Porträt

Von Niederlenz nach Bern und in die Welt: Eine Diplomatin erzählt, wie sie zu ihrem Traumberuf kam

Diplomatin Christine Büsser Mauron auf der Bundesterrasse in Bern.

Diplomatin Christine Büsser Mauron auf der Bundesterrasse in Bern.

Christine Büsser Mauron erklärt, wie sie Diplomatin wurde und warum sie nicht immer im Ausland arbeitet.

Am Bahnhof Bern wuseln die Leute durcheinander, wie soll man da die Gesprächspartnerin finden, von der man nicht weiss, wie sie aussieht? Die Sorge ist völlig unbegründet, man sieht es Christine Büsser Mauron an, dass sie es ist. Sie strahlt Souveränität aus unter der grossen Anzeigetafel. Die Diplomatin trägt einen dunkelblauen Blazer zum hellen Oberteil. Durchaus bürotauglich, aber nicht verkrampft. So fühlt sich auch das Gespräch mit Christine Büsser an. Die Aargauerin ist in Niederlenz aufgewachsen und hat an der Neuen Kanti in Aarau die Matur absolviert – neusprachliches Profil. Spanisch habe ihr noch gefehlt, weshalb sie nach der Matur einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Costa Rica verbracht hatte. Dieser Auslandsaufenthalt habe ihr Reisefieber und ihr Interesse für andere Kulturen und Länder geweckt. 

Zurück in der Schweiz studierte Büsser Mauron an der Universität Basel Soziologie mit Schwerpunkt Entwicklungs- und politische Soziologie. Eine genaue Vorstellung von einem späteren Beruf hatte sie damals noch nicht. «Etwas im internationalen Kontext.» Um praktische Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit zu sammeln, engagierte sich Christine Büsser Mauron studienbegleitend in einer in Indien tätigen NGO. Im Anschluss an ihr Studium kam sie während eines Praktikums beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) im Bereich Menschenrechtspolitik zum ersten Mal mit der Diplomatie in Kontakt. Nach einem Abstecher in die Wirtschaftsförderung absolvierte und bestand sie 2006 selbst den Concours Diplomatique, das Eintrittsverfahren in die diplomatische Laufbahn EDA.

Im ersten Jahr werden die Jungdiplomaten als Auszubildende auf eine Schweizer Vertretung geschickt. Büsser Mauron trat die Reise an – nach Genf. Etwas enttäuscht sei sie über diese Platzierung im Inland zunächst gewesen. Doch das hatte auch Vorteile. «Dank meinem Einsatz auf der Schweizer Mission bei der UNO und der Efta/WTO habe ich die multilaterale Arbeit kennen gelernt und Einblick in über 15 UNO- und internationale Organisationen erhalten. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte», sagt Christine Büsser Mauron.

Stellvertretende Missionschefin in Kolumbien

Von 2008 bis 2011 – just nachdem die Schweiz zum Schengen-Raum stiess – war Christine Büsser Mauron im damaligen Integrationsbüro EDA/EVD für Schengen/Dublin-Fragen zuständig. «Das war eine sehr spannende Zeit», sagt sie. «Nicht zuletzt, weil die Schweiz im Rahmen ihrer Schengen-Assoziation in Brüssel mitreden kann.» Und es sei für sie als junge Diplomatin nützlich gewesen, in Bern zu sein. «So lernt man den Betrieb kennen und kann sich ein breites Netzwerk aufbauen», sagt sie. Mitte 2011 verliess sie die Schweiz und wurde erste Mitarbeiterin der Botschaft in Vietnam. «Etwas ganz anderes, geografisch wie thematisch», sagt sie. Die Schweiz zähle zu den wichtigeren Investoren aus Europa in Vietnam und unzählige Schweizer Firmen seien im südostasiatischen Land aktiv. Christine Büsser Mauron war entsprechend viel mit Themen im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen und der wirtschaftlichen Interessenwahrung beschäftigt. Den Faden, den sie dort gesponnen hatte, konnte sie bei ihrer nächsten Station in Bern wieder aufnehmen: Büsser Mauron wurde 2015 vom EDA ans Seco, das Staatssekretariat für Wirtschaft, ausgeliehen und hat dort die letzten vier Jahre das Ressort bilaterale Wirtschaftsbeziehungen mit Asien/Ozeanien geleitet. «Ich hätte mir keinen interessanteren und abwechslungsreicheren Posten vorstellen können», sagt sie. In dieser Zeit hat sie zudem eine Ausbildung in Wirtschaftsdiplomatie aufgebaut, welche seither fester Bestandteil der Grundausbildung der Jungdiplomatinnen im EDA ist. Spätestens an diesem Punkt im Lebenslauf hätten andere Mühe, sich das Aufschneiden zu verkneifen – oder würden ihm freien Lauf lassen. Christine Büsser Mauron erzählt jedoch von Niederlenz bis Vietnam und Bundesbern im gleichen Ton; herzlich und beherrscht zugleich. Eine welt- und wortgewandte Frau. Peinliche Auftritte oder Sprachpatzer auf dem diplomatischen Parkett dürften nicht zu ihrem Repertoire gehören. Wenn sie über ihre Arbeit spricht, tut sie das mit Begeisterung. Privates gibt sie nur ungern preis. 

Ende Juli wird Christine Büsser Mauron erneut ins Ausland versetzt, und zwar als stellvertretende Missionschefin auf einer Botschaft. Die luftigen Sommerkleider, die sie momentan in Bern trägt, wird sie nicht brauchen. «In Bogotá herrscht ewiger Herbst», beschreibt sie das Klima der auf 2600 Meter über Meer gelegenen Hauptstadt Kolumbiens in der Nähe des Äquators. Die sommerlichen Temperaturen wird sie vermissen sowie den Schweizer Käse. «Aber die Freude an meiner vielseitigen Arbeit am Puls der Schweizer Aussenpolitik überwiegt», sagt sie. «Diplomatin ist mein Traumberuf.»

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