Bei einem Herzstillstand verringert jede Minute, die ohne Behandlung verstreicht, die Chancen für eine erfolgreiche Reanimation um zehn Prozent. Doch: Oft wissen Helfer gar nicht, ob sich ein solches Gerät überhaupt in der Nähe befindet. Wir haben in den Gemeinden der Region Lenzburg-Seetal nachgefragt, wer über wie viele öffentlich zugängliche Defibrillatoren verfügt.

Seon ist vorbildlich

Spitzenreiter ist Seon: Die Gemeinde hat über zehn automatische externe Defibrillatoren (AED) im Dorf, die öffentlich zugänglich sind. «Hilfe kann nicht schnell genug da sein», sagt Ramona Hinteregger, Leiterin Einwohnerdienste. So kam es in der bevölkerungsmässig drittgrössten Gemeinde des Bezirks zu zwei Situationen, in denen ein Defibrillator benötigt wurde. Trotzdem kam in einem Fall jede Hilfe zu spät. Seon schaffte daraufhin zwei weitere öffentlich zugängliche Defibrillatoren an. Die drei AEDs bei der Schnitzelheizung, dem Bauamt und der katholischen Kirche sind 24 Stunden pro Tag zugänglich, die übrigen sieben während der Öffnungszeiten des jeweiligen Standortes.

Zudem erarbeitet Seon auf Wunsch der Bevölkerung ein Defibrillatoren-Konzept. Der zuständige Gemeinderat Markus Rihner führte dazu Gespräche mit einem Arzt und dem Samariterverein Seon. Dabei kam heraus: «Nur mit den Geräten ist es nicht getan», sagt Rihner. «Es braucht auch Menschen, die sich in einer Notlage richtig verhalten und bereit sind, den Defi einzusetzen.» Der Samariterverein biete ausgezeichnete Kurse dafür an, sagt er.

First-Responder-Gruppen

Fast genau so viele kleine Lebensretter wie in Seon sind auch in Möriken-Wildegg zu finden. Die 4437 Einwohner starke Gemeinde verfügt über neun öffentlich zugängliche Defibrillatoren. Doch: Nur jener bei der katholischen Kirche ist rund um die Uhr benutzbar. Dafür setzt die Gemeinde zusammen mit Holderbank (zwei AEDs) und Niederlenz (drei AEDs) auf Menschen als Lebensretter: Seit Anfang Jahr besteht die zwölf Mitglieder zählende First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Chestenberg und des Samaritervereins Lenzburg und Umgebung. Sie ist direkt mit der kantonalen Notrufzentrale verbunden und rückt bei den vier Einsatzstichworten «Bewusstlosigkeit», «Brustschmerzen», «Atemnot» und «leblose Person» aus. Jeder First Responder bringt seinen Notfallrucksack mit diversem Material, inklusive AED, zum Einsatzort mit.

Ein «Defi» alleine hilft nicht

In den vergangenen drei Monaten hatte die Gruppe bereits 18 Einsätze. Leiterin Elvira Schärer: «Unsere Aufgabe ist es primär, die Minuten bis zum Eintreffen der Ambulanz zu überbrücken, bereits mit lebenserhaltenden Massnahmen zu beginnen und danach den Patienten dem Rettungsdienst zu übergeben.» Sie sagt aber: «Mit öffentlichen Defis alleine überlebt kein Patient. Herzdruckmassage sowie die Beatmung sind immer noch das Wichtigste.»

In Rupperswil besteht eine ähnliche Gruppe. Dort rückt seit 2016 die Herznotfallgruppe der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein aus. «Das Angebot hat sich sehr gut etabliert», sagt Gemeindeschreiber Marco Landert. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe 28 Einsätze. Zudem verfügt das 5491-Seelen-Dorf über einen AED in der Sporthalle. Selbst in kleinen Gemeinden wie Leutwil (765 Einwohner), Birrwil (1170 Einwohner) und Egliswil (1452) finden sich Geräte. «Leutwil ist ein Dorf mit vielen Vereinen», begründet Gemeindeammann Monika Müller.

Sechs Dörfer ohne Defibrillator

Nur wenige Gemeinden haben keinen öffentlich zugänglichen Defibrillator. In Brunegg und Hendschiken ist keine Anschaffung geplant. Der Gemeinderat in Ammerswil hingegen will die Kosten im Budget 2020 aufnehmen. In Hallwil, Othmarsingen und Dürrenäsch soll eine Anschaffung nächstens wieder zum Thema werden.

Auch der Bezirkshauptort Lenzburg beschäftigt sich mit der weiteren Anschaffung der kleinen Lebensretter. «Wir planen nach und nach, an weiteren Standorten Defibrillatoren anzubringen», sagt Thomas Hofstetter, Leiter Immobilien. Aktuell verfügt die Stadt über sechs AEDs an öffentlich zugänglichen Standorten: im Rathaus, der Mehrzweckhalle, der Dreifachturnhalle Angelrain, dem Hallenbad, der McDonalds-Filiale und im katholischen Pfarreizentrum.