Müllerhaus

Warum die Vorbilder von Eva Furrer aus dem Tierreich stammen

Eva Furrer und Kater Herr Furrer machen sichs am warmen Ofen gemütlich.  HH.

Eva Furrer und Kater Herr Furrer machen sichs am warmen Ofen gemütlich. HH.

Bilder und Installationen von Eva Furrer und Werner Frey sind bis zum 13. November im Müllerhaus ausgestellt. Vor der Ausstellung spricht die Künstlerin über ihre Vorbilder und Träume.

Hoch über dem Seetal in der ländlichen Idylle von Retterswil wohnt Eva Furrer mit ihrer grossen vierbeinigen Familie. Zum Haushalt im alten Bauernhof gehören die Esel Belinda und Anna, das Pony Elka, die beiden Katzen Freja und Herr Furrer sowie acht Schildkröten. Sie und die Kühe in der Nachbarschaft sind das Vorbild für ihre künstlerische Tätigkeit.

Trotz oder gerade wegen ihrer ausgeprägten Tierliebe porträtiert sie alles, was ringsum kreucht und fleucht, allerdings nicht naturgetreu, der «Jöööh-Effekt» geht ihren Bildern völlig ab. Vielmehr personifiziert und karikiert sie die Vierbeiner mit hintergründigem Humor. Das ist ihre feine ironische Art, mit Tiergeschichten, absurden Situationen, köstlichen Szenen und überraschenden Sequenzen den Betrachter nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken über unseren Umgang mit Fauna und Flora zu veranlassen.

Erblich belastet

Dieser Zugang und die zeichnerische Umsetzung kommen nicht von ungefähr. Eva Furrer ist die Tochter des bekannten Cartoonisten Jürg Furrer, langjähriger Mitarbeiter der Aargauer Zeitung («Muck» lässt grüssen). In Seon ist sie in einem wahren Familienzoo aufgewachsen und hat ihrem Vater im Atelier oft bei der Arbeit zugeschaut und geholfen. Natürlich hat sie ihre eigene «Handschrift» entwickelt und vorerst einen anderen, kreativen Beruf erlernt.

Zwar präsentiert Eva Furrer in der Keller-Galerie des Müllerhauses erst ihre zweite öffentliche Ausstellung, doch ist sie in Lenzburg schon seit Jahren mit ihren Werken präsent. Als Dekorationsgestalterin betreut sie regelmässig die Schaufenster der Römer-Apotheke sowie weiterer Apotheken, etwa in Seengen und Zürich Stadelhofen.

Kinderbücher mit Tiergeschichten

Deren Vitrinen fallen durch originelle Produkte-Präsentation in Kombination mit tiefgründigen Texten auf – wahre kleine Gesamtkunstwerke im öffentlichen Raum. Zusammen mit ihrem kürzlich verstorbenen Lebens- und Geschäftspartner Werner Frey hat sie auch die bevorstehende Ausstellung vorbereitet.

Neben Bildern und ganz neuen faszinierenden Collagen mit italienischen Dekorationspapieren haben auch Kinderbücher einen grossen Stellenwert in Eva Furrers Schaffen gewonnen. Was als Geschenk zur Geburt des Gottenkindes begann, hat sich zu einer Fortsetzungsgeschichte über die Abenteuer der Vierbeiner-Familie Furrer entwickelt. Was Esel, Pony, Katzen, Küngel, Kühe, Schildkröten, Hühner und andere schräge Vögel erleben, ergötzt nicht nur kleine Betrachter, sondern erheitert auch erwachsene Erzähler. Die im Eigenverlag publizierten Bilderbücher liegen im Müllerhaus auf.

Den Kontrapunkt zu den oft etwas chaotischen kunterbunten Konterfeis von Eva Furrer bilden die schwarz-weissen Lithografien von Werner Frey, akribisch naturgetreue Darstellungen, sowie Holzskulpturen aus seinem Nachlass. Seine erste öffentliche wird leider gleichzeitig zur Gedenkausstellung.

Müllerhaus Lenzburg: Werke von Eva Furrer und Werner Frey. Vernissage: Dienstag, 1.November, 18.30 Uhr. Donnerstag/Freitag, 17 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Finissage: Sonntag, 13. November, 10 bis 13 Uhr.

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