder mit ihren Schönheitsangeboten verwöhnen. Ihr Studio gehört zu jenen Branchen, welche als erste von den Lockerungsmassnahmen des Bundesrates profitieren. Trotzdem: Eine Rückkehr zum früheren Arbeitsalltag wird es nicht sein – zumindest vorerst nicht. Die Hygienevorschriften sind hoch, weswegen Masson derzeit mehr Zeit als bisher für eine Behandlung einplant: «Je nachdem, werde ich die Handschuhe pro Kundin sogar mehrmals wechseln.»

Es ist nicht das erste Mal, dass das Schicksal die Pläne der heute 35-Jährigen durchkreuzt. Die Coronakrise ist nur ein weiterer Schlag auf Massons bisherigem Lebensweg. Aufgeben sei noch nie eine Option gewesen, erklärt sie bestimmt. Claudia Masson hat ein grosses Kämpferherz. «Sagen wir es so: Die Angst um meine Existenz treibt mich stets von neuem wieder an.» Im Verlaufe der Zeit habe sie sich ein Überlebenskonzept erarbeitet, auf das sie in schwierigen Situationen zurückgreife. Das war auch beim Lockdown nicht anders. Ihre persönliche Krisenstrategie erklärt die Geschäftsfrau so: «Nach dem ersten Schock wird erst mal ausgiebig ‹grännet›. Dann geht es fliessend über in die Phase des Sammelns und Aufrichtens.» Gedanken werden auf einem Blatt Papier festgehalten und geordnet. So werde der Kopf wieder frei fürs Kreative und der Fokus wieder nach vorne gerichtet. «Claudia, habe ich mir auch dieses Mal gesagt, du darfst jetzt nicht schlappmachen, du musst deinen Kundinnen etwas bieten.» Sie kontaktierte jede einzelne Kundin telefonisch, bot Unterstützung per Telefon oder E-Mail an. Sie lancierte Notfallsets für Nagel- und Gesichtspflege. «Dazu habe ich selber eine hieb- und stichfeste Anleitung erstellt», sagt sie und lacht. Gleichzeitig hat Masson die Zeit während des Lockdowns genutzt und jedes Staubkorn im Studio entfernt.

Finanzielle Unterstützung erleichtert Durststrecke

Nichtsdestotrotz: Der finanzielle Schaden ist beträchtlich. Dies umso mehr, als Claudia Masson sich erst seit kurzem über volle Auftragsbücher freuen konnte. Deshalb sei sie enorm erleichtert gewesen über die Geste ihrer Vermieterin. «Gabriela Suter hat mir die Miete erlassen», erzählt sie. Die Liegenschaft am Sandweg, in dem sich das Massons Nagelstudio befindet, gehört der Präsidentin der kantonalen SP, Nationalrätin Gabriela Suter aus Aarau.

Das Gespräch, das im Nagel-Stübli stattfindet, wird verschiedene Male durch das Läuten des Telefons unterbrochen. Massons Gesicht erhellt sich jedes Mal. Am Draht sind Frauen, die von der Wiedereröffnung gehört haben und jetzt einen Termin vereinbaren wollen. Die leeren Zeilen in der Agenda beginnen sich wieder zu füllen. Trotzdem: Die Schönheitsfachfrau weiss, die Lage wird noch eine Weile angespannt bleiben. «Es gibt Kundinnen, welche sich einen Besuch im Nagel-Stübli momentan nicht mehr leisten können, da die Kurzarbeit ihre finanziellen Möglichkeiten einschränkt.» Unterkriegen lassen will Claudia Masson sich auf keinen Fall und betont: «Ich bin optimistisch und werde weiterhin Gas geben.»

Trotz Corona wird geheiratet

Der 1. Mai ist in Claudia Massons Agenda schon lange gut sichtbar markiert. Am Freitag wird sie auf dem Regionalen Zivilstandsamt Lenzburg ihren «Schatz» heiraten. Davon liess sie sich trotz Corona nicht abbringen. Zwar muss das grosse Fest mit Familie und Freunden warten, es ist auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das Hochzeitskleid jedoch will die Braut zum feierlichen zivilen Akt unbedingt anziehen. Und auch der Hochzeitswalzer soll stattfinden, sagt sie und lächelt verschmitzt. Claudia Masson hofft, dass der Angetraute sie am Abend in festlichem Licht zu sanft romantischen Klängen daheim durch das Wohnzimmer wiegen wird. Ohne Publikum. «Nur wir beide ganz allein.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1