Lenzburg

«Wir nennen ihn Kabocha»: Der japanische Kürbis erobert die Schweiz

Diesen Kabocha-Kürbis hat Ami Gloor in Suhr, an der Grenze zu Hunzenschwil, gefunden. Die Schale kann man mitessen.

Diesen Kabocha-Kürbis hat Ami Gloor in Suhr, an der Grenze zu Hunzenschwil, gefunden. Die Schale kann man mitessen.

Ami Gloor aus Lenzburg zeigt, was alles im beliebten japanischen Kürbis steckt. Die 28-Jährige ist in Japan in ländlicher Umgebung aufgewachsen, mit fünf Geschwistern und etwa hundert Kürbissen jede Saison.

Den Hokkaido-Kürbis kennen die meisten. Hokkaido heisst auch die nördlichste der Hauptinseln Japans, ergo muss der orange Kerl von dort kommen. Ein gewaltiges Missverständnis. «Diesen Kürbis kennt man bei uns nicht», sagt Ami Gloor. Die 28-jährige Japanerin ist in Hokkaido – der Insel – aufgewachsen. Kürbisse spielen dort eine sehr grosse Rolle. Aber eben nicht der orange, den wir als Hokkaido kennen. Sondern ein Kürbis in Dunkelgrün mit gelbem Fruchtfleisch. Verwandt mit dem orangen Hokkaido, aber noch intensiver im Geschmack. Sein Name macht klar, welche Stellung der wahre japanische Kürbis in seinem Heimatland hat: «Wir nennen ihn Kabocha, das heisst einfach Kürbis.»

Seit etwas mehr als drei Jahren lebt die junge Frau in Lenzburg, sie ist verheiratet und hat einen Sohn. «Den grünen Kürbis hier aufzutreiben, war anfangs nicht so einfach», sagt sie. Doch mittlerweile finde sie ihn auf Höfen in der Umgebung und manchmal auch in der Landi.

Desserts mit Kürbis gehören zum Herbst dazu

Ami Gloor ist in Japan in ländlicher Umgebung aufgewachsen, mit fünf Geschwistern und etwa hundert Kürbissen jede Saison. «Die waren überall», sagt sie und lacht. Als Dekoration und natürlich auch auf dem Teller. Von September bis Februar; der Kabocha lässt sich bei kühlen Temperaturen gut lagern. Verleidet ist er Ami und ihrer Familie nie.

Im Gegensatz zu manchen Schweizer Kochtöpfen, die Kürbis nur als Suppe kennen, hat die japanische Küche zahlreiche Verwendungen für den Kabocha. Und er ist auch der Star in Ami Gloors neustem Projekt: Vor kurzem ist ihr Youtube-Kanal «Famio’s Kitchen» online gegangen. In ihren Videos zeigt sie, wie man traditionelle japanische Gerichte kochen kann. «Es sind Rezepte, die ich von meiner Mutter gelernt habe», sagt sie. «Die sind ganz einfach.»

Da wird man ein wenig misstrauisch. Kann man wirklich ohne Erfahrung in die japanische Kochkunst einsteigen? In einem Video zeigt die Food-­Bloggerin, wie man Mochi macht. Das klebrige Reisküchlein ist ein Klassiker unter den japanischen Desserts. Ami Gloor füllt es saisonal mit Kürbis statt mit den gängigen Azukibohnen. Und es sieht tatsächlich nachmachbar aus. Die ersten Rezept-Videos auf ihrem Kanal sind süss, aber salzige, auch ohne Kürbis, werden folgen.

Das Aussehen ist ebenso wichtig wie der Inhalt

Japan und die Schweiz seien gar nicht so verschieden, sagt Ami Gloor. «Die Leute sind eher reserviert. Doch wenn man auf sie zugeht oder Hilfe braucht, sind sie sehr freundlich.» In Japan ist die Liebe zum Detail und zur Ästhetik gross, auch beim Essen. «Meine Mutter achtet beim Kochen stets darauf, dass es auf dem Teller schön aussieht. Die Farben sollen harmonieren», sagt sie. Das habe nicht nur optische Gründe, so werden auch viele Nährstoffe abgedeckt. Sorgfalt und Anmut sind wichtig, auch bei alltäglichen Tätigkeiten. Ami Gloor sitzt stets mit geradem Rücken, egal auf welchem Stuhl. Ihre Teetasse führt sie mit beiden Händen zum Mund und sie lässt ihr Gegenüber immer ausreden, fällt nicht ins Wort.

Eine Berühmtheit über Japans Grenzen hinaus ist die Bento-Box, die japanische Variante des Tupperwares mit Essen zum Mitnehmen. Hier gelten ebenfalls hohe Standards, das Essen wird kunstvoll angerichtet. Eine Schule, die prägt. «Mir wäre es ein bisschen peinlich, einfach so Reste vom Abendessen abzufüllen», sagt sie.

Das Essen in der Schweiz mag sie. «Nussgipfel scheinen hier sehr wichtig zu sein», sagt sie lachend, das sei ihr gleich aufgefallen. Überall seien diese zuvorderst platziert. In Japan ist im Herbst ein Gebäck mit Kürbispaste als Füllung omnipräsent. Das Video mit der japanischen Antwort auf den Nussgipfel geht bald online.

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