Endlich bringt man sich auch in Lenzburg offiziell in Position. Während das Fricktal und die Region Brugg die politische Debatte längst ausgelöst haben, hat man sich in Lenzburg bisher bedeckt gegeben und sich zu allfälligen Plänen rund um die Suche des Kantons nach zwei zusätzlichen Mittelschulstandorten kaum verlauten lassen.

Auf Anfrage der AZ hat der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) nun publik gemacht, dass aus der Region «mehrere Standorte in vier Gemeinden zur Überprüfung» nach Aarau gemeldet worden sind. Bis Ende Januar hatte man Zeit gehabt, dem Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) mögliche Areale bekannt zu geben. Welche Gemeinden ein konkretes Interesse an einer Kantonsschule angemeldet haben, wollte LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz nicht sagen. Nur so viel: «Die Verbandsgemeinden des LLS haben grosses Interesse daran, dass der neue Mittelschulstandort in unserer Region zu liegen kommt.» Für diese Lösung spricht laut Kyburz «die zentrale Lage, die Verkehrsanbindung und die Schülerströme aus den umliegenden Gemeinden und Regionen». Zur Frage allfälliger Präferenzen des LLS für einen der vier Interessenten erklärt Jörg Kyburz: «Aktuell nimmt der LLS bezüglich der einzelnen Bewerbungen eine neutrale Haltung ein.» Zur Standortfrage konkret äussert sich einzig der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann. «Lenzburg könnte sich eine Kantonsschule auf dem Areal des ‹Alten Zeughauses› vorstellen.» Ob der Stadtrat weitere Standorte in Lenzburg auf dem Radar hat, dazu wollte sich der Stadtammann nicht äussern.

Druck vonseiten der SP

Viele junge Leute drängen an die Mittelschulen, die Platzverhältnisse werden zunehmend eng. Deshalb plant der Kanton, den aktuellen Kantonsschulen in Aarau, Baden, Wettingen, Wohlen und Zofingen zwei neue Standorte hinzuzufügen. Einer davon ist im Fricktal, der andere zwischen Lenzburg und Baden – also in der Region Lenzburg – Brugg. Brugg/Windisch als Konkurrent zu Lenzburg hat fünf mögliche Standorte gemeldet. Weitere Details sind aus Brugg und Windisch jedoch nicht zu erfahren. Angesichts der knappen Zeit seien Detailabklärungen mit den jeweiligen Grundeigentümern nicht möglich gewesen, lautet die Erklärung. In dieser Bredouille stecken auch die nebst Lenzburg übrigen drei Interessenten in der Region Lenzburg-Seetal, die sich eine Mittelschule in ihrem Dorf vorstellen könnten. «Aufgrund der momentan sehr offenen Ausgangslage konnten mit den Landbesitzern bis anhin keine Gespräche geführt werden», sagt Kyburz. Konkrete Bewerber beziehungsweise Standorte zu nennen, sei deshalb im jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

Lange war nicht klar, wie stark sich das offizielle Lenzburg tatsächlich ins Zeug legt, um im Rennen um das Gymnasium mitspielen zu können. Im vergangenen Herbst ist Mosimanns Partei, die SP, aktiv geworden und hat versucht, die politische Diskussion zu lancieren. In einem Postulat haben Beatrice Taubert und Remo Keller den Stadtrat aufgefordert, sich beim Regierungsrat aktiv dafür einzusetzen, dass eine der zwei geplanten neuen Tagesmittelschulen in Lenzburg aufgebaut wird. Der Stadtrat solle mögliche Standorte prüfen und allenfalls notwendige Landsicherungen vornehmen. «Lenzburg entspricht exakt dem Wunschstandort des Regierungsrates», hielt die SP fest. In ihrem Postulat hatte die SP zudem eine Zusammenarbeit der Stadt mit den umliegenden Gemeinden und allenfalls dem LLS gefordert.

Favoriten bis Ende März bekannt

Alle von den drei Regionen (Frick, Brugg und Lenzburg) eingereichten Standortvorschläge werden nun vom Kanton einer ersten Prüfung unterzogen. LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz hat beim BKS in Erfahrung gebracht, dass der Kanton bis Ende März ein grobes Evaluationsverfahren abschliessen will. Kyburz hält dazu fest: «Es kann davon ausgegangen werden, dass zu diesem Zeitpunkt die Standortfavoriten bekannt gegeben werden.» Im Anschluss daran sei es dem LLS möglich, detaillierte Informationen abzugeben.