Alterszentrum Obere Mühle

Warum Leiter Hunziker das «Mülikafi» schloss und welcher Politiker ihn ärgert

«Die Zeit der  Empfehlungen ist seit zehn Tagen  vorbei. Jetzt braucht es klare Regeln,  die für alle gelten.» Michael Hunziker, Leiter Alterszentrum

«Die Zeit der Empfehlungen ist seit zehn Tagen vorbei. Jetzt braucht es klare Regeln, die für alle gelten.» Michael Hunziker, Leiter Alterszentrum

Der Leiter des Lenzburger Alterszentrums Obere Mühle Michael Hunziker spricht über die Bewältigung der Corona-Krise und seine Massnahmen. Dabei äussert er auch Kritik.

Als das Lenzburger Alterszentrum Obere Mühle am Montag, kurz vor dem Mittagessen, als Massnahme gegen das Corona-Virus das Restaurant Mülikafi für Besucher schloss, sorgte das da und dort für Verunsicherung. Zentrumsleiter Michael Hunziker betont jedoch: «Es ist alles in Ordnung. Wir haben keine Corona-Fälle. Was wir jedoch haben, sind rigorose Massnahmen zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner gemäss den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit.» Dies, so sagt Hunziker, habe man erst gerade im Herbst in einer Notfallschulung durchgespielt.

Kein Vorbeikommen am Desinfektionsspender

Konkret heisst das: Das «Mülikafi» darf vorerst nur noch vom arbeitenden Personal und den Bewohnern genutzt werden. Besucher sind im Alterszentrum nur noch erlaubt, wenn sie in den Bewohner-Dossiers als Bezugspersonen aufgeführt sind. «Wir wollen die Besucherströme möglichst klein halten», erklärt Hunziker. «Der Empfang ist doppelt besetzt. Wer meint, am Desinfektionsmittelspender vorbei laufen zu müssen, wird freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Händedesinfektion bei uns jetzt obligatorisch ist.»

Was das Personal angeht, so müssen Mitarbeitende des Alterszentrums, die Symptome einer Erkrankung aufweisen, sofort den Hausarzt anrufen und explizit ihren Arbeitsort erwähnen. «Wir haben bereits zwei Mitarbeitende auf Corona testen lassen», sagt Hunziker. «Zum Glück waren beide negativ.» Auch ein Bewohner sei negativ getestet worden.

Protestiert habe niemand gegen diese Massnahmen, die Bewohnerinnen und Bewohner seien sogar sehr verständnisvoll. Und spätestens seit die AZ am Mittwoch berichtete, dass in einem Wettinger Altersheim eine Mitarbeitende am Corona-Virus erkrankte und die ganze Station separiert werden musste, sei allen klar, dass die Massnahmen nötig seien.

Kritik an Regierungsrat Jean-Pierre Gallati

Was Michael Hunziker derzeit «wirklich aufregt», sind «inflationäre Sammlungen von Empfehlungen»: «Die Zeit der Empfehlungen ist seit zehn Tagen vorbei. Jetzt braucht es Regeln, und zwar klare Regeln, die für alle gelten.» Dass der Vorsteher des Departements Gesundheit, Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, dem Bund mit einem Vorpreschen in Sachen Quarantäne-Pflicht «in den Rücken gefallen» sei, hält der Zentrumsleiter für «illoyal». Auch habe er festgestellt, dass der Kanton und die Spitäler «noch am Finden einer richtigen Sprachregelung sind»: Eine der Alterszentrumsmitarbeitenden sei nämlich abgewiesen worden, als sie auf dem Notfall des Spitals um einen Corona-Test bat, weil sie Symptome zeigte und keine Bewohner anstecken wollte.

Grundsätzlich findet Hunziker jedoch: «Wir können relativ normal weiterleben, und das sollen wir auch tun. Es gibt Einschränkungen, die halt einfach hinzunehmen und Regeln, die zu befolgen sind. Ich musste beispielsweise auch auf meine geliebte Fasnacht verzichten», sagt der Baselbieter.

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