«In der Stadt kann man nirgends parkieren.» Das Parkplatz-Angebot in Lenzburg ist laufend öffentlicher Kritik ausgesetzt. Die vorhandenen Kapazitäten, so wird moniert, würden der Nachfrage nach freien Autoabstellplätzen nicht genügen. Auf dem Seifi-Areal und im Erlengut sei manchmal kein freies Parkfeld auszumachen.

Wie schwierig ist es tatsächlich, auf dem Stadtgebiet einen freien Platz für sein Auto zu finden? Recherchen der az haben gegenüber der öffentliche Wahrnehmung ein differenziertes Licht auf die Park-Situation in der Bezirkshauptstadt gezeigt.

Laut Auskunft der Regionalpolizei stellen öffentliche und private Betreiber auf dem gesamten Stadtgebiet zusammen gut 1900 Parkplätze zur Verfügung. Der Anteil beider Parteien beträgt ungefähr je die Hälfte. Hinzukommen rund 30 Kurzzeit-Parkplätze in der blauen Zone in der Innenstadt.

Wer rasche Einkäufe in der Innenstadt erledigen muss, kann hier das Auto für eine halbe Stunde kostenlos abstellen. Nicht enthalten sind die Parkflächen beim Lenzo-Park, die nur im Zusammenhang mit einem Besuch benutzt werden können.

Im Vergleich: Aarau bietet rund 3900 gebührenpflichtige Parkfelder für die öffentliche Parkierung an. «Schätzungsweise 1800 sind öffentliche Parkplätze in den Quartieren, bei denen mit Parkscheibe bis drei Stunden oder mit einer Parkbewilligung parkiert werden darf», heisst es bei der Stadtpolizei Aarau. Nicht berücksichtigt sind in diesen Angaben ebenfalls die Parkhäuser, welche nicht generell öffentlich zur Verfügung stehen, sondern nur in Zusammenhang mit einem Besuch.

Mit andern Worten: Lenzburg ist mit dem aktuellen Parkplatz-Angebot vergleichsweise gut aufgestellt. Das Problem ist offenbar woanders zu suchen. In einem Interview liess Stadtplanerin Helen Bisang kürzlich verlauten, Automobilisten würden die unterirdischen Parkmöglichkeiten meiden (az 13.1.). Diese Feststellung wird von der Regionalpolizei Lenzburg (Repol) nun gestützt. «Das Parkieren in den Tiefgaragen ist unbeliebt.

«Das war seinerzeit schweizweit ein Novum. Lenzburg war die erste Stadt, mit welcher die Migros ein derartiges ParkAbkommen abgeschlossen hat.»

Markus Basler, Regionalpolizei Lenzburg

«Das war seinerzeit schweizweit ein Novum. Lenzburg war die erste Stadt, mit welcher die Migros ein derartiges ParkAbkommen abgeschlossen hat.»

Obwohl die Parkhäuser nicht voll belegt sind, wollen viele Autofahrer lieber nicht dorthin fahren», sagt Markus Basler von der Repol. Lieber würde man das Auto wild abstellen. Der dafür kassierte Bussenzettel hingegen komme bei den Automobilisten gar nicht gut an. Deren Kritik: Es mangle an Parkplätzen.

Zuwenig oberirdische Plätze

Tiefgaragen geniessen in Lenzburg also keinen guten Ruf. Weshalb das so ist, kann Markus Basler auch nicht abschliessend erklären. Einen möglichen Grund sieht er darin, dass die oberirdischen Parkkapazitäten in der Stadt lange Zeit ausgereicht hätten. Und: «In einer Kleinstadt sind sich die Automobilisten an oberirdische Parkplätze gewohnt», weiss er aus Erfahrung. Diese Zeiten seien jedoch vorbei.

«Der Bürger muss zur Kenntnis nehmen, dass die Parkkapazitäten im gewünschten Ausmass an der Oberfläche nicht mehr verfügbar sind.»

Das grösste oberirdische Parkvolumen hat es beim Bahnhof. Das Park-und-Ride der SBB umfasst 277 Plätze. Dann folgen die Parkings bei der Katholischen Kirche, beim Schloss und beim Schwimmbad mit je rund 80 Plätzen. In unmittelbarer Gehdistanz zur Altstadt sind das Seifi-Areal mit 52 Plätzen, das Erlengut mit 32 Plätzen und der Kronenplatz mit 28.

Über die Stadt hinweg verteilt gibt es viele Parkflächen mit unterschiedlichen Parkkapazitäten (siehe Grafik). Am Artikelende findet sich ein direkter Link zur Karte auf der Plattform «GeoProRegio». Mit einem Klick auf die bezeichnete Fläche erscheint ein Popup-Fenster mit Angaben zum Parkplatz und den vorhandenen Parkkapazitäten.

Spezialdeal mit Migros

Über das grösste Parkangebot an einem Ort verfügt das Parkhaus der Berufsschule Lenzburg mit 350 Plätzen direkt beim Autobahnzubringer. Parkanlagen hat es im Gleis 2 und bei den Grossverteilern. Eine spezielle Vereinbarung hat die Stadt Lenzburg vor mehr als zehn Jahren mit der «Müli-Märt»-Besitzerin Migros getroffen. Ausserhalb der Ladenöffnungszeiten können 170 Abstellplätze im ersten Untergeschoss im «Müli-Märt» benutzt werden.

«Das war seinerzeit schweizweit ein Novum. Lenzburg war die erste Stadt, mit welcher die Migros ein derartiges Park-Abkommen abgeschlossen hat», sagt Basler. Die Stadt sei froh um diese Parkmöglichkeit mitten im Zentrum. «An grösseren Festen wie dem Jugendfest und die damit verbundenen Veranstaltungen wird das Parking rege benutzt.»

Progressive Parkgebühren

Die erlaubte Parkzeit ist an den einzelnen Orten unterschiedlich lang. Doch was die Parkgebühren anbelangt, so gibt es laut Basler eine relativ einheitliche Regelung. «Die von der Stadt bewirtschafteten Parkflächen haben einen einheitlichen Tarif von 80 Rappen pro Stunde. Die privaten Betreiber verlangen etwas mehr.»

Die Kosten für den Parkplatz steigen überproportional an, je länger er belegt bleibt. Das kann ganz schön ins Geld gehen. Wer sein Auto beispielsweise auf der «Seifi» parkiert, bezahlt schon nach vier Stunden sieben Franken, fünf Stunden kosten bereits zehn Franken. Über den Preis wird also ein rigoroses Parkplatz-Management betrieben, um dem Dauerparkieren einen Riegel zu schieben. Polizist Markus Basler bestätigt: «Wir wollen keine Dauerbesetzung der Parkfelder.»

Für die Regionalpolizei ist klar: Lenzburg hat keine Parkplatzsorgen. Es ist ein hausgemachtes Problem der betroffenen Automobilisten. Deshalb ist man bei der Repol überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch die Parkhäuser besser besetzt sind. «Anfangs hat es bei allen neu geschaffenen unterirdischen Parkings geharzt mit der Belegung», weiss Polizist Basler aus langjähriger Erfahrung.

Hier finden Sie detaillierte Angaben zur Parkplatzkapazität in Lenzburg.