Klimawandel

Was macht eigentlich die Klimabewegung? – Ein Aargauer Aktivist über Corona und das Klima

Über 1,5 Millionen Klimastreikende gingen am 15. März 2019 weltweit auf die Strasse.

Über 1,5 Millionen Klimastreikende gingen am 15. März 2019 weltweit auf die Strasse.

Es sind schwierige Zeiten in der Schweiz – auch für die Klimabewegung. Letztes Jahr wurde beinahe jede Woche demonstriert. Aktuell ist das nicht möglich. Der Seenger Jonas Meier erklärt, warum das bedauerlich ist und worin er Chancen sieht.

Sich öffentlich für das Klima einzusetzen, ist im Moment gar nicht so einfach, wie es scheint. Versammlungen mit mehr als 5 Personen sind nach wie vor verboten. Das mussten beispielsweise auch die Klimaaktivisten am Dienstagnachmittag erfahren, als sie auf dem Bernexpo-Gelände für ihre Anliegen demonstrieren wollten. Die Polizei wies die ungefähr 20 Personen umgehend weg.

Etwas erfolgreicher verlief die Protestaktion der Aargauer Klimajugend letzte Woche. Sie zogen zu fünft, mit Maske und zwei Metern Abstand in einer Minidemo durch Baden. Zentrales Anliegen war der Protest gegen die Milliardenkredite für Schweizer Luftfahrtgesellschaften

Letztes Jahr war die Situation noch ganz anders. Hunderttausende gingen weltweit auf die Strasse, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Auch in Schweizer Städten wurde regelmässig protestiert. Die Schüler und Studierenden der «Fridays for Future»-Bewegung bestimmten wochenlang die Schlagzeilen. Letztlich hatte die Klima-Debatte sogar Auswirkungen auf die Nationalratswahlen im Herbst, bei denen vor allem die grünen Parteien deutlich zulegen konnten.

Plakate und Glocken für das Klima

Derzeit sind Grossveranstaltungen oder Klima-Demonstrationen nicht möglich. Der für den 15. Mai geplante nationale Streik- und Aktionstag «Strike for Future» wurde abgesagt. Die Planung für diesen Tag scheint allerdings so weit fortgeschritten, dass die Aktion wohl an einem anderen Datum nachgeholt wird.

Ersatzweise soll es nun am 15. Mai die «Challenge for Future» geben. Dort sollen die Teilnehmenden sogenannte Challenges bewältigen und dann mit der Aussenwelt teilen. Das könnte beispielsweise ein gemaltes Plakat sein, dass man an den Balkon hängt, oder ein Social-Media-Post, der dazu ermutigt sein Geld klimafreundlich anzulegen. Die genauen Challenges und deren Ablauf wurden von den Veranstaltern noch nicht kommuniziert.

Dazu wird es um 11:59 Uhr einen Klima-Alarm geben. Das soll ähnlich ablaufen wie der Applaus für Ärzte und Pflegepersonal, nur dass die Teilnehmenden mit Lärm auf die Klimakrise  aufmerksam machen wollen. Inwiefern das seine Wirkung entfalten kann, wird sich zeigen. Immerhin haben bereits ein halbes Dutzend Kirchgemeinden zugesagt, das Anliegen mit Glockenläuten zu unterstützen. Dazu wird es im Aargau wieder kleine Minidemos, wie die in Baden, geben.

«Was brauche ich wirklich?»

Die Situation ist aus Sicht der Klimabewegung also alles andere als einfach. «Das ist bedauerlich», findet Jonas Meier aus Seengen. Der 23-Jährige ist aktives Mitglied in der Regionalgruppe Aargau der Klimastreik-Bewegung. «Aktuell sind einfach weniger Aktionen möglich», so Meier. Er sei zwar kein offizieller Sprecher, habe aber dennoch festgestellt, dass die Dynamik weiterhin vorhanden sei. Seit die meisten Treffen online abgehalten würden, habe er sogar eine leichte Zunahme der Teilnehmer feststellen können.

Jonas Meier (23) engagiert sich aktiv für die Klimabewegung.

Jonas Meier (23) engagiert sich aktiv für die Klimabewegung.

«Die Coronakrise hat unsere Sicht auf Probleme einfach stark eingeschränkt», sagt Jonas Meier. Globale Herausforderungen wie der Klimawandel würden dabei einfach hintenangestellt. Trotzdem sieht Jonas Meier in der Krise auch eine Chance. «In den letzten Wochen war viel Zeit, um sich zu überlegen: Was ist mir wichtig? Was brauche ich wirklich?» Möglicherweise habe sich bei manchen Menschen auch der persönliche Zugang zur regionalen Natur verändert.

Es sei vieles möglich, sagt Meier überzeugt, wenn man als Gesellschaft Dinge gemeinsam anpacke. Die Wirtschaft müsse nach dem Lockdown wieder hochgefahren werden. Aber, so fragt er: «Kann man das nicht auf nachhaltige Weise tun?»

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