Lenzburg

Verkehrsdatenerhebung: Kantischüler zählen besser als Maschinen

Der Kanton Aargau will in den nächsten Jahren mehrere Verkehrsprojekte im Raum Lenzburg umsetzen. Dafür müssen die Verkehrsdaten erhoben werden. Dazu braucht es flinke Augen und wetterfeste Kleidung.

In ihrer gelben Leuchtweste zieht sie die Blicke der Autofahrer auf sich. Die meisten beäugen sie argwöhnisch. Manchmal hupt einer, aus einem Lieferwagen versuchen gleich zwei Handwerker, die Aufmerksamkeit der Kantischülerin auf sich zu ziehen. Doch Andrea Papp hat keine Zeit für eine Reaktion.

In ihrer Hand hält sie ein Klemmbrett, mit einem Bleistift macht sie einen Strich für jedes Fahrzeug, das an der Kreuzung den Weg nach Schafisheim einschlägt. Auch Fussgänger würde sie erfassen, doch der entsprechende Fussgängerstreifen ist noch abgesperrt. Glück für Andrea Papp, ein Ort weniger, auf den sie aufpassen muss. An der Kreuzung zwischen Jumbo und der Verteilerzentrale von Coop sind vier Personen im Einsatz, eine für jede Richtung.

Montag ist kein Durchschnittstag

Der Kanton Aargau will in den nächsten Jahren mehrere Verkehrsprojekte im Raum Lenzburg umsetzen. Von Anfang März bis zur Karwoche führt das Ingenieurbüro Ballmer und Partner AG für das Departement Bau, Verkehr und Umwelt Verkehrsdatenerhebungen durch. Jeweils morgens zwischen 7 und 8 Uhr und abends zwischen 17 und 18 Uhr sind bis zu 19 Zähler an strategisch wichtigen Punkten stationiert.

Dienstag bis Donnerstag wird gezählt, Montag und Freitag sind keine Durchschnittstage, wie Thomas Isenring, Projektleiter bei Ballmer und Partner AG, erklärt: «Am Freitag ist die Spitzenstunde am Abend eine Stunde früher, am Montag gibt es andere Verkehrsbewegungen, da die Wochenpendler direkt aus dem Wochenende zur Arbeit kommen.»

Der Wind ist an diesem Abend eisig kalt, Andrea Papps Hände sind rot. «Ich habe die Handschuhe im Auto vergessen», erklärt sie. Sie ist zum ersten Mal als Zählerin dabei. Isenring steht mit dicker Jacke und Mütze ebenfalls an der Kreuzung. «Das erste Mal sind sie jeweils noch nicht richtig angezogen», sagt er. Diesen Fehler wird die Kantischülerin sicher nicht wiederholen. Immerhin muss sie an diesem Abend nur eine Stunde in der Kälte stehen.

Nicht alle Fahrzeuge werden von Menschenauge gezählt. Zählgeräte zählen an verschiedenen Stellen während zweier Wochen vierundzwanzig Stunden jedes Fahrzeug. Auch Ampeln mit eingebauten Detektoren zählen Bewegungen. Doch sie können weder zwischen Autos, Lastwagen und anderen Fahrzeugtypen unterscheiden, noch können sie verfolgen, in welche Richtung ein Auto nach dem Rotlicht abbiegt.

Hier kommen die menschlichen Zähler ins Spiel. Diese müssen auch bei grossem Verkehrsaufkommen einen kühlen Kopf bewahren. Meistens sind es Bezler oder Kantischüler, die sich so etwas dazuverdienen. «Wir haben auch schon Senioren eingesetzt, aber mit den Schülern funktioniert es am besten», erklärt Isenring.

Gezählt wird auch bei Regen

Ampeln sind für die Zähler einfacher als Kreisel, da nie alle gleichzeitig fahren können. Auch Kreuzungen ohne Ampeln verlangen höchste Konzentration. Die Kälte ist unangenehm, noch schlimmer wäre Regen. «An manchen Orten können die Zähler im Auto sitzen, hier geht das aber nicht.»

Doch Isenring hat vorgesorgt, seine Zähler schreiben auf wasserfestes Spezialpapier. Viele Autofahrer fühlen sich von den Zählern ertappt. «Es kommt oft vor, dass sich jemand beim Anblick der Zähler noch schnell angurtet oder das Handy aus der Hand legt», erzählt Isenring.

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