SWL Energie

Wie der Energieversorger die hohen Strompreise in Lenzburg rechtfertigt

Die Strompreise in Lenzburg geben zu reden.

Die Strompreise in Lenzburg geben zu reden.

Nirgends in der Region ist der Strom so teuer wie in Lenzburg. SWL Energie AG-Geschäftsführer Markus Blättler rechtfertigt die hohen Tarife des Energieversorgers.

829 Franken kostet in Lenzburg der Strom für eine 4-Zimmer-Wohnung durchschnittlich im Jahr – so teuer ist der «Pfus» nirgends in der Region. In Dürrenäsch, wo er am günstigsten ist, kostet die gleiche Verbrauchsmenge rund 200 Franken weniger. Die AZ hat die Strompreise in der Gegend kürzlich publik gemacht.

In Lenzburg ist man wenig erbaut über die hohen Tarife. Beim Stromversorger SWL Energie AG liefen in den vergangenen Tagen die Drähte heiss. «Wir haben viele Anfragen erhalten per Mail und auch persönlich», bestätigt SWL-Geschäftsführer Markus Blättler.

Wie erklärt nun die SWL Energie AG die Tarifdifferenzen? Dazu Markus Blättler: «Die SWL setzt bereits heute voll auf die Wasserkraft als Stromerzeuger. Das hat seinen Preis.» Blättler rechnet damit, dass die Preise der günstigeren Anbieter schon bald steigen. Ab kommendem Jahr müssen nämlich alle Energieversorger deklarieren, woher ihr Strom kommt.

«Die Anforderungen der Industrie an die Versorgungssicherheit sind hoch. Davon profitieren auch die Privathaushalte in Lenzburg», sagt Markus Blättler.

«Die Anforderungen der Industrie an die Versorgungssicherheit sind hoch. Davon profitieren auch die Privathaushalte in Lenzburg», sagt Markus Blättler.

Stromnetze nicht vergleichbar

Der Strompreis wird im Wesentlichen von vier Kostenfaktoren bestimmt: Der eigentlichen Energie, den Abgaben für die Nutzung des Netzes und den Abgaben an Bund und Gemeinde. Vieles davon ist streng reglementiert und lässt wenig Spielraum offen. Heute wird der Strom an der Börse gehandelt. Dabei setzt die SWL Energie auf ein dosiertes Risiko und kauft den Strom quartalsweise ein. «Das Strombusiness ist ein hartes Geschäft geworden», sagt Blättler.

Für den etwas höheren Stromtarif in Lenzburg gibt es laut dem SWL-Chef gute Gründe: Der Wichtigste ist die Urbanität mit der Zentrumsfunktion und sowie die ansässige Industrie und das Gewerbe. Laut Blättler lassen sich die Strompreise in einer Zentrumsstadt mit Industrie nicht mit jenen in Dörfern vergleichen, die grossenteils aus Privathaushalten bestehen. «Industrie und Gewerbe», so Blättler «stellen ganz andere, höhere Anforderungen an die Versorgungssicherheit.» Deshalb benötige Lenzburg ein besonders leistungsfähiges Stromnetz. Dazu gehört die Versorgung der meisten Quartiere von mindestens zwei Seiten her. So liessen sich die Kunden beim Defekt einer Stromleitung durch Umschaltungen rasch über eine andere Stromleitung versorgen. «Da der Strom für alle aus der gleichen Leitung kommt, profitieren auch die Privathaushalte davon.» Mit andern Worten: Die im Vergleich höheren Strompreise in Lenzburg sind vor allem durch die höheren Kosten für die Netznutzung bedingt. Sie machen den grossen Unterschied zu den übrigen Energieversorgern der Region aus.

Aus den angeführten Gründen sind auch die Stromnetze die Energieanbieter unterschiedlich aufgebaut. Deshalb lassen sich die Netzkosten unter den Elektrizitätswerken in den Augen Blättlers nicht unbedingt miteinander vergleichen.

Fit für die Zukunft

«In den vergangenen Jahren wurde in Lenzburg viel in die Versorgungssicherheit investiert und ein modernes, sicheres Netz gebaut, erklärt Markus Blättler. Zum Beispiel Trafostationen in den neuen Quartieren Widmi und «Im Lenz» sowie neue Werkleitungen bei laufenden Strassensanierungen. Das Anlagevermögen im Stromnetz der SWL Energie AG beträgt heute 20,1 Mio. Franken. Mit der Liberalisierung wurde das Stromgeschäft in den vergangenen Jahren zusätzlich reglementiert. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Verdienst auf dem Anlagevermögen gesetzlich limitiert wird. Er darf 3,83 Prozent des investierten Kapitals nicht übersteigen. Mit diesem Gewinn gehen laut Blättlers Aussagen nicht alle Stromverteiler gleich um. «Es gibt solche, die geben diesen Ertrag an ihre Kunden weiter», erklärt er. Nicht so die SWL Energie AG. Dort fliesst das Geld in die «Kriegskasse». Einerseits will die Firma Investitionen möglichst aus eigenen Mitteln finanzieren. Andererseits wolle man parat sein für die Veränderungen in der Stromversorgung, welche die Annahme des Energiegesetzes auslösen, begründet Markus Blättler. «Es wird unter anderem durch die steigende Zahl von Solarstromanlagen künftig anspruchsvoller, das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten.» Deshalb investiere die SWL Energie AG bereits heute in entsprechende digitale Technologien. Intelligente Transformatorenstationen, die sich fernsteuern lassen, gehören dazu. Der Bund schreibt zudem vor, dass bis Ende 2027 in jeder Gemeinde mindestens 80 Prozent aller Stromzähler intelligente Stromzähler – Smart Meter – sein müssen. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Energieversorgern, welche die Vorgabe noch nicht erfüllten, sei die SWL Energie AG bereits heute zu 95 Prozent abgedeckt.

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