Auf dem Prüfstand

Verband Lebensraum Lenzburg Seetal bekommt Gegenwind - Fragen nach dem Nutzen für die eigene Gemeinde stehen im Fokus

LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz (r.) mit seinem Stellvertreter und möglichen Nachfolger Markus Schenk.

LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz (r.) mit seinem Stellvertreter und möglichen Nachfolger Markus Schenk.

Die Mitglieder des Lebensraums Lenzburg Seetal stellen den Nutzen für die eigene Gemeinde ins Zentrum des Interesses.

Der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) ist auf dem Prüfstand. Ausgelöst durch eine Anfrage der FDP im September im Einwohnerrat Lenzburg haben sich weitere Gemeinden mit Fragen an die LLS-Geschäftsstelle gewandt. Es scheint nicht überall klar zu sein, was mit dem Fünfliber pro Einwohner passiert, den die 26 Verbandsmitglieder jedes Jahr bezahlen. Dabei lässt sich der LLS-Vorstand, in dem alle Verbandsgemeinden vertreten sind, in vierteljährlichen Sitzungen über die laufenden Aktivitäten informieren. Zu den konkreten Anliegen der Mitglieder, sagt LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz: «Die Fragen drehen sich hauptsächlich um den Nutzen für die eigene Gemeinde.»

Der verschiedentlich geforderte Leistungsausweis des Gemeindeverbandes war auch an der Lebensraum-Vorstands­sitzung am Mittwoch in Staufen ein Thema. In einem vierseitigen Papier beantwortete der LLS eine Anfrage der Finanzkommission der Gemeinde Seengen. Seengen hatte an der Wintergmeind 2012 den Beitritt zum LLS entgegen dem Antrag des Gemeinderats beschlossen.

Lebensraum-Vorgänger ist Regionalplanungsverband

Der LLS differenziert in seiner Tätigkeit zwischen Pflicht­aufgaben und den selbstständig definierten Wirkungsfeldern, der Kür. Zur Pflicht gehört die Raum- und Regionalplanung (der LLS ist aus dem früheren RegionalplanungsverbandLenzburg-Seetal entstanden).

Der Kürteil wird angeführt von der Standort- und Wirtschaftsförderung. «In diesem Bereich machen wir extrem viel», hält Kyburz fest. «Wir agieren nach dem Motto ‹In der Region für die Region› und tun unser Möglichstes, um alle 26 Verbandsgemeinden ins Boot zu holen.» Konkret heisse das: «Wenn Firmen sich in der Region ansiedeln möchten, so geht der LLS nicht einfach direkt auf einzelne Gemeinden zu, sondern deponiert die Anfrage bei verschiedenen Mitgliedern.» Kyburz betont, dass der LLS sich mit diesem Vorgehen von anderen Gemeindeverbänden im Kanton besonders hervorhebe. «Das wurde uns auch von der kantonalen Standortförderungsstelle, Aargau Services, verschiedentlich zurückgespiegelt.»

Fakt ist: Der Konkurrenzdruck im Kanton ist gross. Die Geschäftsstelle des Gemeindeverbands hält in ihrem Leistungsnachweis denn auch fest: «Kernaufgabe ist es, die Region zu stärken, Wertschöpfung in der Region zu halten und zu generieren und die Region Lenzburg Seetal zwischen den starken Polen Aarau, Baden, Brugg und Zofingen optimal zu positionieren, auch gegenüber dem Kanton.»

Im Antwortschreiben an die Gemeinde Seengen sind über dreissig Projekte aufgeführt (Liste laut Kyburz nicht abschliessend), welche der LLS initiiert und realisiert oder mitunterstützt hat. Im laufenden Jahr haben jedoch verschiedene Anlässe coronabedingt wieder abgesagt werden müssen.

Die Beantwortung der hängigen Anfrage der FDP Lenzburg ist für die Einwohnerratssitzung am 3. Dezember traktandiert.

Geschäftsführer Jörg Kyburz geht Ende 2021

Die Geschäftsstelle des Gemeindeverbands ist mit total 150 Stellenprozent ausgestattet. Diese sind derzeit aufgeteilt auf je 60 Prozent für Geschäftsführung und Standortmarketing sowie 30 Prozent für das Sekretariat. An der Vorstandssitzung sind Änderungen angekündigt worden: Jörg Kyburz, welcher den LLS seit der Gründung 2013 führt, hat auf Ende 2021 seinen Rückzug angekündigt. Vorerst wird er ab 1. Januar sein Pensum auf 40 Prozent reduzieren. Die frei werdenden Stellenprozente übernimmt Markus Schenk, der seit dem 1. Juni als Standortförderer und Geschäftsführer-Stellvertreter für den LLS tätig ist. Schenk hat zudem Interesse an Kyburz’ Nachfolge als Geschäftsführer signalisiert.

Meistgesehen

Artboard 1